Hay Day – Achtung Suchtgefahr!

Es mag so 10 Jahre her sein, da spielte meine Lieblingstochter auf ihrem Handy Hay Day. Falls es den einen oder eine gibt, die dies noch nicht kennen: es ist ein Farm-Spiel.

Ein Spiel, auf dem man als geborener Großstädter mal das Landleben üben darf. Man hat Hühner-, Schweine-, Schaf-, Kuhställe, produziert (oder besser lässt produzieren) Milch, Schinken, Eier, die man wiederum Butter, Käse, Wolle, Kuchen, Brot … verwandeln kann. Um die ganze Viecherei ernähren zu können, hat man Felder, auf denen man Weizen, Mais, Sojabohnen … anbauen kann. Verkaufen kann man dann das ganze in einem Hofladen.

Damals also (vor den gefühlten 10 Jahren) gab es das Spiel nur das iphone.

Vor 2 Tagen kam das Kind mit ihren 39 Jahren und sagte, sie spiele es wieder, weil es das jetzt auch für android gibt. (Womit sollte sich sonst auch eine Kriminalkommissarin beschäftigen? – Nein, natürlich spielt sie es nur in den Pausen, beim Warten auf irgendetwas, an der roten Ampel oder so oder auch nachts zwischen 22-6 Uhr -Ironie aus)

Nun, damals konnte ich es nicht spielen, weil ich, im Gegensatz zum Töchterlein, nur ein olles Android-Handy hatte.

Aber JETZT, jetzt ging es. Und dank des eingekehrten Wohlstandes auch auf den tablet.

Zwei Tage saß ich da, fütterte Hühner, ließ Butter und Joghurt herstellen, grillte Schinken mit Eiern, erntete Mais und machte Popcorn, belieferte Großstädter mit Brot und verkaufte im Hofladen, alles, was ich übrig hatte. Kaufte wiederum die Produkte, bei denen ich auf meinen Feldern nicht nach kam, damit all meine Tiere auch genug zu fressen hatte.

2 Tage – wiedermal – bis mir klar wurde, dass dieser 24 Stundenfresser nichts anderes ist, als das hin- und herschieben von Bytes, ich zu nichts anderes mehr komme als zu diesem, einschließlich Schlaf. Alles basierend auf 0 und 1, gelernt vor gefühlten 100 Jahren im EDV-Unterricht.

Nun ist Schluss.

Wenn ich nicht vernünftig damit umgehen kann, wenn ich keine Grenze finde, nur noch in Hühnerfutter und Kuhstall denken kann, dann ist es definitiv nichts für mich.

Zum Abschluss habe ich noch ein Foto gemacht. Wie hätte es ausgesehen, wenn ich es nicht nur 2 Tage, sondern 2 Jahre gespielt hätte oder gar die ganzen letzten 10 Jahre? Ob es mich dann noch geben würde? Oder längst verhungert, verdreckt und stinkend auf meinen grünen Sofa?

Weiß man nicht …

*      *      *       *      *

 

11 Gedanken zu “Hay Day – Achtung Suchtgefahr!

  1. Das kann ich nachvollziehen, meine Lebensgefährtin hat damals bei diesem Spiel die Kurve fast nicht mehr bekommen. Es drehte sich alles nur noch um dieses Spiel …..

  2. Hallo Liebe Weena, du hast mich gerade inspiriert und motiviert, eine Spiele App zu löschen, die bei mir auch ganz viel Zeit gefressen hat. Ist ein gutes Gefühl, sich davon nicht versklaven zu lassen.

  3. Ich kann mit elektronischen Spielen irgendwie nichts anfangen. Mein Mann und meine 2 Teenie-Jungs dagegen lieben solche Spiele. Ich wüsste nie was ich wann und wo machen sollte. Bin wohl zu blöde für so etwas. 🙂
    Ich lese dann lieber in Blogs oder in meinen Büchern.

  4. Ich denke nicht, dass du zu blöd bist. Es ist einfach Übungssache, aber es gehört zu den Dingen in der Welt, die man auf keinen Fall können muss.

  5. Anfangs ist es noch die Macht des Neuen, Interessanten, was einen komplett in den Bann zieht. Aber wenn man nicht aufpasst, dann kann es einem sehr viel Lebenszeit rauben. Ich habe jahrelang Zeit in ein online Spiel investiert. Auch wenn es mir in den schlimmsten depressiven Phasen den Hintern gerettet hat, da ich so wenigstens ein paar Kontakte und auch Ziele hatte, war es am Ende definitiv schon nah an einer Sucht. Es ist gut, wenn du für dich früh genug erkennst, wo deine Grenzen liegen!
    Viele Grüße von Annie

    • Kann ich gut verstehen. Als es mir so schlecht ging, saß ich auch nur da und habe online Karten gespielt. Immer wieder. Stundenlang. Aber Sucht war das nicht. Ich war nur zu etwas anderem nicht in der Lage.
      Bei Hay Day ist es anders. Es hat einfach Spaß gemacht. Und soviel Spaß, dass ich dran hängen blieb, auch ehrgeizig genug, dass alle Hühner etc. genug Futter hatte. Oder die Schweinchen sahen ganz fürchterlich aus, wenn sie Hunger haben. Ich habe Realität und Wirklichkeit fast vermischt. Und das genau ist das gefährliche bei mir. Mittlerweile kenne ich mich ja und kann rechtzeitig gegen steuern.
      Liebe Grüße
      Weena

  6. Mir würde es genau so gehen und darum fange ich es gar nicht erst an. Das Lesen in meinen Lieblingsblogs frisst schon zu viele Stunden….. Liebe Grüße! Regine

    • Das ist richtig. Genauso ist es mit Fernsehserien. Vor einigen Jahre habe ich mal die erste Telenovela geschaut. Ich musste alle Folgen sehen, hab mit gelitten und mit gefiebert. Konnte ich mal eine Folge nicht sehen, war ich richtig krank.
      Seit dieser Zeit schaue ich mir keine Folgen mehr an. Es war mir eine Lehre.
      Liebe Grüße zurück
      Weena

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