Wenn die Mutter sagt …

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Heute hat mir der Autistenfreund in einer WhatsApp-Nachricht geschrieben, dass seine Mutter gesagt hat, ich wäre gar nicht eine richtige Freundin, sondern nur eine Bekannte …

Ich war leicht irritiert und habe nachgefragt, was denn eine RICHTIGE Freundin ist.

Antwort:  … eine Freundin fässt  man an die Hand und schläft auch mit ihr.

Upps.

Ich habe zurückgeschrieben, was ich unter Freundschaft verstehe, Vertrauen, gegenseitige Hilfe, Verständnis haben … Und ich weiß nicht, ob er als Autist wahr nimmt, was hinter diesen Worten sich gefühlsmäßig verbirgt. Wobei Autist nicht gleich Autist ist …

Er antwortete mir darauf, dass ihm dies nicht reicht. Tja, das hatte ich so nicht erwartet. Er hat ja überhaupt keine Freunde, weder männlich noch weiblich. Seine einzige Sozialpartnerin ist seine Mutter.

Sonst niemand. Ich habe aber auch nicht das Gefühl, dass er darunter leidet. Nun bin ich ein bisschen schlauer, dass er mit meiner Art von Freundschaft nichts anfangen kann.

Schade.

*      *     *     *     *

12 Gedanken zu “Wenn die Mutter sagt …

  1. ja, es kann schon schwierig werden wenn der Begriff Freundschaft zwei Bedeutungen hat – zumindest für deinen Authistenfreund.
    Vielleicht sollte man für ihn ein anderes Wort für die Freundschaft, wie wir es verstehen, suchen.

    • Ja, für ihn ist es sehr schwierig. Inzwischen spricht er davon, dass ich keine Liebes-Freundin geworden bin und ist traurig drüber …

      • Autisten sind auch normal und das nicht mal in. Anführungszeichen.

        Nein, ganz im ernst, für mich, als Asperger-Austistin, ist vieles nicht zu verstehen. Aber wer versteht schon jeden?

        • Ja, da hast du natürlich recht. M. ist nicht nur Autist, sondern auch geistig behindert. Aber auch das ist normal. Wer legt schon fest, was normal ist und was nicht. M. ist ein besonderer und liebenswerter Mensch, aber für mich ist sein Denken oft nicht zu verstehen. Schreibt er mir WhatsApp-Nachrichten staune ich wie klar sie sind, steht er vor mir, grinst er mich nur an.
          Nun hat er auch noch einen Brief an meine Tochter geschrieben (die er gar nicht kennt) und ihr gesagt, dass er eine „Liebes-Freundin“ möchte und ich das nicht sein kann. Ich habe den Brief nicht gelesen, sie sagte mir vorhin, es ist ein Brief, als hätte ihn ein Kind geschrieben. Das ist nicht abwertend, soll nur heißen, dass ich nicht weiß, wie und was er denkt und wirklich fühlt. Leider.
          Über Autismus weiß ich nicht wirklich viel und hat wohl eine riesengroße Spannweite, mit Tausende von Schattierungen. Auf jeden Fall ist er für mich ein besonderer und liebenswerter Mensch, wobei das „liebenswert“ nicht erotisch gemeint ist.
          Ansonsten hat er gar keine Freunde. Ich kenne ihn ja vom Offenen Treff der KBS (Kontakt- und Beratungsstelle) und dort mag keiner etwas mit ihm zu tun haben wollen. „Man“versteht ihn einfach nicht, wird schroff und abweisend. Und er merkt es nicht, sagte mal zu mir, dass alle doch so freundlich zu ihm sind. Den Unterschied zwischen Ablehnung und Willkommen kann er nicht wahrnehmen.
          Er lebt in seiner Welt, zu der ich keinen Zugang finde.
          Leider.

  2. Ich glaube, wenn die Mutter das nicht gesagt hätte,
    was übrigens sowieso Blödsinn ist, wäre dein Freund weiterhin zufrieden und glücklich gewesen damit wie es ist zwischen euch!

    Also Mütter können manchmal unmöglich sein.
    Wahrscheinlich ist diese Mutter eifersüchtig,
    weil sie die einzige Bezugsperson
    (oder Frau) im Leben ihres Kindes sein will.
    Segen dir!
    M.M.

    • Nein, so richtig glücklich und zufrieden war er nicht mit mir. Er wollte am liebsten, dass wir uns jeden Tag sehen und hat nicht verstanden, warum ich das so nicht wollte, hab das aber auf die Autisten-Anhänglichkeit geschoben.

    • Also, wenn du jetzt meinst, ob ich nur gute Freunde sein könnte, wenn ich mich in den anderen verliebt hätte? Oder was meinst du? Ich könnte es nicht.

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