Spurwechsel …

Nein, ich möchte nichts über Politik schreiben.
Auch nichts über Flüchtlinge, nichts über demografischen Wandel, nichts über den Arbeitsmarkt, über Asyl und Ausbildung.
Nur über mich.

Es hat ein Weilchen gedauert,3 Wochen bis ich es in meinem Kopf klar bekommen habe, wohin die Reise führt.
Nein, ich fahre nirgendwohin.
Ich gebe nur meinem Leben eine neue Richtung.

Ganz so plötzlich war es dann doch nicht.
Es kam ein Puzzle-Teil zum nächsten.

Wer hier schon eine Weile mitliest, weiß, dass ich jeden Donnerstag zur Selbsthilfegruppe gehe.
Sie war in den ganz schlimmen Zeiten eine wirklich große Hilfe.
Dort sind Menschen, die mich verstehen.
Wenn ich sage, mir geht es nicht gut, dann wird das verstanden.
Ich musste nichts erklären, mich nicht rechtfertigen.
Das war sooo gut, es tat sooo gut.
Ich fühlte mich nur noch unter diesen Menschen wohl.
Vermeintlich „Gesunde“ überforderten mich.

Vor einem halben Jahr verließ der Leiter die Gruppe, er hatte neue und andere Aufgaben.
Von da an begann die Gruppe zu bröckeln.
Nach und nach verließen 4 weitere die Gruppe bis nun vor 3 Wochen auch die neue Leiterin aufhörte.
Ich glaube, sie ist nicht damit klargekommen, das alles zerbröselt.
Statt ihrer sind zwei neue Herren gekommen, die die Gruppe weiterführen möchten und jede Menge neuen Wind mitbrachten.
Das war aber sogar nichts für mich. Die beiden Herren.
Beide sind HartzIV-Empfänger.
Das ist völlig ok.
Aber mit dieser Tatsache nahmen sie Raum ein, ließen für nichts anderes mehr Platz.
Nein, sie suchen keine Arbeit.
Sie wollen nicht arbeiten.
Der Staat ist doch sowieso kacke, da sehen sie nicht ein, dass sie Steuern zahlen sollen.
Und wenn arbeiten, dann schwarz.
Jeder kann so leben wie er möchte.
Aber diese private Einstellung dominant in den Raum zu stellen und das nicht nur einmal, sondern immer.
Nein, das ist nicht mein Ding.
Da fühle ich mich nicht wohl.

Und ich begann zu überlegen, was ich mache, was wichtig für mich ist, was mir gut tut.

Parallel dazu begann ich wieder regelmäßig zur Gemeinde zu gehen.
Mit jeder neuen Predigt, gefiel mir der Prediger besser.
Das, was er sagte, passte fast 1:1 dem Verständnis, was ich habe.
Ich begann, mich dort wohlzufühlen.
Ich ging zu den Gottesdiensten, zur Seniorengruppe (haha) und zur Bibelstunde.
Überall hatte ich den Eindruck herzlich willkommen zu sein.
Es waren Themen wie in der Offenbarung die Schreiben an die Gemeinden, wo eindringlich gefordert wurde „kehrt zu eurer ersten Liebe zurück“. (Soll heißen, denkt daran, wie es war, als man zum Glauben gekommen ist).
Und das war bei mir wirklich grandios.
Genauso soll es wieder werden.
Ich möchte wieder diesen bedingungslosen Glauben haben, möchte meinen Gott zu 100% vertrauen, möchte wieder jeden Tag in seine Hände legen, möchte mich wieder beschützt fühlen.
Ist das naiv?
Dann bin ich es gern.

Ich habe meinen Therapeuten davon erzählt und bin bei ihm offenen Türen eingerannt.
Hatte ich schon erwähnt, dass er der Sohn eines Pfarrers ist?
Wenn ich bei ihm etwas von Gott, der Bibel und dergleichen erzähle, dann weiß er, wovon ich spreche.
In der der letzten Sitzung schwärmte er mir etwas von dem wunderbaren Buch der Bibel vor.
Das hatte schon etwas Komisches.
Aber das Beste kommt noch:

Mir geht es gut!
Ja, richtig gelesen, mir geht es gut!
Ihr glaubt gar nicht, was für ein großartiges Gefühl das ist!

Nun stellt sich die Frage, wie ich diesen Blog hier weiter schreiben möchte, ob überhaupt.

Ich denke, ich werde es versuchen, werde versuchen zu beschreiben, was wichtig für mich ist und wie neue Gedanken in meinen Kopf einziehen und alte verdrängen.

Ob das einfach so geht.
Ob die dunklen pechschwarzen  sich dagegen zur Wehr setzen.
Ob es anhält.
Ob das eine Schnapsidee ist.
Oder ob es mir wirklich gelingt, eine Kehrtwende hinzulegen.

Vielleicht runzelt jetzt jemand mit der Stirn und sagt: Hallo Weena, man kann sich die Welt nicht schön denken, sie ist nicht schön. Sie ist kalt, grausam, erbarmungslos.

Komm runter von deiner rosaroten religiösen Fantasiewolke.
Wie sagte doch Karl Marx: „Religion ist das Opium des Volkes“
Von diesem Opium wäre ich sehr gern abhängig, wenn sie mir ein Leben schenkt, dass lebenswert und völlig umsonst ist.

Wer mag, kann ab jetzt weiterlesen, wie es mir damit geht… ob es geht …

 

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4 Gedanken zu “Spurwechsel …

  1. Ich finde es nicht komisch, sondern schön.
    Wenn man etwas gefunden hat, was einem hält oder begeistert.
    Mach einfach das was dich glücklich macht.

  2. Hallo liebe Weena!
    Ich freue mich soooooo sehr über deinen Spurwechsel. Und das es dir gut geht!
    Mir geht es seit einiger Zeit auch richtig viel besser. Meine Psychologin war heute sehr zufrieden mit mir.
    Ich lese gern von dir und bin gespannt, wie es bei dir weiter geht.
    Liebe Grüße
    Christiane

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