Eine Kerze für Dora …

Diese kleine Kerze habe ich heute auf den Altartisch im Gemeinderaum gestellt.

Dora ist eine Frau Mitte 50.
Ich kenne sie aus der Selbsthilfegruppe.
Sie ist intelligent.
Sie ist von Beruf Bauingenieur.
Sie war Bauleiter, sie stand mitten im Leben.
Jetzt ist erwerbsunfähig.
Sie ist traumatisiert, leidet an Panikanfällen und schweren Depressionen.
Sie kommt nicht mehr zurecht im Leben.
Sie ist Missbrauchsopfer.

Dora wohnt in Berlin-Weissensee in einem 4stöckigen Altbauhaus, 2 Zimmer-Wohnung, allein. Die Mieter des Hauses waren sozial gut durchmischt.

Sie waren sozial gut durchmischt.

Im Laufe des Sommers zogen alle Mieter aus diesem Haus nach und nach  aus.
Bis auf sie und ihre Nachbarin.
Alle frei gewordenen Wohnung wurden von Flüchtlingen bezogen.
Das macht ihr Angst, dass macht Panik, sie weiß nicht, warum das alles passiert.
Sie weiß nicht, wieso die anderen ausgezogen sind.
Sie hat sich nicht getraut zu fragen.
Sie fühlt sich bedrängt, obwohl keiner dies tun.
Sie traut sich nicht ins Treppenhaus und hat die Klingel abgestellt.
Jedes Geräusch treibt sie fast in den Wahnsinn, erlebt flashbacks ohne Ende.
Sie dröhnt sich mit Medikamenten zu und sieht keinen Ausweg mehr.
Gestern bat sie mich, dass ich heute für sie in der Kirche eine Kerze anzünde möge in der Hoffnung, dass irgendetwas passiert.
Irgendetwas, was sie weiterleben lässt.

Wissen die Täter eigentlich, dass sie für ihr kurzes Vergnügen ganze Lebensläufe zerstören?

 

*     *     *     *     *

 

 

 

 

3 Gedanken zu “Eine Kerze für Dora …

  1. Ich fürchte, dass genau dies das Ziel ist, Lebensläufe zu zerstören. Lebensläufe von starken, autonomen und erfolgreichen Frauen, oder jenen, die das Zeug dazu hätten. Es geht bei Vergewaltigung um Sadismus und Machtdarstellung und nie um Lust. Männer, die Angst haben ihre Vormachtstellung in der Gesellschaft zu verlieren, vergewaltigen. So wie Vergewaltigung stets eine Form der Kriegsführung war. Es ist eine Form von Bürgerkrieg. So sehe ich das als eine, die sexualisierte Gewalt selbst erleben musste und sich mit dieser Art der Gewalt seit Jahrzehnten mittlerweile beschäftige.

    Ich hoffe so sehr für Dora, dass sie so schnell als möglich wieder ein lebenswürdiges Leben führen kann und dass sie und alle anderen Betroffenen ausreichend kompetente Hilfe erhalten. Das wünsche ich mir aus tiefstem Herzen.

    Danke für diesen Beitrag und das darstellen der entsetzlichen Folgen, liebe Weena.

    Ganz liebe Grüße
    „Benita“

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