Morgen um 8

… werde ich abgeholt.
Ich werde abgeholt, um für eine Woche das Haus meiner Tochter zu hüten und um hauptsächlich die beiden Katzen zu füttern.
Ich werde zum ersten Mal in diesem Haus sein, ich kenne es noch nicht.
Ich kenne auch die Gegend nicht, nur mit dem Mauszeiger bei google maps.
Es wird eine Premiere sein.
Für nahe zu jeden wäre das kein Akt.
Für sie wäre das so eine Art Ferienhaus, mal raus aus den eigenen 4 Wänden und mit den Hunden die neue Gegend erkunden.
Neues sehen.
Nun bin ich leider nicht „Jede“, sondern das „fast“ davor.
Neue Dinge, die ich nicht kenne, machen mir Angst.
In jeder Form, nicht nur der Wechsel des Wohnen, sondern in jedem Bereich meines Umfeldes, Ärztewechsel, neue Medikamente, selbst Kleidung und sogar die Jahreszeiten.
Einfach alles eben.
Es ist so schlimm geworden seit mein Mann vor 9 Jahren starb und ich plötzlich allein war.
Wenn es mir arg schlimm geht, esse ich zum Beispiel auch immer Früh, Mittag, Abend das Gleiche.
Und das mitunter wochenlang.

Ich hatte das mal jemand aus der Selbsthilfegruppe erzählt und bekam die für mich unerwartete Antwort: das geht ihr genauso, sie isst immer Nudeln mit Ketchup.
Jeden Tag, wochen-, monate-, jahrelang.
Vielleicht ist das ein Symptom bei Depressionen?
Ich weiß es nicht.

Und nun werde ich morgen um Acht abgeholt in ein mir fremdes Haus, noch fremdes Haus.
Vom Bauchgefühl macht es mir Angst, weil ich dann eine ganze Woche dort bleiben MUSS.
Real ist das natürlich Quatsch.
Ich muss gar nichts.
Ich kann in den Bus steigen und wegfahren.
Also alles Blödsinn, was ich fühle.
Aber ich fühle es eben.
Und das FÜHLT sich real an.

Fragt sich jetzt bitte jemand,warum ich es dann tue, mich zwingt doch keiner, hätte doch nicht zusagen müssen.
Ich wollte es.
Weil es das Haus der Tochter-Familie ist.
Weil sie auch kommt, wenn ich sie um Hilfe bitte.
Deshalb.

Nun kommt noch spaßfördernd diese Hitze dazu.
Die mich auch in die Knie zwingt.
Meine Hoffnung ist, dass es dort wenigstens die Luft frischer ist als hier in der versiegelten Großstadt.
Ich werde sehen.

Heute habe ich auch ein bisschen meine Wohnung auf meine Abwesenheit vorbereitet.
Alle Zimmerpflanzen habe ich reichlich gegossen.
Die, die ganz viel Wasser brauchen habe ich Fußbad verordnet.
Bei meinen Balkonpflanzen will ich einen Test machen, den ich bei Youtube gesehen habe.
Eine Bewässerungsanlage aus Küchentüchern.
Kennt ihr nicht?
Ich auch nicht.
Ich bin echt gespannt, ob das klappt.
Das sieht dann so aus.
Liebe Pflanzenfreunde, was sagt ihr dazu?

Ich weiß, schön geht anders, aber das muss es ja nicht sein.
Wenn es nicht klappt, kommt T. und gießt die Pflanze.
Das ist sozusagen der Plan B.

Ach, und noch etwas.
Hat doch der liebe Gott in zwei meiner Blumentöpfe, in denen Geranien sind, ganz heimlich Hornveilchen gepflanzt.

Als kleine Zusatzfreude sozusagen.
Ja, es zog sich ein breites Lächeln über mein Gesicht, als ich es entdeckte.

Tja und dann habe ich meine Fenster mit Alu-Folie abgeklebt.
Gegen die Nachmittagssonne, gegen die Hitze.
Auch das habe ich bei den Jungs von Google gefunden.
Obs hilft?

Keine Ahnung.
Aber besser als nix, denke ich.
Nächste Woche sollen es nochmal 35º werden.
Wenn die Sonne dann hier hereinknallt, habe ich denn locker 40º.
Ich kann die Markise ja nicht herunterlassen.
Wenn es ein richtig heftiges Gewitter gibt … ich bin mir nicht sicher, ob sie das überlebt.

Nun also Alu-Folie an den Fenstern.
Und das sieht dann so aus:

Nun muss ich nur noch alles zusammen packen, was ich mitnehmen möchte. Und kann es losgehen, morgen früh um Acht – mein ganz persönliches Abenteuer.

 

      

 

3 Gedanken zu “Morgen um 8

  1. Hallo Weena.
    Ich wünsche dir das es dir gefällt, das du eine schöne Zeit hast.
    Auch wenn ich es nicht so nachempfinden kann wie viel Angst es dir bereitet, hoffe ich doch das es dir für die Zukunft hilft, mutiger neue Situationen anzugehen.
    LG, Nati

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