Da sitze ich hier…

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… und dachte nach der letzten Therapiestunde, ich hätte jede Art von Depression nun zu den Akten gelegt.
Dachte ich, hoffte ich.
Nur zwei kleine (nein sehr lange Telefongespräche) weiter können alles kippen.
Ich bin nicht der Viel-Telefonierer, deshalb strengen mich lange Gespräche ziemlich an und wenn sie nicht das übliche Blablabla beinhalten umso mehr.

Einer der Anrufer war ein Freund aus alten (ganz alten) Tagen, der an Krebs erkrankt ist und nun seine 1. Chemotherapie bekommt.
Er war total gut drauf und von Nebenwirkungen keine Spur. Ich wünsche es ihm sehr, dass es so bleibt … aber ich habe mittlerweile schon sehr viel über Leute mit Krebs gelesen, die ausnahmslos alle mit mehr oder weniger Nebenwirkungen zu kämpfen haben. Aber sogar keine? Ob das Medikament dann überhaupt hilft? Er selbst rechnet mit einer Lebenserwartung von ca. noch 24 Monaten, hat er nach den Arztgesprächen für sich beschlossen.

Gespräch Nr. 2 war ein erfolgreicher Suizid einer Frau, die manchmal den Gottesdienst besucht besuchte und tot in ihrer Wohnung gefunden wurde. Ja, sie war krank, konnte sehr schlecht laufen. Mehr weiß ich nicht von ihr. Keiner wusste wirklich viel mehr.

Diese beiden Geschichten an einem Tag … Dann kroch es in mir hoch über die ganze Sinnlosigkeit des Lebens überhaupt. Warum das alles?

Natürlich weiß ich in meinem Kopf die Antworten, aber eben nur im Kopf, das Gefühl im Bauch will davon nichts wissen.

2 Gespräche – Trigger pur. Und das Thema für meine nächste Therapiestunde steht fest.

 

      

 

5 Gedanken zu “Da sitze ich hier…”

  1. Liebe Weena,
    Ganz verstehe ich nicht, weshalb das Leben als solches sinnlos werden kann, bloß weil es auf die eine oder andere Art zu Ende geht. Mitunter eben auch unschön zu Ende geht. Aber der Bekannte schien ja gar nicht so sehr mit seiner Krankheit zu hadern? Das Leben hat eben ein Ende, so ist das! Wenn das ganze Leben dann sinnlos wird, was ist mit den (vielen) guten Tagen, Monaten oder gar Jahren? Verlieren all die schönen Begebenheiten seinen Wert, bloß weil sie nicht ewig bleiben? Was triggert denn? Traurigkeit und Erschütterung dürfen aber sein, angesichts dieser Informationen. Es tut mir leid, dass du in deinem Umfeld dzt. solche Erfahrungen machen musst. Sie können aber helfen, das eigene Leben mehr wertzuschätzen. Das weiß ich aus eigener Erfahrung, da ich beides ebenso schon, zum Teil mehrmals, erlebte, so wie du.
    Ganz viel Kraft und Ruhe für dich wünsche ich dir momentan.
    Herzliche Grüße
    „Benita“

    • Liebe Benita,
      ich habe mich über deinen Kommentar richtig gefreut, weil du genau den Punkt angesprochen hast, was Depressionen so unverständlich macht. Der Kopf funktioniert einfach nicht „normal“. Außenstehende stehen oft verwundert da und fragen sich, warum diese Traurigkeit, warum dieser Absturz, ist doch alles gar nicht schlimm. Nein, ist es auch nicht. Natürlich nicht. Aber man empfindet es eben so. Wie oft liegen auch Menschen mit Depressionen einfach im Bett und starren die Wand an. Sollen sie doch einfach aufstehen und machen. Aber genau das können sie eben nicht. Es funktioniert nicht mit: Nun reiß dich mal zusammen …
      Genauso mit mit meinen Gefühlen, die ich gestern schrieb. Natürlich weiß ich, dass es gar keinen Grund gibt abzustürzen, wenn man traurige Nachrichten im Bekanntenkreis bekommt. Nein, gibt es nicht und trotzdem passiert es. Man hat keinen Einfluss darauf. Man müsste „Werkzeuge“ erlernen, das man es erkennt und sich allein wieder herausbuddelt. Aber einfach ist das nicht. Ich hoffe, ich konnte mich einigermaßen verständlich machen.
      Liebe Grüße
      Weena

      • Oh ja, ich weiß, einfach ist das nicht, der Ausstieg aus der Depression. Und du hast es sehr verständlich beschrieben, was schwer fällt. Aber es geht – Mal besser, Mal schlechter. Ich wünsche dir sehr, dass es immer besser geht!
        Dafür braucht es viel Kraft. Die wünsche ich dir ebenso.
        Liebe Grüße
        „Benita“

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