Materialermüdung …

Nein, das ist nicht irgendein Plastiklöffel.
Es ist ein besonderer.
Es ist der letzte seiner Art in meinem Besteckkasten.
Er ist fast 40 (in Worten: vierzig) Jahre alt.

Damals, ja damals habe ich ihn gekauft als Babylöffel.
So einen Löffel, der vorn rund ist und einen langen Stiel hat, damit man gut in die Babygläschen kommt.
‚Na und?‘ wird so mancher fragen, was ist daran so besonderes?

Es ist Ost-Löffel, geboren in einer Zeit und an einem Ort, wo man nicht jeden Tag so einen Löffel kaufen konnte. Man musste „dazukommen“, wenn es sie mal zufällig gab. Das war selten genug, da wo ich in dieser Zeit wohnte. Vielleicht 1x im Jahr? Oder so.

Was hat er nicht alles erlebt und mitgemacht!
Ein kauendes Baby, bis es aus dem Gläschen-Alter heraus war.
Immer wieder benutzt und verborgt für andere Babys.

Die Wende hat er erlebt, den Fall der Mauer, die Währungsunion, die Unsicherheiten danach, wo es erstmal wieder ganz wenige Babys gab.
Dann 2003 das erste Enkelkind, 2006 das zweite ….

Und nun 2018 ist er zerbrochen.
Beim Abtrocknen.
Auch wenn es viele Jahre keine Babys zu füttern waren, ich habe ihn gern benutzt.

Nun ist er zerbrochen.
Nach fast 40 Jahren.

 

*      *      *      *       *

 

 

3 Gedanken zu “Materialermüdung …

  1. Ich habe für meine Kinder Erinnerungenskisten angelegt. Seit der Geburt kommt immer mal etwas rein. Geburtstagskarten, Fotos, die ersten Schühchen, usw.
    Vielleicht wäre der Löffel auch für so eine Kiste geeignet.
    LG, Nati

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