Was mache ich nur falsch?

Gestern ist mein Mann 60 Jahre alt geworden.
Wäre er geworden.
Er ist am 17.4.2009 gestorben.
Vor fast 10 Jahren, nach 20 Jahren Ehe und er war der weltbeste Ehemann der Welt.
Wir haben uns diese ganzen 10 Jahre nie gestritten.
NIE.
Wirklich! Ich schwöre, es stimmt, kein einziges lautes Wort gab es.
Die unterschiedlichen Meinungen, die wir manchmal hatten, haben wir einfach im Gespräch geklärt, völlig unaufgeregt.
Harmonie pur.
Gott hatte eine riesengroße Hecke um uns gezogen, so habe ich es gefühlt, haben wir gefühlt.
Keine Katastrophen.
Manchmal sagte mein Mann, er hätte Angst, weil bei uns alles so gut läuft, wann denn mal etwas Schlimmes kommt, es kann doch nicht nur immer alles gut sein.‘
Das gibt es doch nicht, soviel Glück und Harmonie auf einmal.

Die Katastrophe kam dann am 17.4.2009, mein Mann starb an den Folgen eines Magendurchbruchs.
Die Hecke war weg.
Der Schmerz über den Verlust war so groß, dass er kaum zu ertragen war.
Ich wurstelte mich so durch den Alltag, irgendwie.
Meine Tochter war in der Nähe, das war gut, das gab Halt.

Ende 2013 lernte ich einen Mann kennen.
Nein, er suchte mich.
Denn ich wollte keinen neuen, keinen anderen.
Und doch ließ ich mich drauf ein.
Ich zog zu ihm, mitten in den Wald auf ein großes Grundstück.
Natur pur.
Zu Beginn war das sehr heilsam, ich begann ein Landei zu werden, es tat mir gut, mit den Tieren zu leben (3 Hunde, 1 Katze, zeitweise auch Katzenbabays, und ein ein paar Schafen).
Ich begann, dieses ursprüngliche Leben im Wald zu lieben.
Doch das war nur der Anfang, unsere Beziehung wurde zur blanken Katastrophe für mich.
Er entpuppte sich Choleriker mit Aggressionen, Wutausbrüche, Demütigung, Gewalt.
Es war nicht zu ertragen.
Wo Gottes Hecke?

Mit dem Beginn des Landei-Lebens bröckelte auch meine Standleitung nach oben, musste ich mir doch anhören „Dein Gott ist ein Arschloch (sorry, das ist O-Ton)“ oder „Dein Gott hilft dir eh nicht, du übst keine Nächstenliebe“, weil ich mich weigerte bestimmte Dinge zu tun. Das waren die harmloseren Sachen.
Ich wurde nur nach meiner Leistung bewertet, das ging soweit, dass auch ich mich nur noch über meine Leistung definierte.
Und mit der war es nicht sonderlich weit her.
Ich war ein NICHTS, das heulend in der Ecke hockte.
Ich war soweit unten, ohne Vertrauen zu mir, ohne Vertrauen auf Gott.
Ich liebte mich nicht mehr, ich liebte Gott nicht mehr.

Wieder gefunden habe ich mich dann in einer kleinen Mietswohnung in Berlin.
Meine Tochter hat mich herausgeholt. DANKE!
Neustart.
Allein.
Selbstwertgefühl im Minusbereich, starken Depressionen mit extremen Suiziddruck.
Wo war Gott?
Das ist jetzt 2 Jahre her.
Die Depressionen sind besser geworden, Dank Therapeuten, Dank Medikamente.

Gestern las ich in meinen Lieblingsandachtsbuch, das ich wieder herausgekramt hatte:

„Hat Gott nicht einen Schutzwall um den Gläubigen gesetzt (Hiob 1:10), den zu durchbrechen dem Teufeln unmöglich ist?
Wenn wir dies glauben, bewahrt uns vor vielen nachträglichen Vorwürfen. Wir sagen dann nicht mehr: ‚Wenn der Notarzt nur ein wenig eher gekommen wäre‘ oder ‚wenn mein Mann nur ein anderes Fahrzeug genommen hätte‘. Unser Leben ist von unendlicher Weisheit und in unendlicher Macht geplant. Er hat einen perfekten Zeitplan für jeden von uns, und sein Zug fährt nach eine vollkommenen Fahrplan.“

Genau diesen bedingungslosen Glauben (man nenne ihn auch naiv) hatte ich verinnerlicht, das hatte ich gelebt, mit meinem Mann gelebt, damit war ich glücklich.
Bis ich in den Wald zog.

Aber auch nachdem ich wieder in der Stadt war, habe ich die Standleitung nach „oben“ nicht wieder gefunden.
Ich gehe in den Gottesdienst, lese in der Bibel oder andere christliche Sachen.
Aber es ist Kopf gesteuert.
Das, was mein Kopf weiß, kommt nicht im Bauch an.
Ich wünschte mir so sehr, dass sie wieder da ist, die Standleitung nach oben, dass das Gottvertrauen wieder da ist, dass ich Gott hören und spüren kann.
Ich möchte wieder glücklich sein damit.
Aber Gott bleibt stumm.

Was mache ich falsch?

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12 Gedanken zu “Was mache ich nur falsch?”

  1. Du machst nichts falsch. Die Sache mit dem Glauben ist ein Weg mit Höhen und Tiefen. Wenn man ganz unten angekommen ist, geht es auch wieder bergauf.
    Mir hat schon mal geholfen, mit Gott ins Zwiegespräch zu gehen und richtig mit Ihm zu schimpfen. Das tat gut. Und dann war Er irgendwann doch wieder da.

  2. Du machst nichts falsch 🙂
    Versuche allmählich wieder auf die Beine zu kommen und Dich auf Dich zu besinnen.
    Es gab ja eine heilsame Phase in deinem Leben, also ist doch die Möglichkeit da, dorthin zurückzukehren. Durch Liebe zu sich selbst. 🙂

  3. Liebe Weena, mir hilft die Ruhe mit mir selbst. Spazieren gehen im Wald. Tiere ruhig beobachten. Nur mit mir sein. Und ich denke, dann öffnet sich irgendwas, das Fenster zu Dir oder Gott. Wie auch immer man es benennen möchte. Man kann es nicht forcieren. Wenn – dann funktioniert so nicht. Vielleicht malen oder die richtige Musik hören. Sich nicht von der Gesellschaft verrückt machen lassen „du musst doch aber…“. Nein, Garnichts musst du. Nur ein bisschen glücklich sein.

    Ganz lieb gegrüßt,
    Dana

  4. Du machst nichts falsch und Du bist genau richtig so wie Du bist.
    GEDULD
    Ein langer Weg beginnt mit dem ersten Schritt (Laotse)

    und deine Schritte leiten Dich doch schon…GEDULD

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