Auf der Suche nach Struktur …

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Im vorletzten Beitrag habe ich darüber geschrieben, dass ich wie ein Gummiball fühle.
Auf der einen Seite aufgeschlagen auf dem Boden, auf der anderen im Höhenflug nach oben.
Das Bild gefällt mir, weil ich eben momentan so fühle.
Ein Gummiball ist immer nur für kurze Zeit in Richtung Himmel, dann geht es wieder abwärts.
Nach dem Aufschlagen kullert er manchmal wochenlang am Boden umher.

Ich, der Gummiball.

Helfen würde mir eine klare Tages- und Wochenstruktur.
Die größte Hilfe dabei sind meine beiden Hundis.
Das aber reicht nicht, wenn ich zwischen den Gassi-Runden wieder in der Sofaecke sitze.
Dann greife ich wieder zur Fernbedienung und zum Tablet.
Ich weiß, dass das für Nicht-Depressions-Kenner so nach Habe-keine-Lust aussieht und man doch lediglich seinen Hintern mal aus den Polster zu heben braucht.

Wenn es denn so einfach wäre.

Und so suche ich nach Dingen, die mir Freude machen, mit den ich mich beschäftigen kann, um nicht so sehr abzustumpfen, dass letztendlich mich gar nichts mehr interessiert.
Mein Lieblingstherapeut, sagt dazu: Bloß nicht in der Ecke sitzen bleiben und suchen nach neuen Dingen, die helfen.

Nun habe ich mir so einiges ausgedacht, aber mir fällt es so schwer, es umzusetzen.

  1. Da wäre die Sache mit der „Magischen Spüle“, ein 14tägiger Crashkurs, dass Ordnung und System in die Wohnung kommt. Das Prinzip ist ganz einfach. Jeden Tag die Spüle auf Hochglanz polieren und jeden Tag sich nur 15 Minuten Zeit nehmen, um irgendetwas aufzuräumen, auszusortieren, neu zu ordnen. 15 Minuten sind wenig. Aber ich schiebe den ganzen Tag diese 15 Minuten vor mir her, bis der Tag zu Ende ist und ich mir sage: aber morgen schaffe ich es.
  2. Die neue Ernährung. Seit ich hier vor etwas mehr als einem Jahr gestrandet bin, habe ich mich jeden Tag gleich ernährt. Früh, mittags, abends – alles gleich. Klingt komisch, aber anders habe es nicht geschafft. Nun habe ich mir das Buch „Fit fürs Leben“ herausgekramt, eine amerikanische Art von Trennkost und Intervallfasten. Das heißt, bis Mittags nichts essen. Außer Obst, denn, so steht es im Buch, Obst wird nicht im Magen verdaut, sondern im Darm. Isst man Obst mit anderen Sachen zusammen, kann es nicht den Magen passieren und gärt im Darm. — Ich habe es versucht. Ich habe es nicht geschafft, bis mittags nur Äpfel & Co. zu essen. Es tat mir einfach nicht gut und ich wollte mich nicht zwingen. Nicht jetzt. Nicht, wenn es mir nicht gut geht. Und so habe ich für mich beschlossen: Intervallfasten NEIN, Trennkost JA. Das klappt gut. Es tut gut. Und ich beginne nachzudenken, was ich früh,mittags, abends esse, kein stumpfsinniges Kühlschranktür öffnen und immer zum gleichen zu greifen.
  3. Ich hatte mir auch vorgenommen, den Fotokurs wieder aufzunehmen, den ich vor einem Jahr abgebrochen habe. Das habe ich noch vor mir hergeschoben.
  4. Yoga. Ich hatte mir eine DVD mit Yoga für Späteinsteiger gekauft. Die Übungen finden alle im Sitzen statt. Das habe ich dann doch regelmäßig gemacht bis mir der Gedanke kam, wenigstens den „normalen“ Sonnengruß zu probieren und habe bei youtube eine sehr gute Anleitung gefunden. Das klappt gut und das gelingt mir inzwischen immer besser und dies tue ich morgens einige Male. Im Netz gegoogelt bin ich auf die „5 Tibeter“ gestoßen, eine besondere Art von Yoga-Übungen. Mal sehen, vielleicht liegt mir das…

Das sind diese vier Dinge, die ich mir vorgenommen habe, aber es erscheint mir viel zu viel, fühle mich dadurch unter Druck gesetzt.

Und nochmal: Ich weiß, dass das für Menschen, die nicht an Depressionen leiden, nur sehr schwer verständlich ist.

Morgen habe ich wieder eine Therapiestunde und wollte das mit dem Therapeuten besprechen und ich ahne, was er mir rät (das ist mir nämlich gerade eingefallen): Päckchen packen….

Päckchen packen heißt: Jedes Ding für sich allein nehmen, sich jeweils nur auf diese eine gerade aktuelle Sache konzentrieren. Dann wieder zuschnüren und weglegen. Ich weiß nicht, ob ich recht habe. Das werde ich morgen sehen.

Und dann, dann habe ich mir ganz ganz ganz fest vorgenommen, wieder täglich diesen  Blog  zu schreiben und den Tag so zu spiegeln.

Auf der Suche nach Struktur, nach regelmäßigen Dingen, die ich jeden Tag, jede Woche tue, die ein Hangeln von einem zum anderen ist, um nur nicht in der Sofaecke sitzen zubleiben – damit schließt sich der Beitrag – mit einem WOLLEN in der Hoffnung es auch zu KÖNNEN.

 

*     *     *     *      *

Ich bin wie ein Gummiball

Nein, ich komme wirklich noch nicht damit zurecht.

Ostern war gelinde gesagt: Mist
Ich saß hier allein zu Hause und war selbst schuld.
Ich hatte zweimal ein Angebot, dass ich besucht werde.

Einmal M., eine frühere Freundin.
Sie wollte Karfreitag kommen, weil da ihr Freund Nachtschicht hatte.
Ich habe abgesagt.
Empfindlich wie ich zur Zeit bin, wollte ich nicht  besucht werden, wenn es gerade mal besser ist, nicht zu Hause zu sein, weil der Partner schlafen möchte.
(Das Gefühl, Lückenbüßer zu sein)
Ich weiß, das ist idiotisch.
In unserer verrückten Zeit, muss man ja schauen, wie man alles am besten organisiert bekommt.
Blöd wie ich bin, wollte ich also nicht.

Der zweite Besucher war der Autistenfreund.
Ja, jener, der vor ein paar Wochen mir gesagt hat, dass seine Mutter meinte … ich wäre „nur“ eine Bekannte und keine Freundin.
Und er wollte eine richtige Freundin haben.
Eine richtige Freundin ist nach seiner Aussage eine, die man an die Hand nimmt und mit der man schläft.
Nungut, das wollte ich nicht, also hat er den Kontakt abgebrochen.
Aber bereits 4 Wochen später kam dann wieder die eine oder andere WhatsApp-Nachricht, die ich freundlich beantwortet habe.
Dann kam er mal zum Gottesdienst mit, dann auch zur Spielegruppe.
Zwei Tage vor Ostern meinte er, er kommt mich Oster-SA besuchen, weil er ein Geschenk für mich hat. (Nicht gefragt, ob ich es gut finden würde, sondern bestimmt: er kommt)
Nein, ihn hier bei mir zu Hause wollte ich ihn nicht haben, wollte nicht, dass er sich Hoffnungen macht.
Er meinte nämlich, ich sei zwar nur eine Bekannte, aber am Anfang ist man immer erst „Bekannte“ und manchmal dauert es eben etwas länger…. Ob ihn das seine Mama gesagt hat?
Jedenfalls habe ich auch abgesagt.

Dann wollte T.  am Ostersonntag mich besuchen, darauf habe ich mich gefreut, habe auch Schokoladenbecher für den Eierlikör gekauft.
Nur … hier hat T. abgesagt, es ginge ihr nicht gut.

Und so saß ich Ostern allein hier und draußen schneite es.
Ich war zerknautscht und habe an alles jedem gezweifelt.

Einen Tag nach Ostern sind bei mir alle Lebensgeister wieder erwacht.
Ich fing an zu putzen und zu saugen und puhlte nun endlich die aufgeklebten Schneeflocken von meinen Fensterscheiben ab.
Ich ging wieder raus mit den Hunden auf große Runden mit der Kamera in der Tasche.

Der Frühling war da.

Nun schmiedete ich wieder Pläne.

Das mit der „magischen Spüle“ wollte ich unbedingt nochmal beginnen, und  mich wieder auf Motivsuche mit meiner Kamera machen.
Ich habe sogar überlegt, ob ich den Fotokurs weitermache, den ich vor einem Jahr begonnen hatte, mir jedoch zu schwierig war und ihn gekündigt hatte.
Aber jetzt, nach einem Jahr Knipserei schaffe ich es vielleicht?

Von meinen Yoga für Ältere und Anfänger hatte ich ja schon berichtet.
Diese Übungen sind alle im Sitzen.
Deshalb habe ich mir überlegt, ob ich nicht wenigstens den „Sonnengruß“ richtig hinbekommen könnte.
Mit ein bisschen Übung?
Ich habe auch bei youtube ein passendes Video gefunden.
Und siehe da, ich kriege es hin.

Juhuu!

….

Nein, ich komme nicht wirklich damit klar, diese Auf und Ab’s, dieses Pläneschmieden und am nächsten Tag wieder in der Sofaecke hängenbleiben.
Das war doch früher nicht so.
Soll das jetzt mein Leben sein?
Soll ich damit lernen umzugehen?
Bleibt das so?
Oder wird das wieder besser?

Ich fühle mich wie ein Gummiball.
Mal auf den Boden schlagen und im nächsten Moment wieder gen Himmel zu fliegen.

Bleibt das wirklich so?

 

*     *     *     *     *

 

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Huch, da ist er ja wieder – mein Blog …

Ach, ist das schön! Mein Blog ist nach seinem „der-Server-hat-ein-Problem“-Virus wieder erwacht. Ich hatte schon hin und herüberlegt, ob ich im Falle eines „total erschossen“ nochmal einen neuen starte, wie im Juli des vergangenen Jahres. Ich glaube aber eher nicht.

Wie dem auch sei, es geht weiter!

In der großen Hoffnung, dass solche „Katastrophen“ die Seltenheit bleiben.

Ich bin wieder hier und schreibe weiter.

 

*     *     *      *     *

 

Das Foto vom Tag

Hab heute früh meine Augen gleich zweimal reiben müssen. Wir haben heute den 7. März und ich glaube fast das erste Mal in dieser Saison eine geschlossene Schneedecke…

Aber ich denke, das war es nun wirklich.
Hoffentlich.
Ich will Früüüüühling!

*     *     *     *     *

 

So, da bin ich wieder – Blitzlicht #16

pixabay.com

Unter der Kategorie „Blitzlicht“ schreibe ich  nach jeder Therapiestunde, einen Gedanken, eine Situation, einen Satz oder irgendetwas, was mir „danach“  noch im Kopf herumgeistert und ein Ventil braucht.
Es ist die Therapie, auf die ich solange gewartet habe, weil ich glaube, dass sie mir hilft, mit der Diagnose „Depression“ vernünftig umzugehen und große Abstürze in kleine verwandelt.

Nun bin ich wieder da, nachdem ich eine Woche wieder abgestürzt bin.
Nein, nein, nicht der Rechner.
Die Psyche wars.
Wie immer.

Der Auslöser war eine ganz einfache nette WhatsApp-Nachricht meiner Tochter, die mich fragte, ob ich denn am Wochenende in ihrem neuen Haus gucken kommen mag.
Klingt doch gut, nicht wahr?
Aber für mein Seelchen war es die Katastrophe.
Ich mag das jetzt nicht weiter erklären, wollte meinen Müll im Kopf auch nicht in dem Blog auskippen.
Es soll kein Jammer-Blog werden.
Das heißt, Rückzug, Sofa-Ecke, Fernseher an und Tablet spielen.
Stundenlang, tagelang, zu nichts anderem mehr fähig.

Aber nun bin ich wieder hier, auch dank meines Therapeuten.
Er hat gestern meinen Kopf wieder gerade gerückt.
Ich bin ihm so dankbar!

Nun die neue Aufgabe von ihm für die nächsten 2 Wochen: Konzentration auf das Gute, das Dankbare, das Neue.
Und das ist ja wieder etwas für meinen Blog.
Ich werde jetzt also neben meinen „Postkästen“ auch die Kategorie „Das Beste vom Tag“ herauskramen und schreiben, jeden Tag, jeden Abend – mal sehen, ob es klappt.

Hachja, hätte ich auch selbst drauf kommen können, aber wenn man im dunklen Loch sitzt mit Tunnelblick, kriegt man das nicht hin.

Ud dafür sind sie ja da, die Therapeuten.

 

*     *     *      *     *

 

Meine Patientenverfügung Teil 2

Hatte ich doch von dem Kampf mit meiner Patientenverfügung geschrieben.

Heute nun bekam ich Antwort auf meinen Hilferuf an die Leute von DIPAT.
Und was soll ich sagen? Sie meinten, dass durch unvorhergesehenen Andrang auf ihre website, es zu Problemen gekommen ist. Aber nun dürfte es klappen.

Ich habs probiert!
Innerhalb weniger Sekunden habe ich meine Dokumenten-Datei hochgeladen, ohne hinterher eine Fehlermeldung zu bekommen.

Geht doch! (Hatten wohl mehrere die Ratgebersendung  gesehen).

 

 

*     *     *     *     *

 

Zwei so schwere Tage …

Nun ist es soweit, meine Tochter zieht mit ihrer Familie weg.
Dorthin, wo ich sie nicht mehr mit den Öffis erreichen kann.
Das gab es bisher noch nie.
Nein, ich habe kein Problem mit dem Loslassen.
Sie ist schon vor 18 Jahren in eine eigene Wohnung gezogen.
Aber bei und mit mir ist in den letzten 9 Jahren so vieles passiert, dass ich immer so froh und dankbar war, sie in meiner Nähe zu wissen.
Die Krönung war letztes Jahr, als ich mit einem doppelten Beckenbruch im Rollstuhl saß und sie „Gott sei dank“ nur gegenüber wohnte…
Man wird nicht jünger …

Gestern haben sie noch den Keller entrümpelt.
Sie brachte mir am Vormittag ein Foto von meinem verstorbenen Mann.
Ich kannte es nicht.
Es zeigte ihn bei der Arbeit am Schreibtisch.
Er sah ausgebrannt aus mit einem leeren Blick.

Es hat mich so sehr berührt und es kamen Gedanken in mir auf, dass es besser für ihn war, dass Gott ihn vor 9 Jahren von dieser Erde genommen hat. Er war so ein Sonnenschein, voller Lebensfreude, jeder mochte ihn … und nun das Foto mit dem leeren Blick, überfordert und aufgebraucht.

Ich glaube, diesen ganzen Affenzirkus, der jetzt um uns herum ist, das hätte ihn völlig zerstört.
Und so habe ich ihn als den liebenswerten und weltbesten Ehemann in meiner Erinnerung.
Dafür kann ich so dankbar sein. Und bin es auch.
Ja, dieser leere Blick tat weh.

Am Nachmittag brachte meine Tochter noch einen Karton mit Fotos und jede Menge anderes.
Und das war dann der Trigger pur.
Es ging abwärts mit mir.
Die Depressionen klatschten vor Freude in die Hände und ich saß heulend auf meiner grünen Couch.
Das war es jetzt.

Objektiv von anderen nicht zu verstehen, brach alles über mir zusammen.
Mit den Hunden konnte ich gerade mal noch vor die Haustür gehen, dann habe ich mich mit Tavor zugedröhnt.

Und heute fühle ich mich leer, fühle die Sinnlosigkeit dieser Welt, wozu das alles?
Die Nachrichten über den Supermann Schulz scheinen sinnbildlich.

In meinem Flur stapelten sich Dinge, die ich noch in ihrem Keller hatte.
Ich wurde panisch, mit letzter Kraft schleppte ich den ganzen Kram heulend zum Container.
Bloß weg damit. Weg, weg, weg. Bis auf den Karton mit den Fotos.
Ich bin wieder da, wo ich vor Wochen war.

Ja, ich funktioniere.

Ich werde weiter funktionieren bis Dienstag, dann habe ich den nächsten Therapietermin in der Hoffnung, dass Herr M. den Knoten wieder lösen kann, dass nicht alles umsonst war…

 

Das Foto vom Tag ….

Heute bei sonnigen Wetter im Botanischen Garten … einfach schööööön

 

*    *     *     *     *

 

Du fehlst mir …

… seit fast 9 Jahren bist du nicht mehr da.

Ich weiß nicht, wo diese 9 Jahre hin sind.
Sie sind wie ein Wimpernschlag.

Es ist, als sei es gestern gewesen, als ich an deinem Krankenhausbett auf der Intenivstation stand, wir uns in den Armen lagen, weil wir dachten, dass du es geschafft hast, dass es nun wieder alles gut wird und du die drauffolgende Nacht nicht überlebt hast.

… seit fast 9 Jahren bin ich allein. Der Versuch, eine neue Beziehung einzugehen, scheiterte jämmerlich und waren die reinste Katastrophe.

… seit fast 9 Jahren ist die Hecke weg, die Gott um unsere Ehe gezogen hatte, das nichts, aber auch gar nichts Böses durchdringen konnte.

Es ist so viel passiert, so viel Unschönes in diesen letzten 9 Jahren ohne dich und ohne die Hecke.
Und nun sitze ich hier.

Ja, ich lebe.
Irgendwie.
Immer noch.

Ich weiß nicht, was nach dem Tod passiert.
Ich weiß nicht, wo du bist.
Ob du noch da bist oder ob du es erst wieder sein wirst am Ende dieser Welt.
Ich habe keinen Zugang zu dieser deiner jetzigen Welt.

Und so bitte ich meinen großen Gott, dir zu sagen, dir das Gefühl zu geben, dass ich dich immer noch liebe.
Auch noch nach diesen 9 Jahren.
Und die nächsten 9 Jahre.

Und ich warte, ich warte bis eines Tages die Tür aufgeht und du mir entgegen kommst.
Für immer.

Ist es albern, dass ich immer noch Klamotten für dich habe, einmal komplett zum Anziehen?
Griffbereit.
Denn vielleicht öffnet sich die Tür schon morgen.
Wer will das schon wissen?
Wer kennt Zeit?

9 Jahre, die nicht existiert haben.

*     *     *     *     * 

Hay Day – Achtung Suchtgefahr!

Es mag so 10 Jahre her sein, da spielte meine Lieblingstochter auf ihrem Handy Hay Day. Falls es den einen oder eine gibt, die dies noch nicht kennen: es ist ein Farm-Spiel.

Ein Spiel, auf dem man als geborener Großstädter mal das Landleben üben darf. Man hat Hühner-, Schweine-, Schaf-, Kuhställe, produziert (oder besser lässt produzieren) Milch, Schinken, Eier, die man wiederum Butter, Käse, Wolle, Kuchen, Brot … verwandeln kann. Um die ganze Viecherei ernähren zu können, hat man Felder, auf denen man Weizen, Mais, Sojabohnen … anbauen kann. Verkaufen kann man dann das ganze in einem Hofladen.

Damals also (vor den gefühlten 10 Jahren) gab es das Spiel nur das iphone.

Vor 2 Tagen kam das Kind mit ihren 39 Jahren und sagte, sie spiele es wieder, weil es das jetzt auch für android gibt. (Womit sollte sich sonst auch eine Kriminalkommissarin beschäftigen? – Nein, natürlich spielt sie es nur in den Pausen, beim Warten auf irgendetwas, an der roten Ampel oder so oder auch nachts zwischen 22-6 Uhr -Ironie aus)

Nun, damals konnte ich es nicht spielen, weil ich, im Gegensatz zum Töchterlein, nur ein olles Android-Handy hatte.

Aber JETZT, jetzt ging es. Und dank des eingekehrten Wohlstandes auch auf den tablet.

Zwei Tage saß ich da, fütterte Hühner, ließ Butter und Joghurt herstellen, grillte Schinken mit Eiern, erntete Mais und machte Popcorn, belieferte Großstädter mit Brot und verkaufte im Hofladen, alles, was ich übrig hatte. Kaufte wiederum die Produkte, bei denen ich auf meinen Feldern nicht nach kam, damit all meine Tiere auch genug zu fressen hatte.

2 Tage – wiedermal – bis mir klar wurde, dass dieser 24 Stundenfresser nichts anderes ist, als das hin- und herschieben von Bytes, ich zu nichts anderes mehr komme als zu diesem, einschließlich Schlaf. Alles basierend auf 0 und 1, gelernt vor gefühlten 100 Jahren im EDV-Unterricht.

Nun ist Schluss.

Wenn ich nicht vernünftig damit umgehen kann, wenn ich keine Grenze finde, nur noch in Hühnerfutter und Kuhstall denken kann, dann ist es definitiv nichts für mich.

Zum Abschluss habe ich noch ein Foto gemacht. Wie hätte es ausgesehen, wenn ich es nicht nur 2 Tage, sondern 2 Jahre gespielt hätte oder gar die ganzen letzten 10 Jahre? Ob es mich dann noch geben würde? Oder längst verhungert, verdreckt und stinkend auf meinen grünen Sofa?

Weiß man nicht …

*      *      *       *      *

 

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