Die Geschichte am Mittwoch #22

Der Hund und das Stück Fleisch

Ein großer Hund hatte einem kleinen, schwächlichen Hündchen ein großes, saftiges Stück Fleisch abgejagt. Er lief nun mit seiner Beute davon. Als  er über eine schmale Brücke lief, fiel zufällig sein Blick ins Wasser. Wie vom Blitz getroffen blieb er stehen, denn er sah unter sich einen Hund, der gierig seine Beute festhielt.

„Der kommt mir zur rechten Zeit, sagte der Hund auf der Brücke, „heute habe ich wirklich Glück. Sein Stück Fleische scheint noch größer zu sein als meins.“ Gefräßig stürzte sich der <Hund kopfüber in den Bach und biss nach dem Hund, den er von der Brücke aus gesehen hatte. Das Wasser spritze auf. Er ruderte wild im Bach umher und schaute sich nach allen Seiten um. Aber er konnte  den Hund mit dem noch größeren Stück Fleisch nicht mehr entdecken, er war verschwunden.

Da fiel dem Hund sein soeben erbeutetes, eigenes Stück ein. Und soviel er tauchte und suchte,es war und blieb verschwunden. In seiner Gier war ihm auch noch das Stück Fleisch, das er schon sicher gehabt hatte.

Aesop

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Manche kriegen eben den Hals nicht voll.

Das Fazit ist sehr schön: Vor lauter Gier hatte er dann letztendlich gar nix mehr.

Aber übertragen auf unsere menschliche Welt stimmt das oft dann nicht mehr. Die, die soviel haben und ihre Milliönchen horten, bekommen meist immer mehr.
Wie heißt es so schön: Der Teufel sch…. immer auf den größten Haufen.

Ob sie dann auch glücklicher sind in ihrem Run auf immer mehr, ist dahingestellt.
Denke ich …

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Die Geschichte zum Mittwoch #21

Warum Hund und Katze Feinde sind

Ein Mann und eine Frau besaßen einen goldenen Ring. Es war auch ein Glücksring, und wer ihn besaß, litt niemals Not. Dieser besondere Ring sah aber sehr unscheinbar aus, der Mann und die Frau kannten seine Kräfte nicht und verkauften ihn für wenig Geld.

Kaum aber hatten sie den Ring fortgegeben, als das Unglück begann.

Schließlich waren sie so arm geworden, dass sie nicht mehr wussten, was sie am nächsten Tag essen sollten.

„Seit der Ring fort ist, hat das Glück unser Haus verlassen“ seufzte der Mann.

Es muss ein Glücksring gewesen sein“, sagte die Frau, „hätten wir ihn doch niemals verkauft!“

Und sie sah traurig auf ihre beiden Haustiere, einen Hund und eine Katze, die mit ihnen Hunger leiden mussten.

Hund und Katze aber hatten die Worte der Menschen verstanden.

„Was sollen wir tun?, fragte die Katze.

„Unsere Herrin war immer gut zu uns“, sagte der Hund.

„und wir hatten stets genug zu essen“, schnurrte die Katze.

Die beiden saßen ratlos nebeneinander.

Schließlich sagte der Hund: „Wir wollen den Ring unserem Herrn und unserer Herrin wieder zurück bringen. “

„Aber er liegt wohlverwahrt bei seinem neuen Besitzer, in einem festen Schrank eingeschlossen“, sagte die Katze.

Ich weiß, was wir tun müssen“, meinte der Hund. „Fang du eine Maus und versprich ihr, sie am Leben zu lassen, wenn sie ein Loch in den Schrank nagt und den Ring heraus holt.“

Dieser Rat gefiel der Katze. Sie fing eine Maus, und mit der gefangenen Maus im Maul wanderten Hund und Katze zum neuen Besitzer des goldenen Rings.

Der Weg war weit und sie kamen zu einem großen Fluss. Als die Katze das Wasser sah, setzte sie sich niedergeschlagen ans Ufer, denn sie konnte nicht schwimmen.

Aber der Hund wusste wieder Rat.

„Spring auf meinen Rücken“, befahl er, “ ich will mit dir hinüberschwimmen.“

So geschah es.

Die Katze lief mit der Maus im Maul zum Haus, in dem der Schrank mit dem Ring stand.

„Wenn du nicht willst, dass ich dich fresse“, sagte die Katze zu der Maus, „so nage geschwind ein Loch in die Schranktür und bring mir den Ring, der darin liegt.“

Die Maus nagte eifrig, schlüpfte durch das Loch und kam mit dem Ring wieder heraus. Nun nahm die Katze den Ring ins Maul und lief zurück zum Fluss. Der Hund hatte dort auf sie gewartet, sie sprang auf seinen Rücken, und er trug sie über den Strom.

Vergnügt und fröhlich wanderten sie weiter in Richtung Heimat.

Die Katze war so ungeduldig, dass sie über alle Zäune sprang, über die Dächer kletterte und den Hund weit zurück ließ, der um jedes Haus und um jeden Garten einen Bogen machen musste.

So kam die Katze früher heim als der Hund, lief zu der Herrin und legte ihr den Ring in den Schoß.

„Sieh“, rief die Frau ihrem Mann zu, „unsere Katze hat den Glücksring zurückgebracht! Das gute Tier! Wir wollen ihr immer genug zu fressen geben und sie pflegen wie unser eigenes Kind.“

Nach einiger Zeit kam auch der Hund, müde und staubbedeckt vom weitem Weg.

„Du achtloses Tier!“, rief die Frau. „Wo hast du dich herumgetrieben? Warum hast du der treuen Katze nicht geholfen, die uns den Glücksring zurückgebracht hat?“

Sie schalt und schlug ihn, und die Katze saß beim Herd, schnurrte und sagte kein Wort.

Da wurde der Hund böse auf die Katze, und er vergaß niemals, dass sie ihn um seinen Lohn betrogen hatte.

Seit jener Zeit sind Hund und Katze einander feind.

aus China

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Tja, so sind sie, die Frauen …

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Die Geschichte zum Mittwoch #20

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Der blinde Maulwurf

An einem schönen Abend, an dem  der Mond weiß und rund am Himmel hing, spielten einige Kaninchen auf einer Wiese Blinde Kuh. „Kaninchen und Blinde Kuh! Das ist doch ganz und gar unmöglich!“, wird nun jedermann ausrufen. „Aber warum“, frage ich, „sollte es nicht unmöglich sein?“

Die Kaninchen pflückten ein weiches, langes Blatt, legten es einem Kaninchen in ihrer Gruppe über die Augen und banden es in seinem Nacken fest. Das war im Nu geschehen, und schon hoppelte das Kaninchen mit der Binde über den Augen im Kreis seiner Kameraden. Die anderen tanzten und hüpften um den blinden Gefährten herum und vollführten wahre Wunder an Geschicklichkeit: Sie hüpften von ihm weg, sie hüpften zu ihm, sie zupftem es an den Ohren, sie zupften es an seinem weißen Schwanzbuschel.

Das arme, blinde Kaninchen mochte sich noch so schnell herumdrehen, noch so blitzschnell seine Pfoten ausstrecken, die anderen waren schon wieder fort, und nichts als Luft fing es in seinen Pfoten.

Es hätte sicherlich bis zum Morgen niemanden gefangen, wen nicht ein dummer Maulwurf in seiner Erdwohnung den Lärm gehört hätte.

Der Maulwurf steckte seinen Kopf aus seinem Loch, kroch heraus und spielte mit. Im nächsten Augenblick war er schon gefangen, blind und langsam und tollpatschig, wie er war.

„Freunde“, sagten da die Kaninchen, „es wäre nicht nett von uns, wenn wir unserem Bruder die Augen verbinden würden. Er kann nicht sehen, wir wollen ihn wieder frei lassen.“

„Auf keinem Fall“, rief da der Maulwurf ärgerlich. „Ich bin nach den Regeln des Spiels gefangen worden. Legt mir die Binde über die Augen!“

Nur zu gern, mein Lieber“, war die Antwort, aber es wird nicht nötig sein, den Knoten fest zu binden.“

„Entschuldigen Sie, meine Herren“, antwortete der Maulwurf aufgebracht. „Bindet den Knoten fester – ich  kann noch sehen! Fester meine Herren, ich kann immer noch sehen, fester!“

Florian

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Als ich diese Geschichte gelesen hatte, habe ich ganz verdutzt das Buch hin und her gewendet, geschaut, ob ich nicht eine Seite übersehen habe.
Nö.
Die Geschichte ist hier zu Ende.

Nun schaue ich aber ganz schön doof aus meiner Wäsche.
Was soll jetzt die Moral der Geschichte sein?

Zuerst dachte ich, der arme Maulwurf will nur gleichberechtigt am Spiel teilnehmen.
Jetzt sind ja solche Modewörter wie Inklusion oder Teilhabe in unserem Sprachgebrauch, aber davon konnte ja der Herr Florian noch nix gewusst haben.
(Hab nachgeschaut, er lebte 1755-1788)

Ich weiß nicht, woran es jetzt liegt, an meinem verschnupften Kopf, an der mangelnden Konzentration in Folge der Depression, meines fortgeschrittenen Alters oder einfach nur, weil ich zu blöd bin.

Aber vielleicht weiß ja jemand, wie nun die Moral der Geschichte ist?
Ich fände es super, wenn wir das in den Kommentaren aufgedröslt bekämen.

 

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Die Geschichte zum Mittwoch

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Der Mäuserich als Freier

Einst hielt sich ein junger Mäuseherr für schöner und klüger als seine ganze Verwandschaft. Er beschloss daher, auf keinen Fall eine Maus in sein Nest zu führen, sondern nur die Tochter des mächtigsten  Wesen auf der Erde.

„Gewiss gibt es niemand, der stärker als die Sonne ist“, dachte der Mäuseherr, und so ging er zur Sonne und bat sie um ihre Tochter.

Aber die Sonne antwortete ihm: „Geh nur weiter, und du wirst jemand finden, der stärker ist als ich.“

„Wer könnte das sein?“, staunte der Mäuserich.

„Die Wolke“, antwortete die Sonne. „Wenn mich die Sonne verhüllt, so nützt mir mein Licht nichts, und es bleibt auf der Erde düster.“

Der Mäuserich ging daher zur Wolke und sagte: „Da du so gewaltig bist, dass selbst die Sonne nur scheinen kann, wenn du sie nicht verhüllst, so bitte ich dich, gib mir deine Tochter zur Frau, denn ich will nur die Tochter des mächtigsten Wesens auf der Erde als meine als meine Gattin heimführen-“

„Geh weiter“ riet ihm die Wolke, „denn es gibt jemand, der mächtiger ist als ich.“

Wieder staunt der Mäuserich: „Wer könnte das sein, starke Wolke?“

„Der Wind“, flüsterte die Wolke, „er nimmt mich mit seinen gewaltigen Armen und trägt mich, wohin er will.“

„Dann“, sagte der Mäuserich, „will ich zum Wind gehen.“

Der Mäuseherr ging also zum Wind.

„Die Wolke hat mich belehrt“, sagte er, „dass du das gewaltigste Wesen auf der Erde bist. Du trägst sie, wohin du willst, zerstörst und zerteilst sie ganz nach deinem Willen.“

Der Wind war gerade von einer Reise rund um die Erde zurückgekehrt. Er hatte die Meereswellen haushoch getürmt, er hatte die hohen Bäume des Waldes geschüttelt und ein paar entwurzelt, er hatte Dächer abgetragen und die Wäsche von den Leinen der Bauersfrauen gerissen. Aber als er gerade am allerübermütigsten getobt hatte, war er auf einen alten Turm gestoßen, dem er bei besten Willen auch nicht das kleinste Steinchen aus der Mauer hatte reißen können, so fest war dieser Turm gefügt.

„Du irrst dich!“, brauste er daher auf, als ihn der Mäuserich als den Mächtigsten der Erde bezeichnete „Hier erhältst du keine Frau! Sieh hinunter auf diesen alten Turm. Er ist stärker als ich. Er stellt sich unbekümmert meiner Gewalt entgegen. Er wankt nicht und steht da, als ob es mich gar nicht gäbe.“

Der Mäuserich antwortete flink: „Von deiner Tochter will ich nichts mehr wissen. Ich muss die Tochter des mächtigsten Wesens erhalten, und das scheint mir dieser Turm zu sein.“

Er wandte sich also an den Turm und bat ihn um seine Tochter. Der Turm schaute prüfend von oben bis unten an und ächzte dann: „Du bist fehlgegangen!  Es gibt jemand, der stärker ist als ich, er wird mich noch zu Fall bringen, und ich bin machtlos gegen ihn.“

Wer könnte das sein?“, fragte der Mäuserich überaus erstaunt.

„Das ist“, antwortete der Turm, „die Maus!“

„Jetzt willst du mich wohl verspotten?!“, rief der Mäuserich zornig.

„Keineswegs“, erwiderte der Turm ernst. „Tritt zu mir und sieh selbst! Eine Maus hat unter mir ihr Nest. Mein Mauerwerk ist nicht stark genug, sie aufzuhalten. Sie gräbt unter mir und frisst sich durch mich hindurch, und ich, der große Turm, bin hilflos dieser Maus gegenüber.“

„Das sind schlimme Neuigkeiten“, sagte der Mäuserich. „Die Maus ist ja meine  Verwandte!“

Und der Mäuserich wurde außerordentlich traurig und niedergeschlagen, als er sah, dass ihn seine Suche zurück in den Kreis seiner Familie geführt hatte.

„Ich wollte höher steigen, und nun muss ich zu meiner Art zurückkehren“, sagte er betrübt.

„Das ist dein Schicksal“; antwortete der Turm und fuhr tröstend fort: „Geh heim und lerne, jene nicht zu verachten, zu denen du gehörst. Du wirst nie eine Frau finden, die besser zu dir passt als eine kleine Maus!“

 

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Was soll man dazu sagen? Schuster bleib bei deinem Leisten …

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Die Geschichte zum Mittwoch

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Der Hirtenjunge und der Wolf

Es war einmal ein Hirtenjunge, der hütete jeden Tag eine Schafherde. Jeden Morgen holte er die Tiere von ihren Besitzern ab und trieb sie in die Berge, wo die Schafe frisches Gras fressen sollten. Und an jeden Abend brachte der Junge die Schafe wieder zurück ins Dorf. Doch manchmal langweilte sich der Hirtenjunge, weil er den ganzen langen Tag nichts anderes sah, als nur Schafe.

Daher wollte er sich einmal einen Spaß erlauben und rief: „Der Wolf! Der Wolf! Der Wolf will sich ein Schaf holen!“

Da kamen die Leute mit ihren Mistgabeln und Dreschflegeln aus dem Dorf gelaufen, um dem Wolf zu verjagen. Doch es war gar kein Wolf da! Der Hirtenjunge musste über seinen Streich und die verdutzten  Gesichter der Bauern herzlich lachen. Die Bauern fanden es nicht lustig.

Dem Jungen gefiel sein Streich so gut, dass er ihn nach einigen Tagen wiederholte. Und wieder rief er: „Der Wolf! Der Wolf will sich ein Schaf holen!“

Wieder kamen alle Bewohner des Dorfes gerannt, um den Wolf zu verscheuchen, doch es war kein Wolf zu sehen.

Eines Abends, als sich der Hirtenjunge mit den Schafen auf den Heimweg  machen wollte, kam wirklich ein Wolf.

Der Junge schrie voller Angst: „Der Wolf! Der Wolf will eines der Schafe holen!“ Doch diesmal kam nicht ein einziger Bauer, um ihm zu helfen. Und so trieb der Wolf die Schafe in die Berge und fraß sie alle auf. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht!

Aesop

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Tja, das ist dann wohl selbstredend und braucht meinen Senf dazu nicht, auch wenn ich dazu viele Beispiele aus meinen ach so langen Leben dazu fügen könnte. Wenn das Vertrauen weg ist, isses weg.

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Die Geschichte zum Mittwoch #17

Ameisendank

An einem heißen Sommertag eilte eine durstige Ameise zu einem Brunnen und krabbelte eilig über die Randsteine. Als sie aber das Wasser erreichte und trinken  wollte, verlor sie das Gleichgewicht und stürzte kopfüber in den Brunnen hinein. Sie strampelte verzweifelt mit den Beinen, aber da brachte sie dem Randstein nicht näher.

Der Brunnen wurde von einem hohen Baum überschattet, in dem eine Taube saß. Sie sah die Ameise sich vergeblich im Wasser abmühen, brach mit ihrem Schnabel einen dünnen Zweig ab und warf ihn der Ameise im Wasser zu. Die Ameise krabbelte auf den Zweig, vom Zweig auf den Brunnenrand und von dort mühelos aus den Brunnen heraus.

Die Taube steckte den Kopf unter die Flügel, um weiter in der Hitze zu dösen, und sah nicht, dass ein Vogelfänger zum Brunnen kam. Der Vogelfänger entdeckte die Taube oben im Baum, steckte seine Kleberute an einen lange Stange und wollte sie fangen. Als die Ameise das bemerkte, biss sie den Vogelfänger in den nackten Fuß. Der Vogelfänger zuckte zusammen, und die Stange fiel klappernd aus seiner Hand auf die Brunnensteine. Der Lärm weckte die Taube auf, sie breitete schnell die Flügel aus und flog davon.

So rettete zuerst die Taube der Ameise das Leben, und dann bewahrte die Ameise die Taube vor dem Tod. Und diese Geschichte erzählt man sich, damit der Mensch, der vernünftiger ist als die Tiere, nie vergessen möge, Gutes mit Gutem zu vergelten.

Heinrich Steinhoed

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Und sofort schoss mir mein Lieblingsthema wieder in den Kopf: Das Dankesagen.

Wie oft sagen wir danke für etwas?
Ja gut, wenn wir etwas geschenkt bekommen oder jemand etwas außergewöhnliches für uns tut.
Aber oftmals auch nicht mal da, weil wir meinen, der andere müsse das für uns tun, das wäre doch seine Pflicht.
Oder weil er ja dafür bezahlt wird.

In diesem Zusammenhang fällt mir die Geschichte aus der Bibel ein, wo Jesus 10 Samaritern (also die, die die Juden nicht mögen) half gesund zu werden.
Aber nur ein einziger kam zurück und bedankte sich.
Vielleicht weil die anderen es für selbstverständlich hielten?

Und wir?
Halten wir auch alles für selbstverständlich, was Gott für uns tut?
Wir meckern doch nur, wenn wir denken, Gott müsste doch endlich hier und da mal eingreifen.

Nee, muss er nicht.
Er ist der Souverän, er muss schon mal gar nicht und auch uns keine Rechenschaft ablegen, wann er was zu welcher Zeit den zu tun gedenkt.
Er ist Gott.
Nicht wir.
Wir haben im Vergleich nur den Verstand einer Ameise, um die Geschichte hier wieder zum Anfang zu bringen.

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Die Geschichte zum Mittwoch #16

Der Rat des Esels

Es war einmal ein Bauer, der große Viehherden und fruchtbare Felder und Weiden besaß. Aber er war nicht nur reich, er war auch klug und gebildet und verstand die Sprache der Tiere und Vögel.

In einem seiner Ställe hielt er einen Ochsen und einen Esel. Jeden Tag am Abend kam der Ochse müde und hungrig vom Feld heim in den Stall. Der Stall war sauber und rein, die Tränke mit Wasser gefüllt, in der Krippe lagen Stroh und Körner, und vor der Krippe faulenzte der Esel (denn sein Herr ritt nur selten auf ihn aus).

Eines Tages hörte der Bauer zufällig, wie der Ochse zum Esel sprach: „Wie glücklich bist du! Ich muss mich plagen und mühen und bin von der schweren Arbeit schon ganz erschöpft, du aber darfst hier im Stall liegen und dich ausruhen.Du kannst Körner und Stroh fressen, so viel du willst, und nur manchmal musst du dafür unseren Herrn tragen. Dir fehlt wahrhaft nichts! Sieh mich dagegen an! Mein Leben besteht aus einer endlosen Plackerei vor dem Pflug und vor den Mühlsteinen!“

Der Esel antwortete: „Wenn sie dich morgen auf das Feld hinausführen und das Joch auf den Nacken legen wollen, so stell dich krank und lass dich auf den Boden niederfallen. Steh nicht auf, auch wenn sie dich schlagen. Rühr kein Futter an! Faste einen Tag oder zwei, du wirst sehen, dass man dich nicht vor den Pflug schirrt und dich nicht hu den Mühlsteinen führt.“

Der Bauer aber hatte alles mit angehört, was Ochs und Esel besprachen.

Kurz darauf kam der Knecht und brachte den Tieren Futter, aber der Ochse fraß kaum ein Maul voll Körner.

Am nächsten Morgen, als der Knecht den Ochsen auf das Feld führen wollte, blieb der Ochse neben der Krippe auf den Boden liegen, ließ sich nicht bewegen, aufzustehen, brüllt kläglich und stellte sich schwach und entkräftet.

Schließlich ging der Knecht zum seinem Herrn und meldete ihm, dass der Ochse krank geworden sei.

Der Bauer befahl dem Knecht: „Führe den Esel auf das Feld und spanne ihn statt des Ochsen vor den Pflug.“

Nach einem mühseligen Arbeitstag kam der Esel in den Stall zurück, und der Ochse dankte ihn für den guten Rat, den er ihm gegeben hatte. Der Esel aber antwortete nicht und musste seine Unüberlegtheit bitter bereuen.

Am nächsten Morgen führte der Knecht den Esel wieder hinaus aufs Feld.

Vom Morgen bis zum Abend, selbst in der Hitze des Mittags musste der Esel den Pflug ziehen, und als er endlich in den Stall zurückkehren durfte, war er jämmerlich anzusehen. Sein glattes Fell war struppig und staubig und sein Nacken wund gerieben vom schweren Joch.

Im Stall aber erwartete ihn der Ochse, ausgeruht und in bester Laune dankte  er ihm wie am Vortag herzlich für den guten Rat und pries die Klugheit des Esels.

„Hätte ich nur meine Weisheit für mich behalten!“, dachte der Esel.

Aber dann wandte er sich wieder an den Ochsen und sagte: „Gerade hörte ich – zu deinem Glück! -, wie unser Herr zu seinen Dienern sagte: >Wenn dieser Ochse  nicht bald gesund und kräftig wird, so bringt ihn zum Schlachthaus, dann taugt er nicht für die Arbeit.< Ich bin“, für der Esel fort, als er sah, wie der Ochse erschrak, „besorgt um dich. Ich möchte nicht, dass dir etwas Böses geschieht. Der Friede sei mit dir, du bist mein Freund!“

Der Ochse sprang sofort auf, dankte dem Esel und rief: „Morgen werde ich nur zu gerne wieder auf das Feld gehen!“

Er fraß sein ganzes Futter und leckte sorgsam auch das letzte Körnchen aus der Krippe.

Gleich nach Sonnenaufgang kam am nächsten Tag der Bauer mit seiner Frau zum Stall, um nach dem Ochsen zu sehen. Der Knecht führte den Ochsen heraus.

Kaum sah der Ochse seinen Herrn, sprang und hüpfte er herum wie ein ausgelassenes junges Füllen, um seine Gesundheit zu zeigen.

Der Bauer, seine Frau und der Knecht aber lachten so sehr, dass ihnen die Tränen über die Wangen liefen.

aus Tausendundeiner Nacht

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Die Moral der Geschichte?

Im Netz habe ich dazu einen einzigen Satz gefunden:
„Wenn du einem Freund helfen willst, dann tu es so, dass du dir die Last deines Freundes nicht selbst aufhalst.“

Und das verstehe ich nun überhaupt nicht.
Wenn Esel und Ochse wirklich Freunde gewesen wären, hätte der Esel nicht den Ochsen nicht dazu angestiftet, die Krankheit zu simulieren, zu lügen.

Ich würde einer Freundin nie dazu raten, jemand anderes zu betrügen.
Oder ich bin einfach nur so.
Kann auch sein.

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Geschichte zum Mittwoch #15

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Der Löwe und die Maus

Ein Löwe lag im Schatten eines Baumes und schlief-Einige Mäuse liefen  neugierig zu ihm hin, und weil sich das schlafende, mächtige Tier nicht bewegte, hüpfte ein der Mäuse zwischen seiner Pranken.Da wurden auch die anderen mutig, und bald tanzten alle Mäuse auf dem schlafenden König der Tiere herum.

Die tanzenden Mäuse auf seinem Körper aber weckten den Löwen auf, er schüttelte sich unwillig und fing eine von ihnen mit seiner Pranke. Es war jene Maus, die sich als erste zu ihm gewagt hatte.

Nun, unter der gewaltigen Pranke des Löwen zitterte die Maus wohl vor Furcht, versuchte aber, es nicht zu zeigen, und rief: „Ich bitte dich, schone mein Leben! Ich will es dir mit einem Gegendienst vergelten.“

Der Löwe hob verdutzt seine Pranke und musste wider Willen über die dreiste Rede des kleinen Tierchens lachen und ließ es laufen.

Einige Zeit später geriet der Löwe in eine Falle. Es war aber nicht fern jener Stelle, wo die Maus in ihrem Erdloch lebte. Als sie den Löwen hilflos in den Netzen der Jäger sah, lief sie zu ihm und nagte mit ihren spitzen Zähnen eine Schlinge entzwei. Dadurch lösten sich die anderen Knoten, und der Löwe konnte das Netz zerreißen und war wieder frei.

Aesop

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Huch, soll heißen, auch eine kleine Maus kann eine große Hilfe sein oder: keiner ist so gering, dass er nicht auch einmal einem Mächtigen zu helfen vermag.

Na, da bin ich mal gespannt, wann Herr Trump und Frau Merkel an meiner Tür klingeln 😉

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Die Geschichte zum Mittwoch #14

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Der Wolf und das kleine Lamm

Ein Wolf  und ein kleines Lamm kamen einmal zur gleichen Zeit an einem Bach und tranken. Der Wolf trank  weiter oben, das Lamm weiter unten. Als der Wolf das weiß flockige Lamm erblickte, hörte er auf zu trinken, lief zu ihm und sprach: „Warum trübst du mir das Wasser, dass ich nicht trinken kann?“

Das Lämmlein antwortete: „Wie kann ich dir das Wasser trüben? Du trinkst doch weiter oben. Viel eher könnte ich sagen, dass du mir das Wasser trübst.“

Der Wolf rief: „Wie? Du trübst mir das Wasser und fluchst und gibst mir noch dazu böse Worte!“

Das kleine Lamm entgegnete friedlich: „Ich fluche nicht.“

Der Wolf zeigte aber zornig seine Zähne und grollte: „Vor sechs Monaten  fluchte mir dein Vater, und nun tust du es! Du bist ganz wie dein Vater.“

„Wie kann ich etwas an Schuld tragen, dass mein Vater vor sechs Monaten getan hat“, verteidigte sich das Lamm, „damals war ich ja noch nicht geboren.“

Der Wolf aber, der entschlossen war, das kleine Lamm zu fressen, redete sich immer mehr in Wut: „Du bist es, der mir Wiesen und Äcker abgenagt und verdorben hat!“

„Wie ist das möglich“, sagte das Lamm, „ich habe doch noch keine Zähne!“

„Ha“, knurrte der Wolf und duckte sich, „finde nur so viele Ausreden, als du magst, es hilft dir nichts! Ich werde dich noch heute fressen!“

Und er sprang das unschuldige Lamm an und tötete es, um es zu fressen.

Martin Luther

 

                                

 

Die Moral der Geschichte: Der Mächtige hat immer Recht? Oder: Der Mächtige kann sein böses Vorhaben immer irgendwie rechtfertigen?

Habe auch was Wissenschaftliches gefunden: Dissonanzvorbeugung.  Der Wolf beugt einem schlechten Gewissen vor.

Aha.

Ein bisschen erinnert mich das an meine Vergangenheit:

„Du bist schuld, wenn ich mein Leben nicht so leben kann, wie ich möchte. Du bist schuld, weil du nicht den ganzen Tag durchhältst und dich mittags hinlegen musst. Du bist schuld … Und deshalb werde ich wütend, deshalb tobe ich rum, deshalb verletze ich … Ich kann nichts dafür, du bist schuld“

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Die Geschichte zum Mittwoch #13

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Der Rabe auf dem Baum

Ein Rabe saß auf einem Baum und hielt im Schnabel einen Käse, den er in aller Ruhe verzehren wollte.

Da kam ein Fuchs sah er, der vom Geruch des Käses angelockt worden war.

„Guten Tag, verehrter Herr Rabe!“, rief der Fuchs. „Wie wunderbar Sie aussehen! Wenn Ihr Gesang ebenso schön ist wie Ihr Gefieder, dann sind Sie der Größte von allen hier im Wald!“

Das schmeichelte den Raben, und das Herz schlug ihm vor Freude höher. Um nun auch seine schöne Stimme zu zeigen, machte er den Schnabel weit auf – da fiel der Käse herunter.

Der Fuchs schnappte ihn auf und sagte:“Mein guter Mann, nun haben Sie es selbst erfahren: Ein Schmeichler auf Kosten dessen, der ihn anhört – diese Lehre ist wohl diesen Käse wert.“

Der Rabe war bestürzt und beschämt und schwor, dass ihm so etwas nie wieder vorkommen würde.

Jean de La Fontaine

                                

Und die Moral der Geschichte: Fall nicht auf irgendwelche idiotische Schmeichler rein. Es lohn sich nicht. Nie. Scheint der Rabe auch begriffen zu haben.

 

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