Ja, ich nun auch. Fastenzeit

Ich weiß nicht, ob es mir nur so vor kommt, aber ich habe das Gefühl, die Fastenzeit ist zu so einem großen Lifestyle-Ding mutiert.
Es ist irgendwie „in“, die 40 Tage vor Ostern mit irgendetwas zu fasten.
Sei es kein Fleisch, kein Alkohol, keine Schoki, kein Handy, kein Internet, kein Auto, kein Sonst-irgendetwas.
Nix materialistischen.
Der biblische Hintergrund ist, dass Jesus 40 Tage ohne Essen durch die Wüste lief.
Die Zahl 40 kommt in der Bibel häufiger vor, 40 Tage war die Sintflut, 40 Jahre zog das Volk Israel durch die Wüste (Beachte 40 Jahre! Sie liefen im Kreis), Mose war 40 Tage auf dem Berg Sinai kam mit den 10 Geboten zurück und 40 Tage hatte Jona Zeit, die Leuten von Ninive dazu zu bewegen, wieder ein gottgefälliges Leben zu führen. Jona ist der, der von einem Fisch verschluckt wurde.

Nunja, und wir machen nun auch mit, 40 Tage auf irgendetwas zu verzichten, um dann wieder voll zuzuschlagen.
Oder auch nicht.

Ich bin auf jeden Fall kein Freund, von solch aufgesetzten Sachen.
Ich mag nicht, mir Silvester irgendetwas vornehmen, was ich eh nicht halten werde.
Ich mochte nicht, am Muttertag Verrenkungen zu machen, weil irgendjemand meinte, genau an diesem Tag sollen alle Mütter ganz dolle geehrt werden.
Ich mag nicht, wenn Leute nur zu Weihnachten in die Kirche gehen, weil es doch so schön ist und der kleine Jesu in der Krippe – hach wir sind doch alle so christlich.
Ich mag auch keine „Weltgebtstage“, an dem alle auf dieser Erde beten für etwas, was sich auch wieder ein Kirchenfunktionär ausgedacht hat.
Nein, ich mag dieses alles nicht.

Entweder es kommt aus meinem Herzen und findet dann den Weg nach außen, wann es für mich gut ist und nicht an einem vorgeschriebenen Tag oder gar nicht.
Manche mögen das für sich anders sehen und das ist für sie dann ok.

Nun nun komme ich zum Punkt, zum krassen Gegensatz zu dem, was ich gerade geschrieben habe: ich mache ab morgen Zuckerfasten!

Runzelt da etwa jemand die Stirn?
Ich mache das natürlich nicht, weil alle Welt jetzt glaubt, bis Ostern auf irgendetwas zu verzichten zu wollen, sondern weil ich echt schokoladen- und eis-süchtig bin.
Ich komme einfach an den Süßkram nicht vorbei.
Und dann esse ich nicht nur so ein Stückchen Schoki, sondern tafelweise.
Wenn ich nichts zu Hause laufe ich wie ein Tiger im Käfig auf und ab und suchen in allen Verstecken, ob sich nicht irgendwo noch ein Krümelchen versteckt hat.
Und dagegen möchte ich jetzt etwas tun.
Kein Industriezucker mehr.
Ich möchte es aber nicht militant machen, d.h. wenn ich irgendwo zu Besuch bin, möchte ich schon ein Stück Kuchen essen, auch wenn mir jemand etwas schenkt, möchte ich es dann genießen, nur kaufen will ich es nicht mehr.

Und das nicht nur 40 Tage lang, sondern solange es gut geht, open end sozusagen.
Mal sehen, ob mir das gelingt.
Aber das, was ich noch zu Hause hatte, habe ich heute vernichtet, habe das Eis aufgegessen (siehe oben) und auch das Glas mit der Schokocreme ausgelöffelt.
Und ab morgen kein Geld mehr für den Zuckerkram.
Man darf gespannt sein.

Achja, wäre noch interessant, ob sich an meinem Gewicht etwas ändert.
Muss aber nicht.

* * * * *



1 Gedanke zu “Ja, ich nun auch. Fastenzeit”

  1. Ich wäre da nicht so streng – machmal kommt man im Alltag zu gar nix mehr, und dann sind so Tage ein guter Anstoß, mal wieder – eben, zu fasten, nett zu sein, zur Kirche zu gehen, was auch immer. Das muss dann ja nicht aufgesetzt sein, sondern einfach mal wieder hervorgekramt. Mit dem Zucker aufzuhören, ist allerdings eine beste Idee. Da sollte ich auch mal ran, Schokolade und Eis, die zwei sind bei mir auch viel zu oft zu Gast… Danke für die Anregung!

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