Wenn die Mutter sagt …

pixabay.com

Heute hat mir der Autistenfreund in einer WhatsApp-Nachricht geschrieben, dass seine Mutter gesagt hat, ich wäre gar nicht eine richtige Freundin, sondern nur eine Bekannte …

Ich war leicht irritiert und habe nachgefragt, was denn eine RICHTIGE Freundin ist.

Antwort:  … eine Freundin fässt  man an die Hand und schläft auch mit ihr.

Upps.

Ich habe zurückgeschrieben, was ich unter Freundschaft verstehe, Vertrauen, gegenseitige Hilfe, Verständnis haben … Und ich weiß nicht, ob er als Autist wahr nimmt, was hinter diesen Worten sich gefühlsmäßig verbirgt. Wobei Autist nicht gleich Autist ist …

Er antwortete mir darauf, dass ihm dies nicht reicht. Tja, das hatte ich so nicht erwartet. Er hat ja überhaupt keine Freunde, weder männlich noch weiblich. Seine einzige Sozialpartnerin ist seine Mutter.

Sonst niemand. Ich habe aber auch nicht das Gefühl, dass er darunter leidet. Nun bin ich ein bisschen schlauer, dass er mit meiner Art von Freundschaft nichts anfangen kann.

Schade.

*      *     *     *     *

Noch ein Foto aus dem Botanischen Volkspark

Sonnenbaden …

*     *     *     *     *

Die Geschichte zum Mittwoch

pixabay.com

Der Affe und der Fuchs

„Nenne mir ein so geschicktes Tier, dem ich nicht nachahmen könnte!“, so prahlte der Affe gegen den Fuchs.

Der Fuchs aber antwortete: „Und du, nenne mir ein so geringschätziges Tier, dem es einfallen könnte, dir nachzuahmen.“

Gotthold Ephraim Lessing

*     *     *     *     *

Und da stehe ich wieder auf dem Schlauch: Was will mir Lessing damit sagen???

Ein bisschen hin und her gegoogelt und folgende Antwort gefunden:

Das ist eine der kürzesten Fabeln von Lessing. Es gibt keine Schilderung der Situation. Die Fabel beginnt mit der Rede des Affen, dann folgt die Gegenrede des Fuchses mit seinem Vorwurf an die deutschen Dichter. Hier spricht eigentlich Lessing und äussert seinen Vorwurf gegen die zeitgenössischen deutschen Dichter. Dieser Vorwurf enthält auch die Moral der Fabel: Schuster bleib bei deinen Leisten! Dichte und schreibe wie ein deutscher Schriftsteller.
Der Affe stellt den Adel dar, der sich auffällig, wichtigtuerisch und angeberisch verhält. Er wird in einigen Fabeln dargestellt als komischer und lächerlicher Typ, der sich dem Hofherrn untertänig zeigen will. Könige und Fürsten kauften sich ja damals Menschen und Tiere aus fremden Ländern einfach zur Belustigung. 
Der Fuchs spielt den Vertreter des Volkes. Er versucht aufzuklären, auf Fehler hinzuweisen und besseres Verhalten zu lehren. 

Quelle: https: //e-hausaufgaben.de/Thema-205752-Lessing-Fabel-Der-Affe-und-der-Fuchs-Moral.php

Okay, klingt alles sehr verschult (logisch, wenn es von  einer Hausaufgabenseite ist) und nichts für Lieschen Müller mit ihren 60 Jahren.
Hat noch jemand eine andere Idee?

*      *      *      *

Das Foto von heute …

…und nein, es ist nicht vom gestrigen Volkspark-Besuch, sondern von heute und steht auf meinem Tisch

Weihnachtsgesteck ist out – gelbe Frühlingstulpen sind in

 

*     *     *     *     *

Selbsthilfegruppe in Not – die Fortsetzung

pixabay.com

(Achtung, dass ist ein Beitrag, der für viele unverständlich ist. Unverständlich für die, die psychische Erkrankungen nicht kennen, es nicht wissen können,  manche Reaktionen somit mit „gesunden Menschenverstand“ nicht verstehen. Ein Trauma ist so eine schlimme Sache, die manchmal tödlich endet, wenn der Druck des Geschehenen zu groß wird.)

Am 5. Januar habe ich davon geschrieben, dass wir ein dickes Problem in unserer Selbsthilfegruppe haben und ich keine Lösung wissen.

Heute nun war T. bei mir zu Hause. Sie hatte gestern spontan angefragt, ob ich denn heute Nachmittag Zeit hätte.
Und ich hatte, ich bin eben nicht in den Offenen Treff gefahren.

Wir haben ganz lange (3,5 Stunden) geredet.

Sie kam gerade von ihrer Therapeutin (die hat sie schon seit 12 Jahren, soll heißen, sie kennt T. recht gut) und hatte dort auch dieses Problem angesprochen.

Ergebnis: Sie wird nicht mehr in die Gruppe zurückkehren.

Der Hauptgrund ist natürlich A., dessen Art sich zu bewegen und zu atmen, sie derart triggert, dass sie in ihr Trauma zurück- und in Panik verfällt.

Aber es kommt nun noch ein anderer Grund dazu.

Außer mir hatte sie den Grund für ihr fluchtartiges Verlassen der Gruppe auch der Gruppensprecherin gesagt.
Im Vertrauen.
Beide sind auch befreundet.
K. wusste nun auch keine Lösung und hat in dem Glauben, sie macht es richtig, mit A. gesprochen und ihm von ihren Trauma erzählt.

Das empfindet T. nun als absoluten Vertrauensbruch und das mit einem Menschen, der sie so sehr wieder nach unten zieht.
Und was macht A.?
Er bombardiert sie seitdem täglich mit Mails, will eine Aussprache, will unbedingt mit ihr reden, alles klären.

Aber schon, wenn sie den Namen A. in der Adresszeile liest, kommt die Panik.

Ich weiß, dass es K. und T. nur gut meinen und einen Ausweg suchen, aber sie haben beide alles falsch gemacht.

Vielleicht meint jetzt jemand, dass T. doch auch einen Schritt  auf sie zu machen sollte. Es ist für Menschen einfach schwer zu verstehen, wie es traumatisierte Menschen geht, mit welcher schweren Last sie leben müssen und es mit ein bisschen „Zusammenreißen“ nicht geht, dass das vegetative Nervensystem verrückt spielt und nicht zu beeinflussen ist, wenn sie mit dem Trauma getriggert werden.

Das Ergebnis ist nun (mit ihrer Therapeutin erarbeitet), sie bleibt der Gruppe fern. Sie setzt sich nicht mit der Konfrontation des Traumas auseinander, will daran auch nicht arbeiten.

Weil, das Vertrauen zur Gruppe ist kaputt, es wurden Dinge weiter erzählt (wenn auch mit guter  Absicht), die sie ihrer Freundin im Vertrauen erzählt hat und nun nicht weiß, was A. alles von ihr kennt.

Eine neue Selbsthilfegruppe möchte sie nicht, kann sie nach dem Vertrauensbruch nicht.

Sie hat eine Gruppe entdeckt, in der 4 Frauen mit der Maschine nähen und kreativ arbeiten. Das passt zu  ihr. Dort will sie es versuchen.

Wenn jetzt jemand denkt, das ist doch alles Kindergartenkram und erwachsene Menschen sollten sich doch nicht so haben, dann bitte beachten, wir alle sind in dieser Selbsthilfegruppe nicht, weil wir mal gerade donnerstags nicht anderes zu tun haben, sondern weil wir einen psychischen Knacks weg haben, wenn nicht  gar ganz schlimmes Trauma wie eben T.

Gut, jetzt habe ich genug gelangweilt.

Wir haben natürlich nicht nur über dieses große Überthema gesprochen.

Im Gegenteil.

Ich konnte zum ersten Mal mit jemand darüber sprechen, wie es mir vor einem dreiviertel Jahr ging, als bei mir der Suizid-Druck so groß war, dass beinahe alles anders gelaufen wäre.

Ich wusste, dass sie es versteht.

Es tat so gut, es zu erzählen.

Mit meinen Therapeuten habe ich sooo noch nicht gesprochen, es war noch kein Thema. Bei ihm geht es um meine Zukunft, lerne wie ich mich verhalten muss, dass ich nicht falle.

Und so war dieser Nachmittag richtig und wichtig für mich und für sie und ich glaube, ich eine neue Freundin gefunden.

Und so entsteht manchmal aus einer scheinbar verfahrenen Situation etwas Neues, etwas Gutes, eine Freundschaft.

*     *     *      *      *

Das Foto vom Tag …

Ich war heute mit dem Autistenfreund im Botanischen Volkspark.
Ganze 6 Fotos habe ich gemacht und alle sind sie (in meinen Augen) ganz annehmbar geworden.
Heute davon Nr. 1

In der Januar-Sonne

 

*      *      *      *       *

Haltestellen-Romantik #7

Warten auf den Bus …

 

*      *      *     *     *

See the bigger picture J13 – Ich lerne fotografieren

„See the bigger picture“ ist ein Kartenspiel mit Lernaufgaben für das Fotografieren.
Pro Karte gibt es eine Aufgabe, was und wie man fotografieren soll.
Die Aufgaben sind aber mehr an die gerichtet, die schon mit dem Fotoapparat in der Wiege lagen.
Also meilenweit von mir und meiner Knipserei entfernt.
Aber ich habe entdeckt, dass es dieses Spiel auch für Kinder gibt.
Ich habe es mir gekauft und ziehe nun jede Woche eine Karte.
Und ja, es macht mir Spaß und bin jede Woche total neugierig auf das neue „Wochenprogramm“
Gestartet bin ich hier.

Die Aufgabe war nun:

Fotografiere Ecken und Kanten – meide gebogene und runde Formen.

Und das ist draus geworden:

Was sagt mein perfektes Wunschdenken? … Naja …

Ist schon komisch, als ich im April mit dem Fotografieren begann,habe ich mich riesig über jedes Bild gefreut und gestaunt, was alles auf dem Foto zu sehen ist.

Und heute?

Heute ist mir kein Foto gut genug. Ich habe das Gefühl, jedes Foto ist schlechter als das vorangegangene. Ich freue mich nur noch über aus meiner Sicht gut gelungenen Fotos. Und das ist sehr selten geworden.

Mir ist gerade bewusst geworden, auch die Suche nach Fotos ist mittlerweile zur Suche nach dem perfekten Motiv geworden und nicht wie zu Beginn einfach nur ein aufmerksames Schauen nach der Kleinigkeit am Rande unserer hektischen und verrückten Zeit,wo alles immer schneller, besser, höher, weiter zu sein hat.

Das muss ich wieder ändern.

Sofort.

Nun zur neuen Aufgabe:

 

Na, dann mal los. Das wird wohl ein Pfützenbild …

*      *      *      *      *

Das Foto von heute …

Spatzentrio im Winter

 

*     *      *     *

Blitzlicht #13

pixabay.com

Unter der Kategorie „Blitzlicht“ schreibe ich  nach jeder Therapiestunde, einen Gedanken, eine Situation, einen Satz oder irgendetwas, was mir „danach“  noch im Kopf herumgeistert und ein Ventil braucht.
Es ist die Therapie, auf die ich solange gewartet habe, weil ich glaube, dass sie mir hilft, mit der Diagnose „Depression“ vernünftig umzugehen und große Abstürze in kleine verwandelt.

Gestern Vormittag hatte ich wieder so eine Therapiestunde.

Ich habe u.a. das Problem unserer Selbsthilfegruppe angesprochen. Ich war sehr gespannt, was er so als „Spezialist“ dazu zu sagen hat.

Seine Meinung:

  1. Es wäre unfair, wenn sie die Gruppe verlassen müsste.
  2. Schlechteste Lösung: Sie zieht sich zurück und kommt nicht mehr
  3. Zweitschlechteste Lösung (oder zweitbeste?), die ich spontan favorisiert hatte: Wir gründen eine neue Gruppe.
  4. Beste Lösung: Sie kann lernen, dass A, was auch immer an ihm sie getriggert hat, doch ein netter Mensch ist. Auf jeden Fall sollte in der Gruppe drüber gesprochen werden.

Nun bin ich ja relativ neu in der Gruppe und sowas wie der 5. Radiergummi. Ich kann nur ganz vorsichtig anfragen, ob T. damit einverstanden ist, dass darüber gesprochen wird. Mehr liegt nicht in meiner Macht.

Ein Dankeschön an den Therapeuten, der mir somit meine Grübelei genommen hat und es nun in meinem Kopf klarer wird.

DANKE

 

*     *      *     *      *

%d Bloggern gefällt das: