Rückwärtsgang ….

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Gestern wars, da rief J. an.
Gerade jetzt, wo ich wieder in einer Phase des Kämpfens bin.
Locker und frei erzählte er von seinem Geburtstagsfest, wie viele da waren und wie schön es war.
Rums.
Dann kam das, was jeder kennt, der an Depressionen erkrankt ist.
Es reicht ein Wort, ein daher gesagter Nebensatz und es triggert.
Es triggert so sehr, dass sofort die Abwärtsspirale einsetzt.
Da hilft kein vernünftiges Denken mehr, kein „es war doch nicht so gemeint“, kein besseres Wissen … es geht abwärts.
Wut machte sich breit in etwa so:  „Während ich hier ums Leben kämpfe, macht der Herr fröhlich Party“
Und man kommt nicht wieder raus aus diesem Kopfkino.
Es war sofort alles wieder da, die schönen glücklichen Zeiten, aber auch die ganz schlimmen, die aggressiven.
Ich musste gestern Abend zu eine „Notfalltablette“ greifen, damit sich der Knoten im Kopf wieder löst.

Heute Vormittag hatte ich dann die medikamentösen Nebenwirkungen: Ich war schlapp, ich war müde, ich fühlte mich Sch …, war zu nix fähig.

Nachmittag dann der Termin beim Zahnarzt.
Ich habe keine Angst vorm Zahnarzt.
Ich habe schon alles, was ein Zahnarzt zu bieten hat, mitgemacht.
Nun steht wahrscheinlich wieder etwas größeres an.
Er hat entdeckt, dass es unter einer 25 Jahre alten Krone Zersetzungserscheinungen gibt.
Aber das ist nicht schlimm, muss halt eine neue drauf, wenn die Wurzel in Ordnung ist, kommt ein Stift rein.
Kenne ich schon alles gefühlte 100x.

Später zu Hause, ach du Schreck, keine Internetverbindung und kein Fernsehen. Bei letzterem kann ich gut verzichten.
Aber ohne Internet?
Was haben wir nur früher gemacht?

Wie sehr haben wir uns daran gewöhnt, schnell mal etwas zu googeln, oder nach dem Fahrplan der Bahn zu schauen.
Oder nach einer Telefonnummer.
Wann das Paket von Amazon kommt.
Oder eine nette Nachricht an T. zu senden.

Früher hatten wir Duden, Lexikon, Stadtpläne,Telefonbücher, Schreibmaschinen, Postkarten und Telegramme.
Heute haben wir für alles eine App.
Online.
Und stehen völlig hilflos da, wenn irgendeiner auf dieser Leitung steht.
Vier Stunden später war es wieder da, das Internet und die Welt wieder in Ordnung.

Und nochetwas.
Noch eine Rolle rückwärts.
Vor etwas mehr als einem Jahr hatte ich mit einem Foto-Lehrgang begonnen.
Nach 4 Wochen habe ich es abgebrochen.
Zu schwierig für mich fand ich.
Außer „Knipsen“ kann ich ja nichts.
Zwischenzeitlich hatte ich noch probiert, mit GIMP allein mir ein bissel Bildbearbeitung beizubringen.
Das klappt auch nicht so richtig.
Ich brauche schon eine Anleitung, die mich systematisch führt.

Und so habe ich gestern angerufen und gefragt, ob ich es denn doch machen kann.
Ja, es ist schwierig für mich.
Aber ich hoffe und wünsche mir so sehr, wieder aufmerksam mit der Kamera nach Motiven zu suchen.
Vielleicht hilft mir das dabei.
Wille, Hoffnung, Motivation – alles da.

Vielleicht bin ich aber auch schon  zu alt für so einen Lehrgang, vielleicht geht es auch nicht mit meinem Dachschaden im Kopf (Durch die Depression kann ich mich nur sehr sehr schwer zu konzentrieren), aber ich möchte es nochmal versuchen.

Und ab jetzt wieder den Vorwärtsgang, wenn auch nur mit Tempo 10.

 

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