Die Geschichte zum Mittwoch #17

Ameisendank

An einem heißen Sommertag eilte eine durstige Ameise zu einem Brunnen und krabbelte eilig über die Randsteine. Als sie aber das Wasser erreichte und trinken  wollte, verlor sie das Gleichgewicht und stürzte kopfüber in den Brunnen hinein. Sie strampelte verzweifelt mit den Beinen, aber da brachte sie dem Randstein nicht näher.

Der Brunnen wurde von einem hohen Baum überschattet, in dem eine Taube saß. Sie sah die Ameise sich vergeblich im Wasser abmühen, brach mit ihrem Schnabel einen dünnen Zweig ab und warf ihn der Ameise im Wasser zu. Die Ameise krabbelte auf den Zweig, vom Zweig auf den Brunnenrand und von dort mühelos aus den Brunnen heraus.

Die Taube steckte den Kopf unter die Flügel, um weiter in der Hitze zu dösen, und sah nicht, dass ein Vogelfänger zum Brunnen kam. Der Vogelfänger entdeckte die Taube oben im Baum, steckte seine Kleberute an einen lange Stange und wollte sie fangen. Als die Ameise das bemerkte, biss sie den Vogelfänger in den nackten Fuß. Der Vogelfänger zuckte zusammen, und die Stange fiel klappernd aus seiner Hand auf die Brunnensteine. Der Lärm weckte die Taube auf, sie breitete schnell die Flügel aus und flog davon.

So rettete zuerst die Taube der Ameise das Leben, und dann bewahrte die Ameise die Taube vor dem Tod. Und diese Geschichte erzählt man sich, damit der Mensch, der vernünftiger ist als die Tiere, nie vergessen möge, Gutes mit Gutem zu vergelten.

Heinrich Steinhoed

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Und sofort schoss mir mein Lieblingsthema wieder in den Kopf: Das Dankesagen.

Wie oft sagen wir danke für etwas?
Ja gut, wenn wir etwas geschenkt bekommen oder jemand etwas außergewöhnliches für uns tut.
Aber oftmals auch nicht mal da, weil wir meinen, der andere müsse das für uns tun, das wäre doch seine Pflicht.
Oder weil er ja dafür bezahlt wird.

In diesem Zusammenhang fällt mir die Geschichte aus der Bibel ein, wo Jesus 10 Samaritern (also die, die die Juden nicht mögen) half gesund zu werden.
Aber nur ein einziger kam zurück und bedankte sich.
Vielleicht weil die anderen es für selbstverständlich hielten?

Und wir?
Halten wir auch alles für selbstverständlich, was Gott für uns tut?
Wir meckern doch nur, wenn wir denken, Gott müsste doch endlich hier und da mal eingreifen.

Nee, muss er nicht.
Er ist der Souverän, er muss schon mal gar nicht und auch uns keine Rechenschaft ablegen, wann er was zu welcher Zeit den zu tun gedenkt.
Er ist Gott.
Nicht wir.
Wir haben im Vergleich nur den Verstand einer Ameise, um die Geschichte hier wieder zum Anfang zu bringen.

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2 Gedanken zu “Die Geschichte zum Mittwoch #17

    • Und es tut unheimlich gut, immer mal einen „Danke-Tag“ einzuschieben. Auch das werde ich wieder hier machen.
      Man fühlt sich am Ende so eines Tages wirklich richtig gut.
      Liebe Grüße
      Weena

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