Mein Seelenfutter 20.02.2019

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Um 1740 suchte eine Gräfin für ihren Jungen einen Erzieher.
Man empfahl ihr den später berühmt gewordenen Dichter Gellert.
Die Gräfin ließ den jungen Gelehrten kommen und war beeindruckt von dessen tiefer Frömmigkeit und großer Klugheit.
So machte sie ihm ein Angebot mit großzügiger Vergütung und stellte auch sonst sehr angenehme Bedingungen.
Doch zum Schluss sagte sie: „Sie genießen wegen Ihrer Gelehrsamkeit den besten Ruf. Machen Sie aber bitte aus meinem Sohn keinen Gelehrten. Ich verlange nichts weiter als einen leichten Anstrich von Sprachen, Geographie und Geschichte. Sie genießen wegen Ihrer Frömmigkeit einen guten Ruf. Machen Sie aber bitte aus meinem Sohn keinen ständig betenden Christen. Es genügt, wenn mein Junge die zehn Gebote kennt und sonntags in die Kirche geht. Verstehen Sie mich recht, ich verlange von allem nur den rechten Anstrich!“
Gellert erwiderte ihr: „Gnädige Frau, wenn das Ihr Ernst ist, rate ich Ihnen zu einem Anstreicher!“, empfahl sich und ging.

Habt Acht auf eure Frömmigkeit, 
dass ihr die nicht übt vor Leuten, 
um von ihnen gesehen zu werden.
Matthäus 6:1a

(Quelle: „Ein Lächeln macht die Runde“, Axel Kühner)

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