Die Geschichte zum Mittwoch #17

Ameisendank

An einem heißen Sommertag eilte eine durstige Ameise zu einem Brunnen und krabbelte eilig über die Randsteine. Als sie aber das Wasser erreichte und trinken  wollte, verlor sie das Gleichgewicht und stürzte kopfüber in den Brunnen hinein. Sie strampelte verzweifelt mit den Beinen, aber da brachte sie dem Randstein nicht näher.

Der Brunnen wurde von einem hohen Baum überschattet, in dem eine Taube saß. Sie sah die Ameise sich vergeblich im Wasser abmühen, brach mit ihrem Schnabel einen dünnen Zweig ab und warf ihn der Ameise im Wasser zu. Die Ameise krabbelte auf den Zweig, vom Zweig auf den Brunnenrand und von dort mühelos aus den Brunnen heraus.

Die Taube steckte den Kopf unter die Flügel, um weiter in der Hitze zu dösen, und sah nicht, dass ein Vogelfänger zum Brunnen kam. Der Vogelfänger entdeckte die Taube oben im Baum, steckte seine Kleberute an einen lange Stange und wollte sie fangen. Als die Ameise das bemerkte, biss sie den Vogelfänger in den nackten Fuß. Der Vogelfänger zuckte zusammen, und die Stange fiel klappernd aus seiner Hand auf die Brunnensteine. Der Lärm weckte die Taube auf, sie breitete schnell die Flügel aus und flog davon.

So rettete zuerst die Taube der Ameise das Leben, und dann bewahrte die Ameise die Taube vor dem Tod. Und diese Geschichte erzählt man sich, damit der Mensch, der vernünftiger ist als die Tiere, nie vergessen möge, Gutes mit Gutem zu vergelten.

Heinrich Steinhoed

*     *     *     *     *

Und sofort schoss mir mein Lieblingsthema wieder in den Kopf: Das Dankesagen.

Wie oft sagen wir danke für etwas?
Ja gut, wenn wir etwas geschenkt bekommen oder jemand etwas außergewöhnliches für uns tut.
Aber oftmals auch nicht mal da, weil wir meinen, der andere müsse das für uns tun, das wäre doch seine Pflicht.
Oder weil er ja dafür bezahlt wird.

In diesem Zusammenhang fällt mir die Geschichte aus der Bibel ein, wo Jesus 10 Samaritern (also die, die die Juden nicht mögen) half gesund zu werden.
Aber nur ein einziger kam zurück und bedankte sich.
Vielleicht weil die anderen es für selbstverständlich hielten?

Und wir?
Halten wir auch alles für selbstverständlich, was Gott für uns tut?
Wir meckern doch nur, wenn wir denken, Gott müsste doch endlich hier und da mal eingreifen.

Nee, muss er nicht.
Er ist der Souverän, er muss schon mal gar nicht und auch uns keine Rechenschaft ablegen, wann er was zu welcher Zeit den zu tun gedenkt.
Er ist Gott.
Nicht wir.
Wir haben im Vergleich nur den Verstand einer Ameise, um die Geschichte hier wieder zum Anfang zu bringen.

*     *     *     *     *

 


Die Geschichte zum Mittwoch #16

Der Rat des Esels

Es war einmal ein Bauer, der große Viehherden und fruchtbare Felder und Weiden besaß. Aber er war nicht nur reich, er war auch klug und gebildet und verstand die Sprache der Tiere und Vögel.

In einem seiner Ställe hielt er einen Ochsen und einen Esel. Jeden Tag am Abend kam der Ochse müde und hungrig vom Feld heim in den Stall. Der Stall war sauber und rein, die Tränke mit Wasser gefüllt, in der Krippe lagen Stroh und Körner, und vor der Krippe faulenzte der Esel (denn sein Herr ritt nur selten auf ihn aus).

Eines Tages hörte der Bauer zufällig, wie der Ochse zum Esel sprach: „Wie glücklich bist du! Ich muss mich plagen und mühen und bin von der schweren Arbeit schon ganz erschöpft, du aber darfst hier im Stall liegen und dich ausruhen.Du kannst Körner und Stroh fressen, so viel du willst, und nur manchmal musst du dafür unseren Herrn tragen. Dir fehlt wahrhaft nichts! Sieh mich dagegen an! Mein Leben besteht aus einer endlosen Plackerei vor dem Pflug und vor den Mühlsteinen!“

Der Esel antwortete: „Wenn sie dich morgen auf das Feld hinausführen und das Joch auf den Nacken legen wollen, so stell dich krank und lass dich auf den Boden niederfallen. Steh nicht auf, auch wenn sie dich schlagen. Rühr kein Futter an! Faste einen Tag oder zwei, du wirst sehen, dass man dich nicht vor den Pflug schirrt und dich nicht hu den Mühlsteinen führt.“

Der Bauer aber hatte alles mit angehört, was Ochs und Esel besprachen.

Kurz darauf kam der Knecht und brachte den Tieren Futter, aber der Ochse fraß kaum ein Maul voll Körner.

Am nächsten Morgen, als der Knecht den Ochsen auf das Feld führen wollte, blieb der Ochse neben der Krippe auf den Boden liegen, ließ sich nicht bewegen, aufzustehen, brüllt kläglich und stellte sich schwach und entkräftet.

Schließlich ging der Knecht zum seinem Herrn und meldete ihm, dass der Ochse krank geworden sei.

Der Bauer befahl dem Knecht: „Führe den Esel auf das Feld und spanne ihn statt des Ochsen vor den Pflug.“

Nach einem mühseligen Arbeitstag kam der Esel in den Stall zurück, und der Ochse dankte ihn für den guten Rat, den er ihm gegeben hatte. Der Esel aber antwortete nicht und musste seine Unüberlegtheit bitter bereuen.

Am nächsten Morgen führte der Knecht den Esel wieder hinaus aufs Feld.

Vom Morgen bis zum Abend, selbst in der Hitze des Mittags musste der Esel den Pflug ziehen, und als er endlich in den Stall zurückkehren durfte, war er jämmerlich anzusehen. Sein glattes Fell war struppig und staubig und sein Nacken wund gerieben vom schweren Joch.

Im Stall aber erwartete ihn der Ochse, ausgeruht und in bester Laune dankte  er ihm wie am Vortag herzlich für den guten Rat und pries die Klugheit des Esels.

„Hätte ich nur meine Weisheit für mich behalten!“, dachte der Esel.

Aber dann wandte er sich wieder an den Ochsen und sagte: „Gerade hörte ich – zu deinem Glück! -, wie unser Herr zu seinen Dienern sagte: >Wenn dieser Ochse  nicht bald gesund und kräftig wird, so bringt ihn zum Schlachthaus, dann taugt er nicht für die Arbeit.< Ich bin“, für der Esel fort, als er sah, wie der Ochse erschrak, „besorgt um dich. Ich möchte nicht, dass dir etwas Böses geschieht. Der Friede sei mit dir, du bist mein Freund!“

Der Ochse sprang sofort auf, dankte dem Esel und rief: „Morgen werde ich nur zu gerne wieder auf das Feld gehen!“

Er fraß sein ganzes Futter und leckte sorgsam auch das letzte Körnchen aus der Krippe.

Gleich nach Sonnenaufgang kam am nächsten Tag der Bauer mit seiner Frau zum Stall, um nach dem Ochsen zu sehen. Der Knecht führte den Ochsen heraus.

Kaum sah der Ochse seinen Herrn, sprang und hüpfte er herum wie ein ausgelassenes junges Füllen, um seine Gesundheit zu zeigen.

Der Bauer, seine Frau und der Knecht aber lachten so sehr, dass ihnen die Tränen über die Wangen liefen.

aus Tausendundeiner Nacht

*     *     *     *     *

Die Moral der Geschichte?

Im Netz habe ich dazu einen einzigen Satz gefunden:
„Wenn du einem Freund helfen willst, dann tu es so, dass du dir die Last deines Freundes nicht selbst aufhalst.“

Und das verstehe ich nun überhaupt nicht.
Wenn Esel und Ochse wirklich Freunde gewesen wären, hätte der Esel nicht den Ochsen nicht dazu angestiftet, die Krankheit zu simulieren, zu lügen.

Ich würde einer Freundin nie dazu raten, jemand anderes zu betrügen.
Oder ich bin einfach nur so.
Kann auch sein.

*     *     *     *     *

 

 

Geschichte zum Mittwoch #15

pixabay.com

Der Löwe und die Maus

Ein Löwe lag im Schatten eines Baumes und schlief-Einige Mäuse liefen  neugierig zu ihm hin, und weil sich das schlafende, mächtige Tier nicht bewegte, hüpfte ein der Mäuse zwischen seiner Pranken.Da wurden auch die anderen mutig, und bald tanzten alle Mäuse auf dem schlafenden König der Tiere herum.

Die tanzenden Mäuse auf seinem Körper aber weckten den Löwen auf, er schüttelte sich unwillig und fing eine von ihnen mit seiner Pranke. Es war jene Maus, die sich als erste zu ihm gewagt hatte.

Nun, unter der gewaltigen Pranke des Löwen zitterte die Maus wohl vor Furcht, versuchte aber, es nicht zu zeigen, und rief: „Ich bitte dich, schone mein Leben! Ich will es dir mit einem Gegendienst vergelten.“

Der Löwe hob verdutzt seine Pranke und musste wider Willen über die dreiste Rede des kleinen Tierchens lachen und ließ es laufen.

Einige Zeit später geriet der Löwe in eine Falle. Es war aber nicht fern jener Stelle, wo die Maus in ihrem Erdloch lebte. Als sie den Löwen hilflos in den Netzen der Jäger sah, lief sie zu ihm und nagte mit ihren spitzen Zähnen eine Schlinge entzwei. Dadurch lösten sich die anderen Knoten, und der Löwe konnte das Netz zerreißen und war wieder frei.

Aesop

*     *     *      *     *

Huch, soll heißen, auch eine kleine Maus kann eine große Hilfe sein oder: keiner ist so gering, dass er nicht auch einmal einem Mächtigen zu helfen vermag.

Na, da bin ich mal gespannt, wann Herr Trump und Frau Merkel an meiner Tür klingeln 😉

*     *     *     *     *

 

Die Geschichte zum Mittwoch #14

pixabay.com

Der Wolf und das kleine Lamm

Ein Wolf  und ein kleines Lamm kamen einmal zur gleichen Zeit an einem Bach und tranken. Der Wolf trank  weiter oben, das Lamm weiter unten. Als der Wolf das weiß flockige Lamm erblickte, hörte er auf zu trinken, lief zu ihm und sprach: „Warum trübst du mir das Wasser, dass ich nicht trinken kann?“

Das Lämmlein antwortete: „Wie kann ich dir das Wasser trüben? Du trinkst doch weiter oben. Viel eher könnte ich sagen, dass du mir das Wasser trübst.“

Der Wolf rief: „Wie? Du trübst mir das Wasser und fluchst und gibst mir noch dazu böse Worte!“

Das kleine Lamm entgegnete friedlich: „Ich fluche nicht.“

Der Wolf zeigte aber zornig seine Zähne und grollte: „Vor sechs Monaten  fluchte mir dein Vater, und nun tust du es! Du bist ganz wie dein Vater.“

„Wie kann ich etwas an Schuld tragen, dass mein Vater vor sechs Monaten getan hat“, verteidigte sich das Lamm, „damals war ich ja noch nicht geboren.“

Der Wolf aber, der entschlossen war, das kleine Lamm zu fressen, redete sich immer mehr in Wut: „Du bist es, der mir Wiesen und Äcker abgenagt und verdorben hat!“

„Wie ist das möglich“, sagte das Lamm, „ich habe doch noch keine Zähne!“

„Ha“, knurrte der Wolf und duckte sich, „finde nur so viele Ausreden, als du magst, es hilft dir nichts! Ich werde dich noch heute fressen!“

Und er sprang das unschuldige Lamm an und tötete es, um es zu fressen.

Martin Luther

 

                                

 

Die Moral der Geschichte: Der Mächtige hat immer Recht? Oder: Der Mächtige kann sein böses Vorhaben immer irgendwie rechtfertigen?

Habe auch was Wissenschaftliches gefunden: Dissonanzvorbeugung.  Der Wolf beugt einem schlechten Gewissen vor.

Aha.

Ein bisschen erinnert mich das an meine Vergangenheit:

„Du bist schuld, wenn ich mein Leben nicht so leben kann, wie ich möchte. Du bist schuld, weil du nicht den ganzen Tag durchhältst und dich mittags hinlegen musst. Du bist schuld … Und deshalb werde ich wütend, deshalb tobe ich rum, deshalb verletze ich … Ich kann nichts dafür, du bist schuld“

*     *     *     *     *

Die Geschichte zum Mittwoch #13

pixabay

Der Rabe auf dem Baum

Ein Rabe saß auf einem Baum und hielt im Schnabel einen Käse, den er in aller Ruhe verzehren wollte.

Da kam ein Fuchs sah er, der vom Geruch des Käses angelockt worden war.

„Guten Tag, verehrter Herr Rabe!“, rief der Fuchs. „Wie wunderbar Sie aussehen! Wenn Ihr Gesang ebenso schön ist wie Ihr Gefieder, dann sind Sie der Größte von allen hier im Wald!“

Das schmeichelte den Raben, und das Herz schlug ihm vor Freude höher. Um nun auch seine schöne Stimme zu zeigen, machte er den Schnabel weit auf – da fiel der Käse herunter.

Der Fuchs schnappte ihn auf und sagte:“Mein guter Mann, nun haben Sie es selbst erfahren: Ein Schmeichler auf Kosten dessen, der ihn anhört – diese Lehre ist wohl diesen Käse wert.“

Der Rabe war bestürzt und beschämt und schwor, dass ihm so etwas nie wieder vorkommen würde.

Jean de La Fontaine

                                

Und die Moral der Geschichte: Fall nicht auf irgendwelche idiotische Schmeichler rein. Es lohn sich nicht. Nie. Scheint der Rabe auch begriffen zu haben.

 

Die Geschichte zum Mittwoch #12

pixabay.com

Der aufgeblasene Frosch

Ein Frosch hockte mitten in einer Schar kleiner Frösche im Sumpf und sah zu, wie sie im moorigen Wasser herumplanschten und spielten. Da entdeckte er am Rand des Sumpfes einen Ochsen, der gemächlich die saftigen Sumpfpflanzen abfraß.  Der Ochse war groß und fett und stark.

„Warum bin ich nicht so groß wie er?“, fragte sich der Frosch, und es kränkte ihn, dass er kleiner war.

„Aber ich kann mich aufblasen“, sagte er, „und dann werde ich gewiss so groß sein wie er.“

Er blies sich auf, so viel er konnte, und rief den kleinen Fröschen zu: „Bin ich nun so groß wie der Ochse?“

„Nein“, quakten die kleinen Frösche.Der Frosch blies sich noch mehr auf und fragte wieder: „Bin ich jetzt so groß?“

Noch immer nicht“, antworteten die kleinen Frösche.

Nun dachte der Frosch, dass nicht mehr viel fehlen könne, und blähte sich mit letzter Kraft noch mehr auf – und noch mehr auf – und da zerplatzte er!

Aesop

                                

 

Und die Moral von der Geschichte: „Übertreiben lohnt sich nicht! Übermut tut selten gut und Zufriedenheit ist das größere Gut!“

Gut, tangiert mich auch nicht, ich bin eher die kleine graue Maus als der aufgeblasene Frosch.

 

 

Die Geschichte zum Mittwoch #11

pixabay,com

Die Fahrt in den Brunnen

In der Nähe eines Dorfes, am Rande eines großen Waldes, stand ein Brunnen. Zwei Eimer hingen an einem Seil, das über eine Rolle lief. Die Dorfbewohner ließen den leeren Eimer in den Brunnen hinab, und wenn er sich gefüllt hatte, zogen sie ihn herauf, während der andere Eimer in den Brunnen sank.

An einem Morgen kam ein Fuchs zu dem Brunnen, sah den vollen Eimer oben hängen, sprang hinein und schlabberte behaglich das kühle Wasser. Plötzlich merkte er, dass er Eimer mit ihm sank, während der andere in die Höhe stieg. Bevor sich der Fuchs mit einem Sprung über den Brunnenrand retten konnte, war er schon unten im Brunnen gelandet.

In dem tiefen kalten Brunnenloch hatte er nun Zeit, über sein Schicksal nachzudenken.

„Wäre ich doch oben geblieben und hätte Durst gelitten“, sprach er zu sich.“Was bringt es mir nun, dass ich mir den Magen mit Wasser füllte. Ich werde gewiss bald sterben müssen.Feinde habe ich genug, denn ich bin ein Dieb, und niemand im Dorf liebt mich.“

Während der Fuchs unten im Brunnen saß und klagte, erging es einem Wolf im nahen Wald nicht viel besser als ihm. Er wurde von Jägern so bedrängt, dass er sich nur durch einen verwirrenden Zickzacklauf, die Hügel hinauf und hinunter und kreuz und quer  durch das dichteste Dornengestrüpp retten konnte.

Dieser Wolf kam nun zum Brunnen und wollte trinken. Als der Fuchs oben im Bunnenloch die Wolfsschnauze auftauchen sah, begrüßte er ihn: „Willkommen, lieber Herr Wolf ! Ihr kommt gerade zur rechten Zeit! Es ist mir und Euch nützlich, wenn Ihr mir Eure Hilfe nicht verweigert. Ein Widder stieg in diesen Brunnen und trübt mir das klare Wasser, und ohne Eure Hilfe kann ich ihn nicht loswerden.“

„Wie kann denn ein Widder hier hinunterfallen?“, wunderte sich der Wolf.

„Vor vielen Jahren“, erzählte der Fuchs, „grub ich eine Höhle zu diesen Brunnen. Dieser Nichtsnutz von einem Widder entdeckte nun, dass ich hier zu trinken pflege. Manchen Tag kam er hierher, und ich wusste nichts davon. Der Widder ist so fett, dass man diesen Brunnen mit ihm zustopfen könnte. Er wird Euren Bauch füllen, wenn Ihr nach meinem Rat handelt.“

Dem Wolf lief bereits das Wasser im Mail zusammen, er beugte sich über den Brunnenrand und rief dem Fuchs zu: „Ich will es gern tun! Zeig mir den Weg zu dem Widder!“

„Setzt Euch in den Eimer“, befahl der Fuchs, „und komm zu mir herunter. Wenn Ihr in den Wollt zurückwollt, werde ich euch heraufholen.“

Der Wolf sprang in den Eimer, und da er schwerer als der Fuchs war, sank sein Eimer in die Tiefe, der Eimer mit dem Fuchs aber stieg in die Höhe. Als der Fuchs dem Wolf in halber Höhe begegnete, verabschiedete er sich von ihm, und der Wolf rief: „Wo wollt Ihr hin, Fuchs? Ihr sollt mir doch den Weg zum Widder zeigen!“

„Die Not drängt mich“, entschuldigte sich der Fuchs, „und ich muss Euch im Stich lassen. Es ist mir hier unten zu dunkel, und ich brauche frische Luft. So geht es in der Welt: Der eine kommt in die Höhe, der andere fällt hinunter. Wenn ich nicht wiederkommen sollte, so seid mir nicht böse. Seht aber zu, dass Ihr beizeiten aus dem Brunnen entkommt, denn Ihr habt viele Feinde.“

„Ich wollte, ich wäre Euch nie begegnet“, knurrte der Wolf unten im Brunnen. „Ich bin der Betrogene! Gebt mir einen Rat, Herr Fuchs, wie ich wieder aus dem Brunnen entkommen kann. Ich wollte, ich wäre so leicht wie Ihr, dann wäre der Eimer nicht in die Tiefe gesunken.“

„Könnte ich Euch einen Rat geben“, erwiderte der Fuchs, „so täte ich es gern. Aber es scheint mir, dass hier nicht das Körpergewicht, sondern die Sünden gewogen werden. Wer die meisten begangen hat, mit dem senkt sich die Waage nach unten.“

„Wenn das so ist“, jammerte der Wolf, „habe ich keine Aussicht auf Rettung. Meine Sünden wiegen schwerer als Eure.“

Ja, so ist es!“, rief der Fuchs oben am Brunnenrand. „Ihr habt mehr Rinder gefressen als ich jemals Hühner.  Wenn nun die Leute aus dem Dorf kommen, Euch hier sehen, fangen und schlagen, dann solltet Ihr es geduldig hinnehmen als Buße für Euer Räuberleben.“

Und frohen Mutes trollte sich der Fuchs in den Wald zu seinem Bau.

Der Wolf aber erhielt statt des Fuchses die Strafe für sein Räuberleben.

Gerhard von Minden

                                 

 

Die Moral der Geschichte, erst Nachdenken bevor man etwas tut …

Das trifft aber nicht wirklich auf mich zu.
Eher das Gegenteil.
Ich grüble und grüble und grüble und grüble und kann mich dann doch nicht entscheiden.
Tue ich es dann aber, ist das für mich wie in Stein gemeiselt.
Auch Jahre danach, wenn andere vielleicht sagen „Hättest du damals doch nicht …), bereue ich nichts, weil ich weiß, in gleicher Situation heute würde ich wieder so entscheiden.
Über diese Art zu Denken bin ich doch ziemlich glücklich, denn nix ist doofer als später zu sagen: „Ach, hätte ich doch damals …“ Das  kann einen doch ziemlich zerfressen, weil man ich nix mehr ändern kann.

Um auf die Geschichte mit dem Brunnen zurückzukommen … wahrscheinlich würde ich immer noch vor dem Brunnen sitzen und überlegen: mach ich es oder mach ich es nicht?

                              

 

Die Geschichte zum Mittwoch

pixabay.de

Ein guter Rat

An einem warmen Sommerabend wanderten zwei Freunde durch einen Wald. Plötzlich sahen sie im Dämmerlicht eine großen Bären zwischen den Bäumen stehen.

Einer der Freunde kletterte rasch auf eine hohe Tanne und blieb, vor Furcht zitternd, oben in den Zweigen sitzen. Der andere konnte nicht klettern, und er sah keinen anderen Ausweg, als so zu tun, als sei er tot. Er ließ sich daher auf den Waldboden fallen und blieb regungslos liegen.

Der Bär kam näher und beschnüffelte ihn von oben bis unten.

Der Mann rührte sich nicht und hielt die Augen fest geschlossen, selbst dann, als er den heißen Atem des Bären auf seinem Gesicht spürte.

Er ,achte sich ganz steif und atmete nicht, obwohl er vor Angst am liebsten laut geschrien  hätte.

Wie man weiß, rührt ein Bär aber keine Toten an – und da dieser Bär den Mann für tot hielt, ließ er ihn liegen und trottete davon.

Als der Bär verschunden war, kletterte auch der Freund von seine Baum herunter und fragte seinen Begleiter: „Und, was hat Dir der Bär ins Ohr geflüstert?“

Dieser antwortete: „Er gab mir den guten Rat, dass ich nie wieder mit jemandem zusammen wandern soll, der sich Freund nennt, sich aber bei Gefahr aus dem Staub macht und mich im Stich lässt.“

Babrius

                                

Diese Fabel ist bestens geeignet mich zu triggern. Ich habe nämlich niemand, der mit mit zusammen die Gefahr des Bären aushält.

Mir fällt keiner ein. Ein bitteres Gefühl.

 

Die Geschichte zum Mittwoch

Das Kamel

Als die Menschen zum ersten Mal ein Kamel sahen, staunten sie über die Größe des Tieres und liefen bestürzt davon.

Schon bald aber merkten sie, dass es nicht so furchtbar war, wie sie es erwartet hatten, und überlegten sich, dass sie es bändigen könnten.

Sie fingen es mit wenig Mühe ein und verwendeten es zu ihrem Nutzen. Ganz geduldig ließ es alles mit sich geschehen und wich jeder Gefahr aus.

Nun fingen die Menschen an, es zu verachten, weil es sich trotz seiner Größe und Stärke nie widerspenstig zeigte, sondern sich jede Kränkung gefallen ließ.

Sie zäumten es auf und ließen es von ihren Kindern leiten.

Manche Dinge scheinen nur unbezwingbar zu sein.

Aesop

                                  

PS: Der letzte Satz ist auch so ein bissel MEIN Thema. Ich sehe oft riesengroße Berge vor mir, die objektiv gesehen nur nur so „scheinen“.  Mir fällt es mehr als schwer, sie in kleine Stücke zu zerlegen und es schrittweise anzugehen. *seufz*

 

smilie_girl_157.gif

 

Die Geschichte zum Mittwoch

pixabay.de
pixabay.de

Der Esel und der Wolf

Ein Esel begegnete einem hungrigen Wolfe.

„Hab Mitleid mit mir“, sagte der zitternde Esel, „ich bin ein armes krankes Tier sieh nur, was für einen Dorn ich mir in den Fuß getreten habe!“

„Wahrhaftig, du dauerst mich“, versetzte der Wolf. „Und ich finde mich in meinem Gewissen verbunden, dich von deinen Schmerzen zu befreien.“

Kaum ward das Wort gesagt, so ward der Esel zerrissen.

Gotthold Ephraim Lessing

 

PS: Hey,  soll heißen, erwarte kein Mitleid von deinem Feind, oder Chef oder Vermieter oder Finanzamt oder KanzlerIN oder sonstwen, der dich nicht leiden mag.

 

smilie_girl_157.gif

 

%d Bloggern gefällt das: