Mal wieder: Die Geschichte zum Mittwoch #29

Nur ein Sperling

Auf der Heimkehr von der Jagd schritt ich durch die Gartenallee, die von dem großen, schmiedeeisernen Tor zum Haus führte. Mein Hund lief vor mir her.

Plötzlich hörte er zu laufen auf und bewegte sich mit jenem eigentümlichen, halb geduckten, lautlosen Gang vorwärts, den Hunde stets annehmen, wenn sie irgendein lebendes Wesen anschleichen.

Ich schaute die Allee hinunter und sah einen jungen Sperling mit gelb umrandeten Schnabel und Flaum auf dem winzigen Köpfchen. Es war aus dem Nest gefallen – ein heftiger Wind schüttelte die Birken der Allee -, hockte unbeweglich auf dem Kies und streckte hilflos seine kaum hervorgesprossenen Flügel aus.

Langsam näherte sich ihm mein Hund, als plötzlich von der nächsten Birke der alte schwarzköpfige Sperling herabstürzte und wie ein Stein gerade vor seiner Schnauze zu Boden fiel. Zerzaust, verstört und mit verzweifeltem, kläglichem Gezeter flatterte er gegen den Hunderachen mit den spitzen Zähnen. Er warf sich über sein Junges, um es zu beschützen, doch sein ganzer kleiner Körper bebte vor Schrecken, das dünne Vogelstimmchen klang wild und aufgebracht.

Als welch riesengroßes Untier musste ihm der Hund erscheinen! Und dennoch hatte er nicht auf seinem hohen, sicheren Ast zu bleiben vermocht.

Eine Macht, stärker als sein eigener Wille, hatte ihn von dort herabgerissen, geradewegs vor den Hund!

Mein Hund blieb starr stehen, wich zurück, als könnte er diese Macht begreifen. Ich rief den Verdutzten zu mir zurück und entfernte mich, Ehrfurcht im Herzen. Ja, ich lächelte nicht darüber! Ehrfurcht empfand ich vor diesem kleinen, heldenmütigen Vogel, vor der überströmenden Kraft seiner Liebe.

Die Liebe, dachte ich, ist stärker als der Tod und die Schrecken des Todes. Sie allein, allein die Liebe erhält und bewegt unser Leben.

Iwan Turgenjew

*     *     *     *     *

Ja, das ist so eine herzzerreißende Taschentuchgeschichte. Nachdem meine Tränen getrocknet waren, habe ich überlegt, ob Spatzen überhaupt „Liebe“ empfinden können. Ich habe herumgegoogelt und nichts dazu gefunden. Ja, über Säugetiere findet man etwas oder auch über die Fortpflanzung von Vögeln, aber „Liebe“, so wie sie  der Iwan Turgenjew beschreibt???

Ja, gut, es soll sicherlich ein übertragenes Bild sein. Aber er beschreibt hier keine Fabel als solches, sondern eigenes Erleben.

Kann jemand etwas dazu sagen?

*    *     *     *     *

Die Geschichte zum Mittwoch #28

Nein, mir geht es nicht gut.
Und ich ärgere ich wahnsinnig darüber.
Immer wieder ziehen mich unbedachte, nebenbei gesagte, unbedeutende Halbsätze andere mich derart nach unten, dass ich wieder in meiner grünen Safaecke sitze und mir wünsche, es täte sich ein großes Loch vor mir auf, in das ich graues Mäuslein mich verflüchtigen könnte.

Das große Loch ist nicht da, nicht in meinem Wohnzimmer, und so flüchte ich mich mit meinem Gedankenkarussell in die „Geschichte zum Mittwoch“.

Das Pferd und der Esel

Ein Bauer trieb ein Pferd und einen Esel zu Markte. Beide waren mit der gleichen Last beladen.

Als sie schon eine gute Strecke vorwärts gegangen waren, merkte der Esel, wie seine Kräfte nachließen.

„Ach“, bat  er das Pferd kläglich, „du bist viel größer und stärker als ich, und doch hast du nicht schwerer zu tragen, nimm mir einen Teil meiner Last ab, sonst erliege ich.“

Hartherzig schlug ihm das Pferd seine Bitte jedoch ab: „Ich habe selbst meinen Teil und daran genug zu tragen.“

Der Esel schleppte sich weiter, bis er endlich erschöpft zusammenstürzte.

Vergeblich schlug der Bauer auf ihn ein, der Esel war tot. Es blieb nun nichts weiter übrig, als die ganze Last des Esels dem Pferde aufzupacken, und um doch etwas von dem Esel zu retten, zog ihm der Besitzer das Fell ab und legte auch dieses noch dem Pferd oben auf.

Zu spät bereute das Pferd seine Hartherzigkeit.

„Mit leichter Mühe“, so klagte es, „hätte ich dem Esel einen kleinen Teil seiner Last abnehmen und ihm vor dem Tod retten können. Jetzt muss ich seine ganze Last und dazu noch seine Haut tragen.“

Aesop

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Wo ist mein Pferd?

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Die Geschichte zum Mittwoch #27

Der Wolf als Schäfer

pixabay

Dem alten Wolf war es nun schwer geworden,
die Lämmer von den Weiden zu rauben.
So dachte er nun, auf leicht’re Art zu morden –
seiner List und Kunst konnte man glauben.

Er zog sich an einen Hirtenrock,
nahm Ranzen, Flöte und einen langen Stock
und hätte zur Vollmacht seiner List
noch gern auf seine Stirn geschrieben,
er sei der Herde Hirt.

Der falsche Hirte ging,
indem er den Stab auf die Pfoten legte,
zum echten Hirten hin,
der gerade seine Ruhe pflegte
und dessen müdes Haupt das Gras umfing.

Es schliefen auch die Flöte, die Hunde
und selbst die meisten Schafe in der Runde.
Der Schurke ließ die Schläfer gerne ruhn,
und er ergriff, um einige Schafe fort
in Richtung Wald zu treiben, schon bald das Wort,
im Glauben, nötig sei es, das zu tun –
doch gerade verdarb er seine Sache nun.

Zu schlecht gelang sein Lockruf in die Runde
aus diesem räuberischen Munde.
Laut scholl der Stimme Widerhall
vom Wald zurück. Bei solchem Schall
erwachten gleich der Hirt und Hunde
und alle Schafe in der Runde.

Der Wolf kam auf der Flucht zu Fall
durch seinem Umhang und die Last –
und wurde wehrlos abgefasst.

Mag sich ein Heuchler auch verwandeln
um Unschuld und Güte herauszustreichen,
so bleiben doch die Erkennungszeichen:
Wer Wolf ist, wird auch als Wolf auch handeln.

Jean de Fontaine

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Warum erinnert mich das an die Plagiate von Doktorarbeiten, die vor ein paar Jahren die Runde machten?
Und wie viele mag es davon noch geben?

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Die Geschichte zum Mittwoch #26

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Der Löwe und die Stiere

Eine zärtliche und enge Freundschaft verband vier junge kräftige Stiere. Ein Löwe, der in einem nahem Wald seinen Schlupfwinkel hatte, beobachtete aus sicherer Entfernung, und seine Begierde nach ihnen wuchs von Tag zu Tag.

„Vor diesen acht spitzen Hörnern“, sagte er sich aber, „müsste ich fliehen! Ja, diese vier Stiere könnten mich sogar töten, wenn sie sich gemeinsam angreifen. Aber ich weiß,was ich tun muss!“

Er verbarg sich am Rand der grünen, saftigen Wiese, auf der die Stiere weideten, und wartete geduldig, bis sich einer von den anderen ein wenig entfernte. Dann schlich der Löwe hin und flüsterte dem Stier zu: „Ah, du bist es, den die anderen drei verspotten!“

Dem nächsten Stier erzählte er: „Die anderen drei sind eifersüchtig auf dich, weil du größer und schöner bist als sie.“

Am Anfang hörten die Stiere nicht auf den Löwen, aber bald fingen sie an, sich gegenseitig zu misstrauen. Sie gingen nicht mehr gemeinsam auf die Weide, und nachts rückten sie voneinander ab. Das alles machte sie noch viel misstrauischer, und jeder dachte von den anderen: Sie warten auf eine Gelegenheit, mir etwas anzutun.

Als der Löwe schließlich die Nachricht verbreitete, die vier Stiere wollten sich gegenseitig bekämpfen, weil jeder der Stärkste sein und die anderen von der Weide verjagen wolle, da fielen sie einander sofort in heller Wut an. Bald sahen die vier prächtigen jungen Stiere nicht mehr prächtig aus. Sie schlugen mit ihren Hufen aufeinander ein und zerfetzten sich mit ihren Hörnern.

Als der Löwe einen von ihnen anfiel und fortschleppte, kamen die anderen ihren Gefährten nicht zu Hilfe. Der Löwe zerriss bald danach den zweiten, dann verschlang er den dritten, und auch der vierte Stier wurde einige Tage später, als der Löwe wieder hungrig, dessen Opfer.

Johann Gottfried von Herder

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Tja, so kriegt man Gruppen auseinander….

Funktioniert bei Menschen auch heute noch so.

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Die Geschichte zum Mittwoch #25

Ja, ja, ich weiß, heute ist schon Donnerstag. Aber ich lebe zur Zeit irgendwie außerhalb jedes Zeitgefühls…

Zu hoch hinaus

Ein Sperling flog zu einer Schafherde, setzte sich auf den Plankenzaun und betrachtete die Tiere, die fetten Widder, die Schafe mit den dicken Wollnacken und die kleinen, munteren Lämmer. Plötzlich stieß ein Adler herab, packte ein junges Lamm mit seinen Fängen und flog mit der Beute davon.

Der Sperling schlug aufgeregt mit den Flügeln und rief: „Was dieser kann, kann ich auch! Habe ich nicht auch Schwingen wie er? Kann ich nicht wie er durch die Luft fliegen?“

Und der kleine Sperling breitete seine Flügel aus und fühlte sich so mächtig und stark wie der Adler. Er beschloss, es dem königlichen Vogel gleichzutun.

„Aber ich will mir nicht ein kleines Lamm aussuchen wie dieser Räuber“, dachte er verächtlich,“sondern den stärksten und größten Widder.“

Er flatterte auf und suchte den fettesten Widder in der Schafherde.

Das Wollkleid des Widders war verfilzt und klebrig, denn dieser Widder pflegte sich immer in der nassen Erde und Dung zu wälzen. Als der Sperling sich auf dem Rücken des Tieres niedergelassen hatte, schlug er stolz mit seinen kleinen Flügeln und wollte wie der Adler mit seiner Beute in die Luft aufsteigen. Aber die verfilzte Wolle des Widders hielt ihn fest. Der Sperling mochte noch so sehr mit den Flügeln schlagen, seine schwachen Krallen verwickelten sich immer mehr im wolligen Schafsnacken.

Bei jener Herde aber wachte ein Hirte. Er hatte gesehen, wie der Adler das kleine Lamm geraubt hatte, und nun sah er, wie der Sperling es dem Raubvogel gleichtun wollte. Der Hirte wurde sehr zornig und eilte zu dem hilflosen Sperling, der gefangen auf den Rücken des Widders saß. Er packte den Sperling, riss ihm die Flügelfedern aus und band ihm die Füße mit einer Schnur zusammen. Dann brachte er den Sperling zu seinen Kindern.

„Wer ist das?“, fragte eines der Kinder. Der Hirte antwortete: „Das ist einer, der es einem Höheren gleichtun wollte und dadurch ins Verderben geriet.“

aus Tausend und eine Nacht

 

*     *     *     *     *

Ohje, bei Vögeln ist das wohl klar, aber bei Menschen? Wer ist höher, wer niedriger?

 

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Die Geschichte zum Mittwoch #24

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Der Esel und der Fuchs

Ein Esel und ein Fuchs lebten seit langer Zeit zusammen, pflegten eine gute Freundschaft und gingen auch miteinander auf die Jagd.

Auf einem ihrer Streifzüge kam ihnen einmal ein Löwe in den Weg und der Fuchs fürchtete, er könne nicht mehr entfliehen. Da bediente er sich einer List und sprach mit künstlicher Freundlichkeit zum Löwen: „Ich fürchte mich nicht vor dir, großmütiger König! Kann ich dir aber mit dem Fleische meines engstirnigen Gefährten dienen, so will ich das gerne tun.“

Der Löwe versprach ihm Schonung, und der Fuchs führte den Eselin eine Grube, in der dieser sich fing.

Brüllend eilte nun der Löwe auf den Fuchs zu und ergriff ihn mit den Worten: „Der Esel ist mir gewiss, aber dich zerreiße ich wegen deiner Falschheit  zuerst.“

Der Verrat ist einem willkommen – aber den Verräter liebt man dennoch nicht.

Aesop

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Vielleicht ein bisschen weit hergeholt, aber mich erinnert diese Falschheit ein bissel an die heutige Nachricht in den Medien, dass die Rüstungsexporte  in der letzen GroKo um 45% gestiegen sind gegenüber der schwarz/gelben Regierung. (Was jetzt nicht heißen soll, ich fände eine zukünftige Jamaika-Regierung toll)

http://www.tagesschau.de/inland/ruestungsexporte-drittstaaten-101.html

War da noch vor Kurzem der Spruch: Wir müssen Fluchtursachen verhindern!

Und nun steht in dem Sondierungspapier: „Die Bundesregierung wird ab sofort keine Ausfuhren an Länder genehmigen, so lange diese am Jemen-Krieg beteiligt sind.“

Wie jetzt? Auf einmal? Und was ist jetzt mit dem Argument der Arbeitsplatzsicherung?

Noch eine 180 Grad Drehung?

Ich habe nicht viel Ahnung von Politik, aber den derzeitigen Zirkus muss man auch nicht verstehen.

„Vorwärts Genossen, wir gehen zurück“

Nungut, es sollte nur heißen, der Fuchs aus der Fabel ist nicht das einzige Wesen, das falsch spielt.

 

*      *      *      *     *

 

Die Geschichte zum Mittwoch #23

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Der Affe und der Fuchs

„Nenne mir ein so geschicktes Tier, dem ich nicht nachahmen könnte!“, so prahlte der Affe gegen den Fuchs.

Der Fuchs aber antwortete: „Und du, nenne mir ein so geringschätziges Tier, dem es einfallen könnte, dir nachzuahmen.“

Gotthold Ephraim Lessing

*     *     *     *     *

Und da stehe ich wieder auf dem Schlauch: Was will mir Lessing damit sagen???

Ein bisschen hin und her gegoogelt und folgende Antwort gefunden:

Das ist eine der kürzesten Fabeln von Lessing. Es gibt keine Schilderung der Situation. Die Fabel beginnt mit der Rede des Affen, dann folgt die Gegenrede des Fuchses mit seinem Vorwurf an die deutschen Dichter. Hier spricht eigentlich Lessing und äussert seinen Vorwurf gegen die zeitgenössischen deutschen Dichter. Dieser Vorwurf enthält auch die Moral der Fabel: Schuster bleib bei deinen Leisten! Dichte und schreibe wie ein deutscher Schriftsteller.
Der Affe stellt den Adel dar, der sich auffällig, wichtigtuerisch und angeberisch verhält. Er wird in einigen Fabeln dargestellt als komischer und lächerlicher Typ, der sich dem Hofherrn untertänig zeigen will. Könige und Fürsten kauften sich ja damals Menschen und Tiere aus fremden Ländern einfach zur Belustigung. 
Der Fuchs spielt den Vertreter des Volkes. Er versucht aufzuklären, auf Fehler hinzuweisen und besseres Verhalten zu lehren. 

Quelle: https: //e-hausaufgaben.de/Thema-205752-Lessing-Fabel-Der-Affe-und-der-Fuchs-Moral.php

Okay, klingt alles sehr verschult (logisch, wenn es von  einer Hausaufgabenseite ist) und nichts für Lieschen Müller mit ihren 60 Jahren.
Hat noch jemand eine andere Idee?

*      *      *      *

Die Geschichte am Mittwoch #22

Der Hund und das Stück Fleisch

Ein großer Hund hatte einem kleinen, schwächlichen Hündchen ein großes, saftiges Stück Fleisch abgejagt. Er lief nun mit seiner Beute davon. Als  er über eine schmale Brücke lief, fiel zufällig sein Blick ins Wasser. Wie vom Blitz getroffen blieb er stehen, denn er sah unter sich einen Hund, der gierig seine Beute festhielt.

„Der kommt mir zur rechten Zeit, sagte der Hund auf der Brücke, „heute habe ich wirklich Glück. Sein Stück Fleische scheint noch größer zu sein als meins.“ Gefräßig stürzte sich der <Hund kopfüber in den Bach und biss nach dem Hund, den er von der Brücke aus gesehen hatte. Das Wasser spritze auf. Er ruderte wild im Bach umher und schaute sich nach allen Seiten um. Aber er konnte  den Hund mit dem noch größeren Stück Fleisch nicht mehr entdecken, er war verschwunden.

Da fiel dem Hund sein soeben erbeutetes, eigenes Stück ein. Und soviel er tauchte und suchte,es war und blieb verschwunden. In seiner Gier war ihm auch noch das Stück Fleisch, das er schon sicher gehabt hatte.

Aesop

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Manche kriegen eben den Hals nicht voll.

Das Fazit ist sehr schön: Vor lauter Gier hatte er dann letztendlich gar nix mehr.

Aber übertragen auf unsere menschliche Welt stimmt das oft dann nicht mehr. Die, die soviel haben und ihre Milliönchen horten, bekommen meist immer mehr.
Wie heißt es so schön: Der Teufel sch…. immer auf den größten Haufen.

Ob sie dann auch glücklicher sind in ihrem Run auf immer mehr, ist dahingestellt.
Denke ich …

*      *      *      *       *

Die Geschichte zum Mittwoch #21

Warum Hund und Katze Feinde sind

Ein Mann und eine Frau besaßen einen goldenen Ring. Es war auch ein Glücksring, und wer ihn besaß, litt niemals Not. Dieser besondere Ring sah aber sehr unscheinbar aus, der Mann und die Frau kannten seine Kräfte nicht und verkauften ihn für wenig Geld.

Kaum aber hatten sie den Ring fortgegeben, als das Unglück begann.

Schließlich waren sie so arm geworden, dass sie nicht mehr wussten, was sie am nächsten Tag essen sollten.

„Seit der Ring fort ist, hat das Glück unser Haus verlassen“ seufzte der Mann.

Es muss ein Glücksring gewesen sein“, sagte die Frau, „hätten wir ihn doch niemals verkauft!“

Und sie sah traurig auf ihre beiden Haustiere, einen Hund und eine Katze, die mit ihnen Hunger leiden mussten.

Hund und Katze aber hatten die Worte der Menschen verstanden.

„Was sollen wir tun?, fragte die Katze.

„Unsere Herrin war immer gut zu uns“, sagte der Hund.

„und wir hatten stets genug zu essen“, schnurrte die Katze.

Die beiden saßen ratlos nebeneinander.

Schließlich sagte der Hund: „Wir wollen den Ring unserem Herrn und unserer Herrin wieder zurück bringen. “

„Aber er liegt wohlverwahrt bei seinem neuen Besitzer, in einem festen Schrank eingeschlossen“, sagte die Katze.

Ich weiß, was wir tun müssen“, meinte der Hund. „Fang du eine Maus und versprich ihr, sie am Leben zu lassen, wenn sie ein Loch in den Schrank nagt und den Ring heraus holt.“

Dieser Rat gefiel der Katze. Sie fing eine Maus, und mit der gefangenen Maus im Maul wanderten Hund und Katze zum neuen Besitzer des goldenen Rings.

Der Weg war weit und sie kamen zu einem großen Fluss. Als die Katze das Wasser sah, setzte sie sich niedergeschlagen ans Ufer, denn sie konnte nicht schwimmen.

Aber der Hund wusste wieder Rat.

„Spring auf meinen Rücken“, befahl er, “ ich will mit dir hinüberschwimmen.“

So geschah es.

Die Katze lief mit der Maus im Maul zum Haus, in dem der Schrank mit dem Ring stand.

„Wenn du nicht willst, dass ich dich fresse“, sagte die Katze zu der Maus, „so nage geschwind ein Loch in die Schranktür und bring mir den Ring, der darin liegt.“

Die Maus nagte eifrig, schlüpfte durch das Loch und kam mit dem Ring wieder heraus. Nun nahm die Katze den Ring ins Maul und lief zurück zum Fluss. Der Hund hatte dort auf sie gewartet, sie sprang auf seinen Rücken, und er trug sie über den Strom.

Vergnügt und fröhlich wanderten sie weiter in Richtung Heimat.

Die Katze war so ungeduldig, dass sie über alle Zäune sprang, über die Dächer kletterte und den Hund weit zurück ließ, der um jedes Haus und um jeden Garten einen Bogen machen musste.

So kam die Katze früher heim als der Hund, lief zu der Herrin und legte ihr den Ring in den Schoß.

„Sieh“, rief die Frau ihrem Mann zu, „unsere Katze hat den Glücksring zurückgebracht! Das gute Tier! Wir wollen ihr immer genug zu fressen geben und sie pflegen wie unser eigenes Kind.“

Nach einiger Zeit kam auch der Hund, müde und staubbedeckt vom weitem Weg.

„Du achtloses Tier!“, rief die Frau. „Wo hast du dich herumgetrieben? Warum hast du der treuen Katze nicht geholfen, die uns den Glücksring zurückgebracht hat?“

Sie schalt und schlug ihn, und die Katze saß beim Herd, schnurrte und sagte kein Wort.

Da wurde der Hund böse auf die Katze, und er vergaß niemals, dass sie ihn um seinen Lohn betrogen hatte.

Seit jener Zeit sind Hund und Katze einander feind.

aus China

*     *     *     *    *

Tja, so sind sie, die Frauen …

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Die Geschichte zum Mittwoch #20

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Der blinde Maulwurf

An einem schönen Abend, an dem  der Mond weiß und rund am Himmel hing, spielten einige Kaninchen auf einer Wiese Blinde Kuh. „Kaninchen und Blinde Kuh! Das ist doch ganz und gar unmöglich!“, wird nun jedermann ausrufen. „Aber warum“, frage ich, „sollte es nicht unmöglich sein?“

Die Kaninchen pflückten ein weiches, langes Blatt, legten es einem Kaninchen in ihrer Gruppe über die Augen und banden es in seinem Nacken fest. Das war im Nu geschehen, und schon hoppelte das Kaninchen mit der Binde über den Augen im Kreis seiner Kameraden. Die anderen tanzten und hüpften um den blinden Gefährten herum und vollführten wahre Wunder an Geschicklichkeit: Sie hüpften von ihm weg, sie hüpften zu ihm, sie zupftem es an den Ohren, sie zupften es an seinem weißen Schwanzbuschel.

Das arme, blinde Kaninchen mochte sich noch so schnell herumdrehen, noch so blitzschnell seine Pfoten ausstrecken, die anderen waren schon wieder fort, und nichts als Luft fing es in seinen Pfoten.

Es hätte sicherlich bis zum Morgen niemanden gefangen, wen nicht ein dummer Maulwurf in seiner Erdwohnung den Lärm gehört hätte.

Der Maulwurf steckte seinen Kopf aus seinem Loch, kroch heraus und spielte mit. Im nächsten Augenblick war er schon gefangen, blind und langsam und tollpatschig, wie er war.

„Freunde“, sagten da die Kaninchen, „es wäre nicht nett von uns, wenn wir unserem Bruder die Augen verbinden würden. Er kann nicht sehen, wir wollen ihn wieder frei lassen.“

„Auf keinem Fall“, rief da der Maulwurf ärgerlich. „Ich bin nach den Regeln des Spiels gefangen worden. Legt mir die Binde über die Augen!“

Nur zu gern, mein Lieber“, war die Antwort, aber es wird nicht nötig sein, den Knoten fest zu binden.“

„Entschuldigen Sie, meine Herren“, antwortete der Maulwurf aufgebracht. „Bindet den Knoten fester – ich  kann noch sehen! Fester meine Herren, ich kann immer noch sehen, fester!“

Florian

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Als ich diese Geschichte gelesen hatte, habe ich ganz verdutzt das Buch hin und her gewendet, geschaut, ob ich nicht eine Seite übersehen habe.
Nö.
Die Geschichte ist hier zu Ende.

Nun schaue ich aber ganz schön doof aus meiner Wäsche.
Was soll jetzt die Moral der Geschichte sein?

Zuerst dachte ich, der arme Maulwurf will nur gleichberechtigt am Spiel teilnehmen.
Jetzt sind ja solche Modewörter wie Inklusion oder Teilhabe in unserem Sprachgebrauch, aber davon konnte ja der Herr Florian noch nix gewusst haben.
(Hab nachgeschaut, er lebte 1755-1788)

Ich weiß nicht, woran es jetzt liegt, an meinem verschnupften Kopf, an der mangelnden Konzentration in Folge der Depression, meines fortgeschrittenen Alters oder einfach nur, weil ich zu blöd bin.

Aber vielleicht weiß ja jemand, wie nun die Moral der Geschichte ist?
Ich fände es super, wenn wir das in den Kommentaren aufgedröslt bekämen.

 

*      *      *      *     *

 

 

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