Spurwechsel …

Nein, ich möchte nichts über Politik schreiben.
Auch nichts über Flüchtlinge, nichts über demografischen Wandel, nichts über den Arbeitsmarkt, über Asyl und Ausbildung.
Nur über mich.

Es hat ein Weilchen gedauert,3 Wochen bis ich es in meinem Kopf klar bekommen habe, wohin die Reise führt.
Nein, ich fahre nirgendwohin.
Ich gebe nur meinem Leben eine neue Richtung.

Ganz so plötzlich war es dann doch nicht.
Es kam ein Puzzle-Teil zum nächsten.

Wer hier schon eine Weile mitliest, weiß, dass ich jeden Donnerstag zur Selbsthilfegruppe gehe.
Sie war in den ganz schlimmen Zeiten eine wirklich große Hilfe.
Dort sind Menschen, die mich verstehen.
Wenn ich sage, mir geht es nicht gut, dann wird das verstanden.
Ich musste nichts erklären, mich nicht rechtfertigen.
Das war sooo gut, es tat sooo gut.
Ich fühlte mich nur noch unter diesen Menschen wohl.
Vermeintlich „Gesunde“ überforderten mich.

Vor einem halben Jahr verließ der Leiter die Gruppe, er hatte neue und andere Aufgaben.
Von da an begann die Gruppe zu bröckeln.
Nach und nach verließen 4 weitere die Gruppe bis nun vor 3 Wochen auch die neue Leiterin aufhörte.
Ich glaube, sie ist nicht damit klargekommen, das alles zerbröselt.
Statt ihrer sind zwei neue Herren gekommen, die die Gruppe weiterführen möchten und jede Menge neuen Wind mitbrachten.
Das war aber sogar nichts für mich. Die beiden Herren.
Beide sind HartzIV-Empfänger.
Das ist völlig ok.
Aber mit dieser Tatsache nahmen sie Raum ein, ließen für nichts anderes mehr Platz.
Nein, sie suchen keine Arbeit.
Sie wollen nicht arbeiten.
Der Staat ist doch sowieso kacke, da sehen sie nicht ein, dass sie Steuern zahlen sollen.
Und wenn arbeiten, dann schwarz.
Jeder kann so leben wie er möchte.
Aber diese private Einstellung dominant in den Raum zu stellen und das nicht nur einmal, sondern immer.
Nein, das ist nicht mein Ding.
Da fühle ich mich nicht wohl.

Und ich begann zu überlegen, was ich mache, was wichtig für mich ist, was mir gut tut.

Parallel dazu begann ich wieder regelmäßig zur Gemeinde zu gehen.
Mit jeder neuen Predigt, gefiel mir der Prediger besser.
Das, was er sagte, passte fast 1:1 dem Verständnis, was ich habe.
Ich begann, mich dort wohlzufühlen.
Ich ging zu den Gottesdiensten, zur Seniorengruppe (haha) und zur Bibelstunde.
Überall hatte ich den Eindruck herzlich willkommen zu sein.
Es waren Themen wie in der Offenbarung die Schreiben an die Gemeinden, wo eindringlich gefordert wurde „kehrt zu eurer ersten Liebe zurück“. (Soll heißen, denkt daran, wie es war, als man zum Glauben gekommen ist).
Und das war bei mir wirklich grandios.
Genauso soll es wieder werden.
Ich möchte wieder diesen bedingungslosen Glauben haben, möchte meinen Gott zu 100% vertrauen, möchte wieder jeden Tag in seine Hände legen, möchte mich wieder beschützt fühlen.
Ist das naiv?
Dann bin ich es gern.

Ich habe meinen Therapeuten davon erzählt und bin bei ihm offenen Türen eingerannt.
Hatte ich schon erwähnt, dass er der Sohn eines Pfarrers ist?
Wenn ich bei ihm etwas von Gott, der Bibel und dergleichen erzähle, dann weiß er, wovon ich spreche.
In der der letzten Sitzung schwärmte er mir etwas von dem wunderbaren Buch der Bibel vor.
Das hatte schon etwas Komisches.
Aber das Beste kommt noch:

Mir geht es gut!
Ja, richtig gelesen, mir geht es gut!
Ihr glaubt gar nicht, was für ein großartiges Gefühl das ist!

Nun stellt sich die Frage, wie ich diesen Blog hier weiter schreiben möchte, ob überhaupt.

Ich denke, ich werde es versuchen, werde versuchen zu beschreiben, was wichtig für mich ist und wie neue Gedanken in meinen Kopf einziehen und alte verdrängen.

Ob das einfach so geht.
Ob die dunklen pechschwarzen  sich dagegen zur Wehr setzen.
Ob es anhält.
Ob das eine Schnapsidee ist.
Oder ob es mir wirklich gelingt, eine Kehrtwende hinzulegen.

Vielleicht runzelt jetzt jemand mit der Stirn und sagt: Hallo Weena, man kann sich die Welt nicht schön denken, sie ist nicht schön. Sie ist kalt, grausam, erbarmungslos.

Komm runter von deiner rosaroten religiösen Fantasiewolke.
Wie sagte doch Karl Marx: „Religion ist das Opium des Volkes“
Von diesem Opium wäre ich sehr gern abhängig, wenn sie mir ein Leben schenkt, dass lebenswert und völlig umsonst ist.

Wer mag, kann ab jetzt weiterlesen, wie es mir damit geht… ob es geht …

 

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Mein Hunde-Opi hat seine Flügel ausgebreitet

und ist in den Hundehimmel gereist.

Ich hatte es schon lange geahnt.
Mein Willi wurde seit Wochen immer dünner.
Aber er fraß ganz normal, eigentlich mehr als normal, weil ich 3x am Tag fütterte, auch Trockenfutter hatte ich immer zu stehen. (Was ich sonst nicht mag, aber in Anbetracht seines Gewichtsverlustes, habe ich es so gemacht.)
Willi hörte schon lange nichts mehr, weil seine  Ohren durch chronische Entzündungen völlig vernarbt waren.
Seit einem Jahr muss ich ihn in der Wohnung windeln, weil er inkontinent geworden war.
Seine Augen ließen nach, so dass er kaum noch etwas sah.
Manchmal stand er mit der Schnauze zur Wand, weil er meinte, dort müsste die Tür aufgehen.
Bei Leckerlies schnappt er immer erstmal daneben, weil er nicht genau sah, wo ich sie hinhielt.
Wenn er von seinem Kissen morgens aufstand, fiel er erstmal um, er konnte das Gleichgewicht beim Schütteln nicht mehr halten.
Und trotz alldem hatte ich den Eindruck, dass er nicht litt. Dass er sich freute, wenn er auf seinen Kissen lag. Er freute sich, wenn mich wahrnahm oder wenn er draußen seinen Hundefreund traf. Dann konnte er nochmal richtig aufdrehen.
Sein Napf war immer ganz leer geputzt.

Nur heute, heute Morgen war es anders. Er fraß sein Lieblings-Morgenfutter nicht. Zum Bürsten, was er liebte und genoss, musste ich ihn tragen.
Er lag apathisch da und wollte auch nicht das immer anschließende Hunde-Kokos-Keks.
Er drehte den Kopf weg.
Ich ahnte, was das bedeutet.
Am Nachmittag bin ich dann zum Tierarzt mit ihm.
Hab gesagt, dass mein Willi nicht mehr mag.

Er wog sonst immer 8,5kg. Jetzt gerademal 6kg. Die Tierärztin überredete mich noch, dass ein Blutbild von ihm gemacht wurde. „Ja, wenn er Diabetes hätte, was sie vermutete, könnte man doch …“ Nein, ich wollte es nicht. Weil ich längst ahnte, dass das nichts mehr bringt und irgendwelche lebensverlängernden Maßnahmen mit täglich Spritzen, Tropf und Tabletten. Nein, das will ich nicht. Das ist für einen alten Hund, der nicht mehr mag,einfach nur noch viel Stress.
Ich habe der Blutuntersuchung zugestimmt, weil ich nicht in der Lage war, ein lautes NEIN zu sagen.
Wir haben 30 Minuten auf die Laborergebnisse gewartet.

Die Ärztin kam und sagte: Ihr Willi hat ein Nierenversagen, wir können nichts mehr für ihn tun …………..

 

 

 

 

Hauptziel … Durchhalten …

Foto ist nicht von heute, soll nur sinnbildlich sein – Licht im Dunkeln –

Lange nix geschrieben, mich hat die Depression wieder voll erwischt.
Zumindest habe ich heute schon mal im Kopf, nur nicht weiter reinfallen, nicht sitzen bleiben, raus gehen. Irgendwie.
Das kostet mich die ganze Kraft.
Nachher will ich mir Tagespläne schreiben und diese abarbeiten.
Nein, nichts Großartiges.

Hunde Gassi,
Abspülen,
Hunde bürsten,
Kartoffeln kochen,
Willis Windeln waschen,



Eben so was.
Und  ich habe mir ganz fest vorgenommen, heute Nachmittag zum Gottesdienst zu gehen…
Unter Menschen.

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Türe auf … oder doch nicht?

Ich habe lange überlegt, ob ich DAS schreiben sollte.
Oder lieber doch nicht?
Vielleicht ist es ja in meinem depressiven Hirn einfach nur ein manischer Ausreißer?
Vielleicht entwickle ich mich nun zu manisch-depressiv?

ODER es stimmt tatsächlich, dass ich die Ursache und Ausweg aus meinen Kopfchaos gefunden habe.

Der Knaller dazu war letzten Sonntag die Predigt beim Gottesdienst.
Es ging um Dankbarkeit.
Der Prediger begann damit:

5:30 Uhr klingelt der Wecker und er sieht seine Frau neben sich und ist dankbar. Dankbar, dass sie immer noch da ist, es noch mit ihm aushält.

Die andere Variante:

5:30 Uhr klingelt der Wecker und er sieht seine Frau neben sich und denkt: sie ist jetzt über 40 und die Wechseljahre werden nicht mehr lange auf sich warten lassen und damit die Zipperlein. Vielleicht sollte er sich nach etwas Jüngeren umsehen …

Gleiche Situation, unterschiedliche Einstellung dazu.

Und mir fiel es wie Schuppen von den Augen.
Ja, genauso war ich!
Ich suchte in jeder Situation immer das Positive, das Gute.
Wenn mir zum Beispiel ein Bus vor der Nase weg fuhr und ich 20 Minuten auf den nächsten Warten musste, war ich nicht sauer, sondern dachte, vielleicht war ja jemand in dem Bus, mit dem ich ein Problem hatte oder vielleicht kein Sitzplatz mehr frei oder sonstwas.
Ich musste mir es nicht jedesmal vornehmen, es geschah automatisch.
Das macht ein gutes Gefühl, man ist zufrieden und ausgeglichen.

Und wo ist das alles hin?
Wer meine „about-Seite“ gelesen hat, weiß, dass ich drei Jahre mit einem Mann zusammengelebt habe, dass alles andere als gut ausging.
Und dort ist diese positive dankbare Seite erstickt.
Immer, wenn ich so dachte und es sagte, dann wurde er wütend, aggressiv und fing an zu toben.
Ich würde ihm in den Rücken fallen, ich würde für „DIE“ sein, wäre genauso schlimm wie „DIE“ mit dem Ergebnis, dass ich dann irgendwo heulend in der Ecke saß.
Unbemerkt habe ich mir diese Art zu denken, abtrainiert.

Genauso mein Glauben.
Ich bin ein gläubiger Mensch.
Ich hatte eine Standleitung nach oben.
Nein, ich war kein regelmäßiger Kirchgänger, aber ich brauche keine „Kirche“ für ein gottgefälliges Leben.
Ich hatte einen bedingungslosen Glauben.
Jeden Morgen betete ich zu Gott, er möge den Tag in seine Hände nehmen, Kummer und Schmerz von mir fern halten. Er möge diesen Tag genau für mich planen und so werde ich dann alles was der Tag bringen möge, es so annehmen als käme es von ihm. Egal was. Auch das, was ich vielleicht als negativ empfinde, aber aus Gottes Sicht Sinn macht, ich aber noch nicht verstehen kann.
Ich weiß, dass jetzt so mancher die Stirn runzelt.
Kinderglauben.
Vielleicht.
Aber für mich war das Vertrauen zu Gott grenzenlos.
Wie gesagt, ich hatte eine Standleitung nach oben, spürte wie er mich führte, wie er mir antwortete.

Das war dann weg.
Ich habe Gott nicht mehr spüren können.
Als wäre die Leitung gekappt.
Funkstille.

Stattdessen aggressive, wütende und lautstarke Worte, die mir um die Ohren flogen: „Mein Gott wäre ein Arschloch, wenn er mich nicht endlich gesundmachen würde (habe ja dieses Sjögren Syndrom). Und überhaupt fehle es mir an Nächstenliebe, da würde mir Gott sowieso nicht helfen.
Nächstenliebe bestand bei ihm darin, große Partys zu feiern mit ganz viel Alkohol. Dann tut man ja was für seine Mitmenschen.
Anderen Menschen durch seine handwerklichen Fähigkeiten zu helfen, das zählte nicht unter Nächstenliebe, da hielt er die Hand auf und verlangte einen Stundenlohn.

Also Funkstille für mich nach oben.

Und der dritte Punkt, der mir klar wurde:
Durch meine Grunderkrankung habe ich u.a. eine ausgeprägte Leistungsinsuffizienz.
Aber ich war zufrieden mit mir.
Solange ich mich innerhalb meiner Grenzen bewegte, war alles gut.
Ich habe mich so angenommen und fand mich okay.
Lebte einfach so wie es zu mir passte.

Bis damals 2013.
Von da ab zählte nur noch Leistung. Ich spürte sehr schnell, wo meine Grenzen waren und bin sooft darüber hinausgegangen, bin immer wieder erschöpft zusammengebrochen und als „Spielverderber“ betitelt worden.
Letztendlich habe ich mich dann auch nur noch über meine körperliche Leistung definiert.
Also irgendwie Ausschuss, den niemand haben will.

Und diese drei Punkte, die Dankbarkeit, der Glauben und die Wertlosigkeit haben mich so tief runter gezogen, dass ich diese schweren Depressionen entwickelt habe.

Und wer jetzt den Kopf schüttelt und sich fragt, warum ich das mit mir habe machen lassen und ich nicht gleich schreiend weggelaufen bin, kann ich nur sagen, es war ein Prozess.
Zu Beginn haben wir uns sehr gut verstanden, ja hatten sogar Gemeinsamkeiten. Es hat sich unbemerkt eingeschlichen. Und da ich ein Mensch bin, der die Fehler immer zuerst bei sich sucht, machte es nicht besser.

Und natürlich muss ich auch sagen, Mister X hatte natürlich auch viele gute, liebeswerte Seiten. Klar, sonst wäre ich auch nicht dorthin gezogen.

Und etwas habe ich auch verstanden. Ich habe das Gefühl dafür bekommen, warum Frauen, die von ihren Männern gedemütigt und geschlagen werden, deshalb in ein Frauenhaus flüchten, warum diese Frauen zurückkehren zu diesen aggressiven Männern. Warum es so schwer fällt, sich zu lösen.
Ich verstehe es jetzt.

Jetzt habe ich soviel geschrieben, wie ich mal war und was alles nicht mehr ist. Es ist genau diese Erkenntnis. Nämlich, dort will wieder hin! Jetzt brüllt mich keiner mehr an, ich solle gefälligst die schweren Sachen selbst tragen, ich habe ja keine Pflegestufe. Oder das die Frau nur die Gehilfin des Mannes ist, das steht schließlich auch in meiner Bibel.
Das ist nun vorbei.

Ich möchte wieder beginnen, in der Bibel zu lesen, meinen Tag Gott übergeben, versuchen wieder das Positive zu sehen und dafür zu danken und mich letzendlich wieder so annehmen wie ich bin mit all meinen Unzulänglichkeiten.

Am Dienstag habe ich den nächsten Therapie-Termin, dann will ich das ansprechen und ich glaube, der Therapeut wird mir dabei helfen.

Hm. Was soll ich noch weiter dazu sagen. Sehe ich da zu optimistisch? Werde ich morgen wieder zweifelnd in meiner Sofaecke sitzen, keine Kraft haben und mich als das überflüssigste Wesen des Universums empfinden. Etwas, was allen höchstens allen zur Last fällt und am liebsten tot wäre.

Für heute aber ist der Tag vorüber und ich verabschiede mich mit einem Blick aus meinem Wohnzimmer.

Und nun gehe schlafen. Ich habe es nämlich tatsächlich geschafft, dass seit ein paar Tagen mein Wecker 6 Uhr klingelt und ich spätestens eine halbe Stunde später wirklich aufstehe. Wow!

 

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Ausgebremst ….

Es passiert immer dann, wenn man es nicht erwartet, wenn man denkt, die Technik läuft und läuft und läuft.
Und dann … das Internet weg.
Natürlich nicht richtig weg, nur die Verbindung zum solchen.
Plötzlich  merkt man, wie alltäglich man dieses benutzt.
Mal schnell etwas googeln, schnell mal die emails checken, eine WhatsApp-Nachricht schreiben, ein Rezept suchen …
Geeeeht nicht nicht mehr.
Meine mittägliche Meditationspause mit dem grünen Elefanten auf youtube … geeeht nicht mehr.
Bloggen natürlich auch nicht.

Man wird wieder geerdet.
Früher ging es ja auch irgendwie.
Statt googlemaps, der Stadtplan,
statt Internet-Marke, eine stinknormale Briefmarke,
statt chefkoch.de das Kochbuch von anno Knips.

Ja, das ging alles, kann man sich kaum mehr vorstellen.
Aber stelle sich mal einer vor, es träfe nicht nur mich in meinem kleinen 1-Mann-Universum, sondern die ganze Stadt.
Oder ganz Deutschland.
Oder gar die ganze Welt?
Mittelalterliche Zustände!

Nunja, es traf nicht die Welt, auch nicht die ganze Stadt.
Nur Kabel Deutschland.
Oder nur mich?

Aber nun bin ich wieder unter den Lebenden!

Hach, wie schöööööön.

 

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Eigentlich, ja eigentlich …

… müsste es mir wieder richtig gut gehen.
Der Herbst ist da.
Das heiße Wetter, worunter ich echt gelitten habe, hat sich nun endlich verabschiedet.

Vorbei das Verkriechen vor den heißen Temperaturen in abgedunkelte Räume und dieses Schwitzen, dass in Bächen an mir herunterlief und mich zum Nichtsmachen verdonnerte.
Wieder Luft kriegen, wieder raus mit den Hunden, wieder mehr auf Motivsuche gehen mit meiner Kamera.
Wieder zum Gottesdienst, wieder zur Selbsthilfegruppe, wieder klar denken.
Alles „wieder“ machen können.
Dachte ich.

Zu Beginn der Woche bekam ich Schmerzen im Kiefer.
Ich nahm an, es ist mal wieder eine Spielart meiner Trigeminusneuralgie.
Die Backe (Wange natürlich) wurde dick.
An 2 Stellen.
Kühlen, kühlen, kühlen war angesagt.
Mit Kühlpads saß ich dann stundenlang auf meinen grünen Sofa in der Hoffnung, um den Zahnarzttermin herumzukommen.
Im Geiste sah ich mich schon dort, den Arzt mit dem Skalpell in der Hand, um irgendein Abzess zu öffenen und in der Folgezeit jeden Tag dort auf den Stuhl sitzend, den eingelegten Streifen zu wechseln.
DAS wollte ich nicht.
Nicht schon wieder.

Trotz allen Kühlens wurde es nicht besser.
Am Donnerstag bin ich dann doch hin, zum Zahnarzt.
Röntgen und … und … und ….NICHTS!

Keine Vereiterung, keine Entzündung, nur richtig dick und sehr schmerzhaft.
Und nun?
Der Zahnarzt hat mir Antibiotika verschrieben.

10 Tage lang, aller 8 Stunden 1000mg von dem Zeugs da.
Morgens ist mir leicht übel, Durchfall den ganzen Tag über.
Aber heute, am Sonntag, ist der erste Tag, an dem ich „im Ruhestand“ keine Schmerzen mehr habe.
Essen ja, draufdrücken ja, insgesamt aber sehr viel besser.

Und das, liebe Leute, war meine Zahnarztoper, auch wenn es viel, viel schlimmeres gibt und es keinem in dieser Netzgemeinde wirklich interessieren dürfte.

Was es war? Keine Ahnung. Aber vorbei ist es definitiv am 1. Oktober.
ABER DANN ….

 

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12 von 12 #7

Beliebt bei vielen Bloggern ist, zu Beginn eines Jahres ein Motiv auszuwählen und dies über 12 Monate zu beobachten, das heißt, am Ende jeden Monats wird dieses Motiv vom gleichen Standort aus fotografiert, so dass man am Ende eines Jahres 12 Fotos von 12 Monaten hat, die den Wechsel der Jahreszeiten nachvollziehen. (Ohwei, was ist das für ein Satz. Ich habe ein halbes Glas Wermut getrunken).

Ich habe mich für den Eingang des Botanischen Volksparks entschieden. Und das ist er:

Heute haben wir schon den 12. August, das Foto von Ende Juli fehlt noch. Aber bei den heißen Temperaturen habe ich mich nicht bis zum  Botanischen Volkspark getraut.
Aber heute.
Ich hatte von der Sonne vertrocknete Beete und Rasen erwartet.
Und nun so ein Bild:

 

Mitte August

 

Ende Juni

 

Mitte Juni 2018

 

Ende Mai 2018

 

April 2018

 

Ende März 2018

 

Mitte März 2018 

 

Februar 2018

 

Januar 2018

*     *     *     *     *

 

 

Morgen um 8

… werde ich abgeholt.
Ich werde abgeholt, um für eine Woche das Haus meiner Tochter zu hüten und um hauptsächlich die beiden Katzen zu füttern.
Ich werde zum ersten Mal in diesem Haus sein, ich kenne es noch nicht.
Ich kenne auch die Gegend nicht, nur mit dem Mauszeiger bei google maps.
Es wird eine Premiere sein.
Für nahe zu jeden wäre das kein Akt.
Für sie wäre das so eine Art Ferienhaus, mal raus aus den eigenen 4 Wänden und mit den Hunden die neue Gegend erkunden.
Neues sehen.
Nun bin ich leider nicht „Jede“, sondern das „fast“ davor.
Neue Dinge, die ich nicht kenne, machen mir Angst.
In jeder Form, nicht nur der Wechsel des Wohnen, sondern in jedem Bereich meines Umfeldes, Ärztewechsel, neue Medikamente, selbst Kleidung und sogar die Jahreszeiten.
Einfach alles eben.
Es ist so schlimm geworden seit mein Mann vor 9 Jahren starb und ich plötzlich allein war.
Wenn es mir arg schlimm geht, esse ich zum Beispiel auch immer Früh, Mittag, Abend das Gleiche.
Und das mitunter wochenlang.

Ich hatte das mal jemand aus der Selbsthilfegruppe erzählt und bekam die für mich unerwartete Antwort: das geht ihr genauso, sie isst immer Nudeln mit Ketchup.
Jeden Tag, wochen-, monate-, jahrelang.
Vielleicht ist das ein Symptom bei Depressionen?
Ich weiß es nicht.

Und nun werde ich morgen um Acht abgeholt in ein mir fremdes Haus, noch fremdes Haus.
Vom Bauchgefühl macht es mir Angst, weil ich dann eine ganze Woche dort bleiben MUSS.
Real ist das natürlich Quatsch.
Ich muss gar nichts.
Ich kann in den Bus steigen und wegfahren.
Also alles Blödsinn, was ich fühle.
Aber ich fühle es eben.
Und das FÜHLT sich real an.

Fragt sich jetzt bitte jemand,warum ich es dann tue, mich zwingt doch keiner, hätte doch nicht zusagen müssen.
Ich wollte es.
Weil es das Haus der Tochter-Familie ist.
Weil sie auch kommt, wenn ich sie um Hilfe bitte.
Deshalb.

Nun kommt noch spaßfördernd diese Hitze dazu.
Die mich auch in die Knie zwingt.
Meine Hoffnung ist, dass es dort wenigstens die Luft frischer ist als hier in der versiegelten Großstadt.
Ich werde sehen.

Heute habe ich auch ein bisschen meine Wohnung auf meine Abwesenheit vorbereitet.
Alle Zimmerpflanzen habe ich reichlich gegossen.
Die, die ganz viel Wasser brauchen habe ich Fußbad verordnet.
Bei meinen Balkonpflanzen will ich einen Test machen, den ich bei Youtube gesehen habe.
Eine Bewässerungsanlage aus Küchentüchern.
Kennt ihr nicht?
Ich auch nicht.
Ich bin echt gespannt, ob das klappt.
Das sieht dann so aus.
Liebe Pflanzenfreunde, was sagt ihr dazu?

Ich weiß, schön geht anders, aber das muss es ja nicht sein.
Wenn es nicht klappt, kommt T. und gießt die Pflanze.
Das ist sozusagen der Plan B.

Ach, und noch etwas.
Hat doch der liebe Gott in zwei meiner Blumentöpfe, in denen Geranien sind, ganz heimlich Hornveilchen gepflanzt.

Als kleine Zusatzfreude sozusagen.
Ja, es zog sich ein breites Lächeln über mein Gesicht, als ich es entdeckte.

Tja und dann habe ich meine Fenster mit Alu-Folie abgeklebt.
Gegen die Nachmittagssonne, gegen die Hitze.
Auch das habe ich bei den Jungs von Google gefunden.
Obs hilft?

Keine Ahnung.
Aber besser als nix, denke ich.
Nächste Woche sollen es nochmal 35º werden.
Wenn die Sonne dann hier hereinknallt, habe ich denn locker 40º.
Ich kann die Markise ja nicht herunterlassen.
Wenn es ein richtig heftiges Gewitter gibt … ich bin mir nicht sicher, ob sie das überlebt.

Nun also Alu-Folie an den Fenstern.
Und das sieht dann so aus:

Nun muss ich nur noch alles zusammen packen, was ich mitnehmen möchte. Und kann es losgehen, morgen früh um Acht – mein ganz persönliches Abenteuer.

 

      

 

Nur ein Märchen?

Der alte Großvater und der Enkel

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Es war einmal ein steinalter Mann, dem waren die Augen trüb geworden, die Ohren taub, und die Knie zitterten ihm. Wenn er nun bei Tische saß und den Löffel kaum halten konnte, schüttete er Suppe auf das Tischtuch, und es floß ihm auch etwas wieder aus dem Mund. Sein Sohn und dessen Frau ekelten sich davor, und deswegen mußte sich der alte Großvater endlich hinter den Ofen in die Ecke setzen, und sie gaben ihm sein Essen in ein irdenes Schüsselchen und noch dazu nicht einmal satt; da sah er betrübt nach dem Tisch und die Augen wurden ihm naß. Einmal auch konnten seine zittrigen Hände das Schüsselchen nicht festhalten, es fiel zur Erde und zerbrach. Die junge Frau schalt, er sagte nichts und seufzte nur. Da kaufte sie ihm ein hölzernes Schüsselchen für ein paar Heller, daraus mußte er nun essen. Wie sie da so sitzen, so trägt der kleine Enkel von vier Jahren auf der Erde kleine Brettlein zusammen. „Was machst du da?“ fragte der Vater. „Ich mache ein Tröglein,“ antwortete das Kind, „daraus sollen Vater und Mutter essen, wenn ich groß bin.“ Da sahen sich Mann und Frau eine Weile an Fingen endlich an zu weinen, holten sofort den alten Großvater an den Tisch und ließen ihn von nun an immer mitessen, sagten auch nichts, wenn er ein wenig verschüttete.

Ein Märchen der Gebrüder Grimm

Wenn ich dieses Märchen lese kriecht mich das schlechte Gewissen derart an …

3 Jahre lebte mein Vater noch nach den Tod meiner Mutter. 200km von hier.  Er war alt und krank. Er war umsorgt. Meine Schwester kümmerte sich, wusch die Wäsche, brachte gekochtes Essen und Bücher vorbei. Sie wohnte nicht weit weg. Das Putzen erledigte eine Putzfirma. Er hatte alles, was er brauchte. Einmal im Monat waren wir alle versammelt bei ihm zum Kaffee und aufgetauter Deluxe-Torte. Ich mochte meinen Vater sehr.

Und trotzdem begriff ich nicht, wie einsam er war.
Manchmal hat er es gesagt, aber ich habe es nicht verstanden, er hatte doch alles.
War er im Krankenhaus, besuchte ich ihn dort.
Beim letzten Besuch schlief er.
Ich streichelte seinen Arm und plötzlich murmelte er ganz deutlich: „ich kann nicht mehr….“
Meine Schwester war dabei und hörte dies auch.
In der gleichen Nacht starb er, er ist nicht noch einmal aufgewacht.
Vielleicht hatte er darauf gewartet, bis ich nocheinmal kam.

Und jetzt, so viele Jahre später, beginne ich zu verstehen, wie einsam er gewesen sein musste.

Und ich wünsche mir nichts mehr, als ihn auf der anderen Seite dieser Welt wiederzusehen, ihn zu umarmen und um Verzeihung zu bitten, dass ich es damals nicht verstand. Und so wie ich ihn kenne, nimmt  er die Entschuldigung an und freut sich einfach, dass ich da bin.

Und darauf freue ich mich….

 

*      *     *      *      *

 

 

Der Tunnelblick

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Gestern war so ein schöner Nachmittag.
Ich war so happy, wieder so ein befreiendes Gefühl zu haben.
Das war gestern.
Heute sieht es schon wieder anders aus.
Es fing die Nacht schon an, Durchfall, richtig Durchfall, Wasser.
Nein, ich habe nix komisches gegessen.
Ich tippe eher auf mein ramponiertes Nervenkostüm.
Und heute früh nun zog sich wieder alles um mich zusammen.

Der Tunnelblick.

Alle Sinne konzentrieren sich auf einen Punkt, ein Geschehen, auf einen Gedanken.
Alles andere herum wird ausgeblendet, wahr oder unwahr ist maximal nur ein neblige Gefühl, alles verzerrt.
Da ist nur der eine Punkt, der weh tut, furchtbar weh.

Da müsste jemand kommen, mich packen und schütteln, kräftig schütteln: Hey, wach sofort auf, es ist nicht so wie du denkst, nicht so, auch nicht so ähnlich, es stimmt nicht….
Aber es ist keiner da, der schüttelt.

Ich bleibe sitzen und quäle mich und warte, dass es vorbei geht.
Bisher ist es immer vorbei gegangen.
Vielleicht morgen schon.

Bestimmt morgen.

 

*     *     *     *     *

 

 

 

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