Die Geschichte zum Mittwoch

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Auf der Durchreise

Im 19. Jahrhundert lebte in Polen ein bekannter jüdischer Rabbi mit Namen Hofetz Chaim.

Zu ihm kam eines Tages ein Besucher, um einen Rat von ihm zu erbitten.

Als der Mann sah, dass die Wohnung des Rabbi aus einem einzigen winzigen Zimmer bestand, in dem sich nur eine Bank, ein Tisch mit einem Stuhl und viele Bücher befanden, fragte er den Rabbi verwundert: „Meister, wo haben Sie ihre Möbel und den Hausrat?“

„Wo haben Sie Ihre?“ erwiderte der Rabbi.

„Meine?“ fragte der verblüffte Fremde, „ich bin doch nur zu Besuch hier. Ich bin nur auf der Durchreise!“

„Ich auch!“ sagte Hofetz Chaim.

Quelle Text: Axel Kühner „Überlebensgeschichten“, S. 191

 

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Die Geschichte zum Mittwoch

Das Leben ist herrlich

Ein Mann klagt einem Rabbi sein Leid: „Mein Leben ist nicht mehr erträglich.
Wir wohnen mit sechs Personen in einem Raum.
Ich halte die Enge und den Lärm nicht mehr aus. Was soll ich nur machen?“

Der Rabbi überlegte und riet ihm dann: „Nimm deinen Ziegenbock noch mit in euer Zimmer!“
Der Mann erhob verwundert seine Einwände gegen den Vorschlag.
Doch der Rabbi beharrte auf seinen Rat: „Tu, was ich dir gesagt habe, und komm nach einer Woche wieder!“

Nach einer Woche kam der Mann zum Rabbi.
Er war vollkommen entnervt und am Ende.
„Wir können es nicht mehr aushalten.
Der Ziegenbock stinkt fürchterlich.
Die Tage sind eine einzige Qual, die Nächte schlimm und schlaflos.“

Der Rabbi sagte nur: „Geh nach Hause und stell den Ziegenbock wieder in den Stall.
Dann komm nach einer Woche wieder!“
Die Woche verging.
Als der Mann zum Rabbi kam, lachte er übers ganze Gesicht: „Das Leben ist herrlich, Rabbi.
Wir genießen jede Minute.
Kein Ziegenbock, kein Gestank.
Nur wir sechs im Zimmer.
Das Leben ist herrlich!“

Manchmal wird das Leben in seinen engen Grenzen wieder weit und lebenswert, wenn man an die viel größere Not denkt, in der man sein und leiden könnte.
Manchmal muss man sich die Not ins eigene Zimmer stellen, damit man erkennt, wie gut man ohne sie leben kann.

Aber wirklich herrlich wird das Leben nicht durch Vergleiche mit anderen Menschen oder Situationen.

Wirklich herrlich bleibt das Leben nur im Wissen um einen Herrn des Lebens.
Unser Leben ist dann herrlich, auch in mancher Bedrängnis, wenn wir einen Herrn haben, der in allen Lebenslagen unser Helfer und Beistand ist.
Nur wer einen starken Herrn hat, dessen Leben wird letztlich auch „herrlich“ sein!

Quelle Text:  Axel Kühner, Überlebensgeschichten, S. 178
Quelle Bild: pixabay.de

PS.: Bis einschließlich fett markierter Satz finde ich die Geschichte richtig gut und zum Schmunzeln.
Die folgenden Sätze sind für mich schwierig.
Ja, ich bin Christin, aber an den Tagen, an denen es mir so sehr schlecht ging, hatte ich das Gefühl, die Verbindung nach oben ist gekappt worden.
Funkstille.
Vielleicht nur gefühlt, aber in dem Text steht etwas davon, dass „selbst in Tagen der Bedrängnis das Leben herrlich ist“.
Eine schlimme Aussage.
Denkt doch dann der „Christ in Bedrängnis“, wenn er das Leben dann nicht „herrlich“ für ihn ist, er glaubt nicht richtig, nicht genug.
Dann geht die Abwärtsspirale noch weiter nach unten.

 

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Die Geschichte zum Mittwoch

Glück oder Unglück

Eine Parabel aus China erzählt von einem armen Bauern, der einen kleinen Acker mit einem alten, müden Pferd bestellte und mehr schlecht als recht mit seinem einzigen Sohn davon lebte.
Eines Tages lief ihm sein Pferd davon.
Alle Nachbarn kamen und bedauerten ihn wegen seines Unglücks.
Der Bauer blieb ruhig und sagte: „Woher wisst ihr, dass es Unglück ist?“ In der nächsten Woche kam das Pferd zurück und brachte 10 Wildpferde mit.
Die Nachbarn kamen und gratulierten zu seinem großen Glück.
Der Bauer antwortete bedächtig: „Woher wisst ihr, dass es Glück ist?“
Der Sohn fing die Pferde ein, nahm sich das wildeste und ritt los.
Aber das wilde Pferd warf ihn ab, und der Sohn brach sich ein Bein.
Alle Nachbarn kamen und jammerten über das Unglück.
Der Bauer blieb wieder ruhig und sagte: „Woher wisst ihr das es ein Unglück ist?“
Bald darauf brach ein Krieg aus, und alle jungen Männer mussten zu Armee.
Nur der Sohn mit seinem gebrochenen Bein durfte zu Hause bleiben.

Wir sehen Glück und Unglück oft nur vordergründig, ungenau und falsch. Wir denken – wie die Nachbarn – nur an das Sichtbare und Heutige. Aber die Dinge liegen oft ganz anders und tiefer und in größeren Zusammenhängen. Gott sieht die Ereignisse ganz anders. Er sieht die Hintergründe, die Zusammenhänge und die Auswirkungen. Wichtiger als das Verstehen ist dann das Vertauen!

Quelle Text: Axel Kühner, Überlebensgeschichten S. 237
Quelle Bild: pixabay.de

 

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Die Geschichte zum Mittwoch

Die drei Siebe

Ganz aufgeregt kam einer zum weisen Sokrates gelaufen: „Höre Sokrates, das muss ich dir erzählen, wie dein Freund …“

„Halt ein!“ unterbrach ihn der Weise. „Hast du das, was du mir erzählen willst, durch die drei Siebe gesiebt?“

„3 Siebe?“ fragte der andere verwundert?“

„Ja, drei Siebe. Das erste Sieb ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?“ –

„Nein, ich hörte es erzählen.“

„So, so. Aber sicher hast du es mit dem zweiten Sieb geprüft, es ist die Güte. Ist, was du mir erzählen willst, wenn schon nicht als wahr erwiesen, so doch wenigstens gut?“

„Nein, das ist es nicht, im Gegenteil.“

Der Weise unterbrach ihn: „Lass uns noch das dritte Sieb anwenden und fragen, ob es notwendig ist, mir das zu erzählen, was dich so erregt.“

„Notwendig nun gerade nicht.“

„Also“, lächelte der Weise, „wenn das, was du mir erzählen willst, weder wahr noch gut noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit!“

Quelle Text: Axel Kühner, Überlebensgeschichten S. 122
Quelle Bild: pixabay.de

 

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