Selbsthilfegruppe in Not – die Fortsetzung

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(Achtung, dass ist ein Beitrag, der für viele unverständlich ist. Unverständlich für die, die psychische Erkrankungen nicht kennen, es nicht wissen können,  manche Reaktionen somit mit „gesunden Menschenverstand“ nicht verstehen. Ein Trauma ist so eine schlimme Sache, die manchmal tödlich endet, wenn der Druck des Geschehenen zu groß wird.)

Am 5. Januar habe ich davon geschrieben, dass wir ein dickes Problem in unserer Selbsthilfegruppe haben und ich keine Lösung wissen.

Heute nun war T. bei mir zu Hause. Sie hatte gestern spontan angefragt, ob ich denn heute Nachmittag Zeit hätte.
Und ich hatte, ich bin eben nicht in den Offenen Treff gefahren.

Wir haben ganz lange (3,5 Stunden) geredet.

Sie kam gerade von ihrer Therapeutin (die hat sie schon seit 12 Jahren, soll heißen, sie kennt T. recht gut) und hatte dort auch dieses Problem angesprochen.

Ergebnis: Sie wird nicht mehr in die Gruppe zurückkehren.

Der Hauptgrund ist natürlich A., dessen Art sich zu bewegen und zu atmen, sie derart triggert, dass sie in ihr Trauma zurück- und in Panik verfällt.

Aber es kommt nun noch ein anderer Grund dazu.

Außer mir hatte sie den Grund für ihr fluchtartiges Verlassen der Gruppe auch der Gruppensprecherin gesagt.
Im Vertrauen.
Beide sind auch befreundet.
K. wusste nun auch keine Lösung und hat in dem Glauben, sie macht es richtig, mit A. gesprochen und ihm von ihren Trauma erzählt.

Das empfindet T. nun als absoluten Vertrauensbruch und das mit einem Menschen, der sie so sehr wieder nach unten zieht.
Und was macht A.?
Er bombardiert sie seitdem täglich mit Mails, will eine Aussprache, will unbedingt mit ihr reden, alles klären.

Aber schon, wenn sie den Namen A. in der Adresszeile liest, kommt die Panik.

Ich weiß, dass es K. und T. nur gut meinen und einen Ausweg suchen, aber sie haben beide alles falsch gemacht.

Vielleicht meint jetzt jemand, dass T. doch auch einen Schritt  auf sie zu machen sollte. Es ist für Menschen einfach schwer zu verstehen, wie es traumatisierte Menschen geht, mit welcher schweren Last sie leben müssen und es mit ein bisschen „Zusammenreißen“ nicht geht, dass das vegetative Nervensystem verrückt spielt und nicht zu beeinflussen ist, wenn sie mit dem Trauma getriggert werden.

Das Ergebnis ist nun (mit ihrer Therapeutin erarbeitet), sie bleibt der Gruppe fern. Sie setzt sich nicht mit der Konfrontation des Traumas auseinander, will daran auch nicht arbeiten.

Weil, das Vertrauen zur Gruppe ist kaputt, es wurden Dinge weiter erzählt (wenn auch mit guter  Absicht), die sie ihrer Freundin im Vertrauen erzählt hat und nun nicht weiß, was A. alles von ihr kennt.

Eine neue Selbsthilfegruppe möchte sie nicht, kann sie nach dem Vertrauensbruch nicht.

Sie hat eine Gruppe entdeckt, in der 4 Frauen mit der Maschine nähen und kreativ arbeiten. Das passt zu  ihr. Dort will sie es versuchen.

Wenn jetzt jemand denkt, das ist doch alles Kindergartenkram und erwachsene Menschen sollten sich doch nicht so haben, dann bitte beachten, wir alle sind in dieser Selbsthilfegruppe nicht, weil wir mal gerade donnerstags nicht anderes zu tun haben, sondern weil wir einen psychischen Knacks weg haben, wenn nicht  gar ganz schlimmes Trauma wie eben T.

Gut, jetzt habe ich genug gelangweilt.

Wir haben natürlich nicht nur über dieses große Überthema gesprochen.

Im Gegenteil.

Ich konnte zum ersten Mal mit jemand darüber sprechen, wie es mir vor einem dreiviertel Jahr ging, als bei mir der Suizid-Druck so groß war, dass beinahe alles anders gelaufen wäre.

Ich wusste, dass sie es versteht.

Es tat so gut, es zu erzählen.

Mit meinen Therapeuten habe ich sooo noch nicht gesprochen, es war noch kein Thema. Bei ihm geht es um meine Zukunft, lerne wie ich mich verhalten muss, dass ich nicht falle.

Und so war dieser Nachmittag richtig und wichtig für mich und für sie und ich glaube, ich eine neue Freundin gefunden.

Und so entsteht manchmal aus einer scheinbar verfahrenen Situation etwas Neues, etwas Gutes, eine Freundschaft.

*     *     *      *      *

4 Gedanken zu “Selbsthilfegruppe in Not – die Fortsetzung

  1. 1. Du langweilst in keinster Weise!!!!!!!!
    und
    2. Danke für diesen offenen Umgang mit dem Thema!!!!!!!!

    Niemand muss sich hier für irgendetwas rechtfertigen.

    Ich bewundere deinen Mut dies hier zu veröffentlichen und uns teilhaben zulassen an einer Welt, die mir fremd ist, was aber nicht heißt, dass ich nicht auch einen Knacks habe.

    In diesem Sinne: weiter so!

    • Ja, stimmt, es ist mein Blog und meine Gedanken, Gefühle und Erlebnisse. Aber es tut auch gut, wenn ich Kommentare lese. Ich fühle mich dann etwas wertgeschätzt. Es gibt in dieser großen weiten Welt Leute, die mögen, was ich schreibe.
      Danke an alle Kommentatoren!

    • Sie ist kein „Profi“, sondern auch nur Mitbetroffene. Was mir aber heute noch dazu eingefallen ist: Sie hat ja noch am gleichen Tag T. gesagt, dass sie dann eben nur kommen kann, wenn A. nicht da ist. Warum nicht umgedreht? Sie hätte auch sagen können, A. kann nur kommen, wenn T. nicht kann. Sie kommt schließlich schon seit Jahren.
      Aber gut, die Sache ist nun gegessen.

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