Die Geschichte zum Mittwoch

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Auf der Durchreise

Im 19. Jahrhundert lebte in Polen ein bekannter jüdischer Rabbi mit Namen Hofetz Chaim.

Zu ihm kam eines Tages ein Besucher, um einen Rat von ihm zu erbitten.

Als der Mann sah, dass die Wohnung des Rabbi aus einem einzigen winzigen Zimmer bestand, in dem sich nur eine Bank, ein Tisch mit einem Stuhl und viele Bücher befanden, fragte er den Rabbi verwundert: „Meister, wo haben Sie ihre Möbel und den Hausrat?“

„Wo haben Sie Ihre?“ erwiderte der Rabbi.

„Meine?“ fragte der verblüffte Fremde, „ich bin doch nur zu Besuch hier. Ich bin nur auf der Durchreise!“

„Ich auch!“ sagte Hofetz Chaim.

Quelle Text: Axel Kühner „Überlebensgeschichten“, S. 191

 

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Das Foto am Morgen 26. Juli 2017

 

Was seht ihr?
Nichts?
Nur Parkett und sonst nichts?
Das ist gut so.

Mein kranker Hunde-Opi hatte nämlich die Nacht Durchfall und ich hab’s nicht mitgekriegt.
Heute Morgen war die braune Suppe teils angetrocknet im Flur.
Ich war echt verzweifelt, dass ich den Gestank aus dem Holz wieder rauskriege.
Erst „General“ pur ausgekippt und kurz einziehen lassen, hat es geschafft.
(Hättet mich mal sehen sollen, wie ich dauernd mit der Nase 1cm über dem Parkett lang geschnüffelt bin)

Zum Glück ist das Parkett nicht aufgeblüht.

DANKE

 

                                

 

 

Ein falscher Traum von Liebe

Gestern habe ich in der Nähe des Offenen Treffs ein kleines Cafe entdeckt.
Ich habe mich rein gesetzt und für 2,60€ eine Tasse Milchkaffee und Stück Himbeerkuchen bestellt.
Geht also.
Gut, der Himbeerkuchen war fürchterlich sauer.

Ich mag das zur Zeit sehr gern, mich irgendwo in ein Cafe setzen und die Atmosphäre genießen.
Es darf nur nicht voll sein.
Keine Hektik, kein überfordertes Personal.
Alles ruhig und friedlich.
Der Kaffee, der Kuchen und ich.
Vielleicht auch noch ein paar andere Gäste, aber nicht zu dicht.
Ich esse fürchterlich gern Kuchen, Torten und solch ein Süßkram.

Das Beste an gestern war, dass in einer Ecke ein Kiste mit gebrauchten Büchern stand.

 

Ich habe mir eins genommen und angefangen zu lesen.

 

„Ein falscher Traum von Liebe“ von Christine Birkhoff.

Auf dem Buchdeckel steht:

„Vom Vater verprügelt, von der Mutter verachtet: Die kleine Christine ist froh, als ihr neuer Stiefvater Jürgen sich als Erster und Einziger auf ihre Seite stellt. Vielleicht gibt es das noch: Familienglück. Doch Jürgens Liebe ist nicht das, was sie zu sein scheint. Immer öfter will er mit Christine allein sein, immer mehr isoliert er sie von Freunden. Als er in seinem neuen Haus ein „Liebesnest“ für sie einrichtet, beginnt eine Tortur für sie, aus der sie sich erst 20 Jahre später befreien kann. Dass Christine heute ein glückliches Familienleben führt grenzt an ein Wunder.“

Ich habe erst ein paar Seiten gelesen und war schockiert, wie sie als ganz kleines Kind misshandelt wurde.

Und ich habe an meine Kindheit gedacht.
Ich wurde nicht geprügelt.
Ein paar Ohrfeigen vielleicht, wie es damals noch üblich war.
Wenn ich und meine Schwester mittags nicht schlafen sollten und Quatsch gemacht haben, hat meine Mutter schon mal den Teppichklopfer rausgeholt und auf die Bettdecke geschlagen.
Das hat keinem weh getan, unter der Decke merkte man es gar nicht.
Wir haben nur heimlich gegrinst und weiter gegackert.

Ich war ein ruhiges und stilles Kind.
Meine Mutter hat immer stolz allen erzählt, dass ich „so nebenbei“ groß geworden bin.
Ich kann mich aber auch nicht erinnern, dass ich mal von ihr in den Arm genommen wurde.
Nie.
Oder getröstet.
Nie.
Oder gar gesagt, dass sie mich lieb hat.
Nie.
Nein, keine Wertschätzung.
Im Gegenteil.
Ich sollte immer anders, besser werden.
Anderen hat sie dann immer gesagt: „Das wird schon noch…“

Vielleicht liegt es daran, dass ich heute noch gefühlsmäßig glaube, nicht gut genug zu sein, immer besser sein zu müssen.
Ich weiß es nicht.
Ich mache ihr auch keinen Vorwurf, sie ist eine (oder besser, sie war eine) sehr dominante Frau.
Wie ihre Mutter, kannte es also gar nicht anders.
Mein Vater hatte nichts zu sagen.
Er war wie ich.
Still und ruhig.

Nein, ich hatte keine schlechte Kindheit.
Ich wurde nicht schlecht behandelt, verprügelt und gar sexuell missbraucht.
Nur ein bisschen spürbare Liebe, die hat gefehlt…

Ich habe das Buch mitgenommen und werde es lesen.
Ich werde sicherlich an manchen Stellen sehr schockiert sein.
Und ich werde dankbar sein, dass mir soetwas erspart blieb.

DANKE

 

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Verkanntes Genie …

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Heute  Nachmittag war ich beim Offenen Treff  der KBS (Kontakt- und Beratungsstelle für psychische Kranke) zum Spielen.

Wir spielten „Phase 10“.
Wer es nicht kennt, es ist so ähnlich wie Kniffel, ein Würfelspiel.

Am Tisch saß auch ein Mann, den ich als doch sehr stark geistig behindert eingeschätzt habe. M., 52 Jahre.
Er verstand das Spiel nicht.
Auch beim 20. Mal begriff er nicht, was „eine Straße“ würfeln bedeutet.
Er hat es bis zum Spielende nicht erkannt.
Er freute sich vielmehr an den bunten Würfeln und strahlte über das ganze Gesicht.

Er fragte mich, ob ich Kinder hätte.
Ich: Ja, sie ist aber schon groß, schon 38.
Er: Ah, 1979 geboren.
Ich: Nein, 1978, im September.
Er: Ist sie ein Sonntagskind?
Ich: Nein.
Er: Dann ist sie Mitte des Monats geboren.
Ich: Ja, am 15.
Er: Das war ein Freitag. Es waren 21 Grad. … … …

Ich kriegte riesengroße Kulleraugen und verstehe bis jetzt nicht, wie er das wissen konnte. Es stimmte genau.

Er habe das mal gelernt, sagte er.

 

                                    

 

 

 

Das Foto von heute 23.07.2017

Ich kann auch Bienchen.
Ein bisschen wenigstens.
Hätte es gern anders, besser, schöner, beeindruckender.
Und ich merke wie Unzufriedenheit sich beim mir einschleicht.

Dass ich mich vergleiche mit Fotografen, die das gefühlte 100 Jahre machen mit einer Kamera, die jenseits von 1000€ liegt, Objektiven, die aufgesetzt werden können, die das Zusammenspiel von Licht, Bewegung, Zeit und Linsen perfekt beherrschen und dazu noch ein teures Bildbearbeitungsprogramm haben.

Habe ich alles nicht.
Eine Kamera von 100€, kein aufsteckbares Zeugs, von der Technik keine Ahnung und ein kostenloses Bildbearbeitungsprogramm, bei dem ich gerade mal das Zuschneiden, Heller, Dunkler, mit und ohne Rahmen beherrsche.
Gut, ich bin ich.
Und das ist MEIN Bienchen.
Punkt.

 

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PS:
Was ich mich etwas irritiert ist, dass keiner gefragt hat, was das denn gestern auf dem Bild ist.
Ich wüsste es nämlich nicht, wenn ich es nicht gerade geknipst hätte.
Aber vielleicht bin ich besonders doof.
Kann ja sein.
Falls es aber noch jemand unter dieser Sonne gibt, der gleich doof ist:
Es ist ein Kaktus.
So.

 

Das Foto von heute 22. Juli 2017

Die Hitze hat mich echt matschig  im Kopf gemacht.
Das Foto, was ich eigentlich gestern posten wollte, kommt nämlich jetzt.
Ich hatte es völlig vergessen.

Mir ging es heute den ganzen Tag nicht gut.
Ich war richtig sauer mit mir, die Angst war gleich da, dass sich nun wieder die Abwärtsspirale eintrudelt.
Bloß nicht das.
So habe ich mich irgendwie durch den Tag gehangelt.

Jetzt nach der Gewitterfront ist es besser.
Ich hoffe, es war nur falscher Alarm.

Nun gut, bin für heute zu nichts zu gebrauchen, nicht mal für meinen Blog.

Hier das Bild:

 

Ich finde es unheimlich interessant und gruselig.
Was für eine Vielfalt, die man optisch beim Vorübergehen überhaupt nicht wahr nimmt.

Tag ist abgehakt.
Morgen gibt’s einen neuen.
Einen besseren.
Punkt.

 

 

 

Das Foto von heute 21. Juli 2017

Heute ist Freitag – mein Botanischer-Volkspark-mit-Kaffee-und-Kuchen-Tag.
Es war warm, es war schwül, aber vielleicht auch nicht.

Seit ich die Wunderpillen nehme, die mich ins Leben zurück befördern sollen oder auch tun, schwitze ich wie doof.
Das steht auf dem Waschzettel, der immer den Medikamenten beiliegt.
Aber besser so als anders.
Ich bin also trotz des Schwitzens los.
Es gibt in dem Park ein kleines Wildgehege mit ein paar Rehen – dahin wollte ich.

Die Fotoaufgabe für diese erste Woche ist ja: Tiere in Augenhöhe zu fotografieren.

Nun wollte ich nicht gleich bei der ersten Aufgabe sagen: Nö, ist mir zu warm, ich bleibe zu Hause.
Und außerdem ist das Fotografieren von Rehen auf Augenhöhe eine komfortable Sache.
Also nicht auf dem Bauch in einer Pfütze liegen, um die Augen eines Tieres 1:1 aufs Bild zu kriegen.

Trotzdem hat es nicht so geklappt, wie ich es mir gewünscht habe.
War eben doch zu warm.
Naja, ich übe.

Die Ergebnisse poste ich erst am Donnerstag. (Falls jetzt jemand dachte, die ersten Fotos zu sehen – nee, iss nicht)
Bis dahin  finde ich vielleicht auch noch andere Tieraugen.

Aber so ein paar andere Fotos habe ich auch noch geknipst – für „Das Foto von heute“.

 

 

 

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See the bigger picture

Kennt das jemand?

Ich habe davon auf dem Nahaufnahmeblog gelesen und bin neugierig geworden.

„See the bigger picture“ ist ein Kartenspiel mit Lernaufgaben für das Fotografieren.
Pro Karte eine Aufgabe, was und wie man fotografieren soll.
Richtig Spaß macht es, wenn ganz viele mitmachen.
Das Ergebnis ist dann ganz viele Fotos mit der gleichen Aufgabe und ganz vielen verschiedenen Motiven.
Ich mit meinen Null-Kenntnissen vom Fotografieren kann da leider nicht mitmachen. Profis lachen sich schlapp, wenn ich mit meinen Schneckenfotos oder so komme.

Aber ich habe gesehen, dass es dieses Kartenset auch für Kinder gibt.
Und das denke ich, könnte ich ja mal probieren.
Ich habe mir die Karten bestellt, sie sind gestern gekommen.
Ungeduldig wie ich bin, habe ich natürlich gleich die erste Karte gezogen.

Und … tatata, diese Aufgabe ist es:

Das ist doch mal ein guter Einstieg.
Tiere.
Ich habe mich gleich bäuchlings auf den Wohnzimmerboden gelegt und meine Hunde fotografiert.
Was glaubt ihr, wie unbequem das ist. Ich … als alte Frau auf dem Bauch mit dem Fotoapparat vor den Hundekissen … ein Bild zum Wegschmeißen.

Das Ergebnis zeige ich aber noch nicht.
Ich möchte noch ein bisschen üben, vielleicht noch in  anderen Situationen.
Mir ist auch der Gedanke gekommen, dass ich die Katzen meiner Tochter fotografieren könnte.
Mal sehen.

Auf jeden Fall bin ich hochmotiviert (mal sehen wie lange – wenn dann die erste unlösbare Kinderaufgabe kommt und ich kapituliere).
Und, nur mal so, wer Lust hat könnte auch mitmachen.

 

                               

 

 

Die Geschichte zum Mittwoch

Das Leben ist herrlich

Ein Mann klagt einem Rabbi sein Leid: „Mein Leben ist nicht mehr erträglich.
Wir wohnen mit sechs Personen in einem Raum.
Ich halte die Enge und den Lärm nicht mehr aus. Was soll ich nur machen?“

Der Rabbi überlegte und riet ihm dann: „Nimm deinen Ziegenbock noch mit in euer Zimmer!“
Der Mann erhob verwundert seine Einwände gegen den Vorschlag.
Doch der Rabbi beharrte auf seinen Rat: „Tu, was ich dir gesagt habe, und komm nach einer Woche wieder!“

Nach einer Woche kam der Mann zum Rabbi.
Er war vollkommen entnervt und am Ende.
„Wir können es nicht mehr aushalten.
Der Ziegenbock stinkt fürchterlich.
Die Tage sind eine einzige Qual, die Nächte schlimm und schlaflos.“

Der Rabbi sagte nur: „Geh nach Hause und stell den Ziegenbock wieder in den Stall.
Dann komm nach einer Woche wieder!“
Die Woche verging.
Als der Mann zum Rabbi kam, lachte er übers ganze Gesicht: „Das Leben ist herrlich, Rabbi.
Wir genießen jede Minute.
Kein Ziegenbock, kein Gestank.
Nur wir sechs im Zimmer.
Das Leben ist herrlich!“

Manchmal wird das Leben in seinen engen Grenzen wieder weit und lebenswert, wenn man an die viel größere Not denkt, in der man sein und leiden könnte.
Manchmal muss man sich die Not ins eigene Zimmer stellen, damit man erkennt, wie gut man ohne sie leben kann.

Aber wirklich herrlich wird das Leben nicht durch Vergleiche mit anderen Menschen oder Situationen.

Wirklich herrlich bleibt das Leben nur im Wissen um einen Herrn des Lebens.
Unser Leben ist dann herrlich, auch in mancher Bedrängnis, wenn wir einen Herrn haben, der in allen Lebenslagen unser Helfer und Beistand ist.
Nur wer einen starken Herrn hat, dessen Leben wird letztlich auch „herrlich“ sein!

Quelle Text:  Axel Kühner, Überlebensgeschichten, S. 178
Quelle Bild: pixabay.de

PS.: Bis einschließlich fett markierter Satz finde ich die Geschichte richtig gut und zum Schmunzeln.
Die folgenden Sätze sind für mich schwierig.
Ja, ich bin Christin, aber an den Tagen, an denen es mir so sehr schlecht ging, hatte ich das Gefühl, die Verbindung nach oben ist gekappt worden.
Funkstille.
Vielleicht nur gefühlt, aber in dem Text steht etwas davon, dass „selbst in Tagen der Bedrängnis das Leben herrlich ist“.
Eine schlimme Aussage.
Denkt doch dann der „Christ in Bedrängnis“, wenn er das Leben dann nicht „herrlich“ für ihn ist, er glaubt nicht richtig, nicht genug.
Dann geht die Abwärtsspirale noch weiter nach unten.

 

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Das Foto von heute 19. Juli 2017

Heute ist es wieder richtig warm draußen.

Mir kam deshalb die Idee, die mittägliche Gassi-Runde auf den Friedhof zu gehen.
Es gibt hier in der Nähe einen kleinen Dorf-Friedhof.
Friedhöfe haben meist große Bäume und sind sehr schattig.
Ich fand das gar keine so schlechte Idee, weil ich mir erhoffte, ein paar schöne Fotos zu knipsen. (Ich sage immer noch knipsen, weil ich noch ohne irgendwelche Kenntnisse wild drauf los klicke in der Hoffnung, es ist zufällig etwas dabei, was mir hinterher gefällt. Tut es das, dann landet es im Blog, ansonsten in der Tonne. Es lebe die digitale Welt.)

Sagt jetzt jemand, Hunde dürfen nicht auf den Friedhof … ich habe extra geschaut, es gibt kein Verbotsschild.

Ja, es war ruhig.
Ja, es war sehr schattig.
Ja, es standen auch einige Bänke, auf die ich mich setzen und die Ruhe genießen konnte.
Aber Fotos …
Nein.

Entweder waren die Gräber ungepflegt bis verwildert oder es standen überall die gleichen Pflanzen drauf.
Nichts, wo mein Auge mir sagte, das Bild muss ich mitnehmen.
Diese Pflanze, diese Nahaufnahme, diese krabbelnden Tierchen … nix.

So war es zwar ein entspannter Nachmittag, aber fototechnisch gleich Null.
Macht aber nix.
Ich war entspannt.
Die Hunde waren entspannt.
Alles gut.

Ja, ein guter Tag.

 

 

 

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