Das Beste vom Tag …

Heute war es ein eklig-trüber-nasser Novembertag und ich habe Kuchen gebacken.
Ja, ja, ich backe sehr gern, aber seit ich allein bin, lasse ich es.
Für wen auch.

Aber heute hatte ich mich wieder mit M., dem Autisten, verabredet.
Endlich mal wieder eine Gelegenheit zu backen.

Nur, ich habe hier in dieser Wohnung einen Herd aus dem vorigen Jahrhundert.
Beim Backofen kann man nur „Aus“, „Ein“ und die Gradzahl einstellen.
Keine Ober- oder Unterhitze und schon gar nicht die Zeit oder gar Umluft.
Wie haben es eigentlich unsere Vorfahren mit den Küchenmaschinen gemacht, die man nur mit Holz befeuern kann?
Ich kann mich noch an eine Tante erinnern, die das noch genauso machte.
Bei ihr habe ich als Kind oft die Sommerferien verbracht.
Lang, lang ist’s her …

Um eine Gelinggarantie zu bekommen, habe ich eine Backmischung gekauft.
„Zitronen-Mandarinen-Schnitte“.

Letztens wollte ich einen Kuchen nach Rezept backen.
Er war dann nur für die Tonne gut.
Er war nicht durch und oben und unten verbrannt.
Ich habs nicht hinbekommen, ohne den Herd richtig einstellen zu können.

Aber der Kuchen heute war einfach oberlecker!
Kann ich nur empfehlen!
Wirklich.

Anschließend habe wir Kniffel gespielt.
Kniffel kann er gut.
Ich habe ihm die Freude angesehen.
Einfach schööön.
Dass ich gerne spiele, weiß ja nun mittlerweile jeder, der meinen Blog ab und an liest.
Aber heute hat es ganz besonderen Spaß gemacht.
Mir ging einfach das Herz auf, wenn ich sehe, wie sich ein erwachsener Mensch über fünf Würfel so derart freuen kann.

18 Uhr haben meine beiden Hunde und ich ihn wieder zum Bus gebracht.
Es war ein so schöner Nachmittag.

D A N K E

*     *     *     *     *

Ja, ja, mich gibt es noch …

Zuerst habe ich überlegt, wie ich es am Besten schreiben soll.
Warum diese plötzliche Pause.
Warum nicht mal eine Notiz.
Wie es mir ging oder geht.
Was passiert ist.

Doch dann habe ich mich entschlossen, nix von dem zu schreiben.
Ich habe mich daran erinnert, was ich in meinem „About“ geschrieben habe.
Es sollte kein „Jammer-Blog“ werden, sondern ein Dankbarsein für die positiven Dinge, die mir tagtäglich passieren.

Mir fiel ein, wie ich mich gefühlt habe, als es mir so schlecht ging und ich jeden Tag auf die Suche nach einem schönen Foto gegangen bin.
Wie mir diese Achtsamkeit gut tat.
Wie ich wieder gelernt habe, mich an kleinen Dingen zu erfreuen.

Und genau daran möchte ich wieder anknüpfen.
Und ich habe auch ein sehr guten Einstieg gefunden.

Nämlich: Ich habe mein selbstgebautes Vogelhäuschen umgestellt, nachdem Dieter mir diesen Tipp gegeben hat.
Und das ist das Ergebnis:

Ist das nicht ein mega-toller Wiedereinstieg??

Na, denn, von nun an wieder (fast) jeden Tag!

 

*      *     *      *     *

Ich bin ja sowas von stolz auf mich!

Hatte ich mir doch in den Kopf gesetzt, mir eine Vogelhäuschen auch dem Balkon aufzustellen.
Hier im Innenhof gibt es sehr viele Vögel, ich höre es immer ganz doll zwitschern, wenn ich mit meinen Hundis draußen bin.
Kein Mensch weiß, wie dieses Jahr der Winter wird.
Und ich hatte auch den Hintergedanken, dann hin und wieder ein Vögelchen vor meine Kamera zu bekommen.

Nun gut, da ich nicht weiß, wie ich das Vögelhäuschen befestigen soll, habe ich mir eins mit Standfuß bestellt.
Bekommen habe ich einen Karton mit Bretter und einer kleinen Tüte mit Nägeln.
Wo nun welches Hölzchen und wie herum wo angeschraubt werden musste, konnte ich nur erraten.
Die Beschreibung war so miserabel, dass sie nur für die Tonne gut war.
So musste ich so manches an- und abschrauben, bis ich herausgefunden habe, wie es denn eigentlich sein soll.
Zwar war gekennzeichnet, wo ein Schraube hineinzudrehen war, aber nicht mit welchem Teil an welche Stelle.

Ich finde ja diese Akku-Schrauber genial.
Früher, ja früher musste man dies mühselig mit der Hand hineinschrauben.
Jetzt geht das rux fix zusammen und im Rückwärtsgang wieder auseinander.
Solange, bis es ungefähr passt.

Und: Juuuchuu! Ich habs geschafft.
Es sieht zwar alles reichlich schief und krumm aus, aber das macht nichts.
Im Wald sind die Bäume auch nicht nach DIN gewachsen.

Tja, nun habe ich seit heute eben ein Vögelhäuschen.
Nun muss ich nur noch Futter kaufen und dann können sie kommen, die Vögel!

 

*     *     *     *     *

 

Was war das doch gleich mal „DISCO“ ???

Wie nun inzwischen jeder weiß, ich bin mittlerweile 60 Jahre.
Das letzte Mal war ich irgendwann in den `80er Jahren zu einer Disco.
[Wer jetzt schnell nachrechnen kann: das war vor 30 (!) Jahren]
Es lag auch mit daran, dass mein weltbester Ehemann im Rollstuhl saß und Tanzen mit Rollstuhl so gar nicht sein Ding war.)

Und gestern hat mich mein Lieblings-Autist in die Disco eingeladen.
Ja, ja. MICH.

Punkt 18 Uhr kam er mit seinem Auto vorgefahren und hat mich abgeholt.
Wenn man ihn ansieht, traut man ihm nie und nimmer zu, dass er das kann.
Aber er kann das. Auch richtig gut.  Nach Autisten-Art.

Wenn 50km/h erlaubt ist, dann fährt er 50. Und nicht vielleicht 51.
Wenn mitten in der Nacht 30 erlaubt sind und nirgendwo auch nur ein einziges Auto zu sehen ist, alles wegen Sturm-Angst menschenleer ist (Der Sturm kam erst viel später) fährt er 30, auf keinen Fall 31km/h.
Aufmerksam wie er ist, erkennt er sofort die Fahrfehler anderer und erklärt, was der Bußgeldkatalog dazu sagt.

Nein, mich nervt das nicht.
Ich lächle auch nicht drüber.
Ich bin immer noch fassungslos, was er alles weiß und kann.

Gut, bei der Disco angekommen, war ich erstmal etwas angepisst.
Es entpuppte sich nämlich als Halloween-Party.
Nun mag ich dieses amerikanische Grusel-Kürbis-Geister-Fest so gar nicht.
Mein christliches Gewissen sagt mir, dass man mit Geistern und Teufeln nicht spaßen sollte und alles sowieso nur ein reines Commerz-Denken ist.
Man soll kaufen.
Teure Kostüme, teure Deko, überall gruselt es.
Es gibt ja inzwischen alles auf Geister-Basis.

Aber nun war ich schon mal da, habe meine Geister-Augen zugedrückt und gesehen, wie viel Mühe sich der Träger gemacht hat, diesen Raum auszugestalten.
Es war eine Party für geistig Behinderte.
Der größte Teil waren Leute mit Down-Syndrom (Sagt man das so noch?)

Und getanzt wurde sie verrückt, egal ob es zu der Musik passte oder nicht.
Ich fand sie (die Musik) nicht so besonders gut tanzbar, aber das störte keinen weiter.
Und so habe ich mich 3 Stunden von der besonderen Stimmung tragen lassen und fand es (abgesehen von den vielen blinkenden Gerippen und Todenschädeln) sehr gelungen.

22:30 Uhr, lange vor dem Sturm war ich dann wieder zu Hause und eine große Erfahrung reicher.

 

 

*      *      *     *     *

 

Ich gründe eine Gruppe …

Wie hört sich denn diese Überschrift an?
Soetwas habe ich noch nie gemacht.
Nicht mal  als von Depressionen weit und breit nix zu sehen war.
Ich weiß nicht, ob ich das hinkriege.
Ich weiß nicht, ob ich das durchhalte.
Ich weiß nicht, ob ich das bereue.
Ich weiß gar nichts.

Das ist passiert:
Ich gehe ja oft montags in den Offenen Treff zum Spielen.
Es treffen sich dort Leute so wie ich mit einem psychischen Knacks im Kopf.
Gespielt wird vieles, Rommè, MauMau oder Phase 10.
Ich spiele furchtbar gern, wenn es nicht um komplizierte strategische Spiele handelt wie Siedler, Monopoli usw.
Würfeln und gucken, was raus kommt.
Da geht es nicht um Leistung, dass man irgendetwas perfekt kann, sondern um Spaß und Freude.
Einfach so.

Ich hatte schon einmal über M. geschrieben.
Weiß jetzt nicht mehr genau, ob es in diesem Blog hier war oder in dem, den ich zerschossen habe…
Ich finde es nicht mehr.
Als ich M dort zum ersten Mal getroffen habe und wir ins reden kamen, fragte er mich, ob ich eine Tochter habe.
Ich:   „Ja, habe ich. Aber schon groß. 38 Jahre.“
Er:     „Ah, 1979 geboren.“
Ich:   „Nein, 1978, im September.“
Er:     „Ist sie ein Sonntagskind?“
Ich:    „Nein.“
Er:     „Dann ist ist sie Mitte September geboren.“
Ich:    „Ja. Am 15.“
Er:     „Am 15.? Das war  ein Freitag, 21 Grad warm.“

Mir fiel die Kinnlade runter. Denn wenn man ihn sieht und wie er sich so verhält, könne man meinen, er gehört zu den „geistig Behinderten“ und ist in einer Gruppe für Leute mit nem psychischen Knall in der Birne  nicht richtig.
Und so wird er auch behandelt. Keiner will wirklich etwas mit ihm zu tun haben. Ja, er darf mitspielen, versteht er das Spiel nicht, wird man ungeduldig und muffelt rum.

Er tat mir einfach leid und ich beschloss in einem Anflug von Größenwahn, eine eigene Spielegruppe zu gründen.
Bei mir zu Hause.
Mit Kaffee und Kuchen.
Wo er sein darf wie er ist in seiner Andersartigkeit.
Keiner muffelt oder wird ausgegrenzt.
Und ich habe ihn gefragt, ob er mit macht.
Ja, hat er geantwortet.
Und nun?
Wer macht mit?

Aus dem Offenen Treff wollte ich nicht, denn dann hätte ich ja das Gleiche nur bei mir zu Hause.
Hier bei mir im Bezirk gibt es eine Nachbarschaftsseite, eine Art Marktplatz, wo man gebrauchte Dinge verkaufen kann, fragen, ob jemand mit dem Hund spazieren geht, irgendwer Löcher in die Wand bohrt oder sonstwie helfen.
Dort habe ich angefragt, ob jemand mitspielt.

Es haben sich genau 4 Frauen und zwei Männer gemeldet.
Keinen kenne ich davon persönlich und ich habe Null-Ahnung wie man das jetzt organisiert.
Also habe ich erstmal 2 für Samstag eingeladen, kommenden Samstag, 15 Uhr.
Als Test und gucken, was passiert.

Vielleicht schmeiße ich dann alles hin, weil es die blödeste Idee aller Zeiten war.
Vielleicht beginnt aber auch etwas Neues.
Aber das Unglaublichste ist, dass ich mich soetwas getraut habe.

ICH. UNGLAUBLICH. GEHT EIGENTLICH GAR NICHT. ICH.

*     *     *     *     *

Das Beste von heute

Aufstehen.
Gassi-Gehen.
Bad.
Frühstücken.
Und los geht’s.
Kücheputzen

Wollmäuse jagen.

Mittagessen.
Autogenes Training, wie immer.

Große Gassirunde am herbstlichen Feld entlang.

Ein Himmel wie immer die letzten Tage.

Mit Kleinigkeiten am Wegesrand.
Johanniskraut.

Oder Hagebutten.

Dann.
Einkaufen.

Tochter hat Geburtstag,
Heute.
Sie will nicht feiern.
Zu stressig, sagt sie.
Ich wollte trotzdem für eine halbe Minute ihr das Geschenk geben.
Die einzige Stunde, die sie heute Nachmittag da war, habe ich verpasst.
Bin unendlich traurig darüber.
So wie die Blumen jetzt.
Ich fühle mich getriggert.

Ich fühle mich schlecht.
Fühle mich abgelehnt.
Wie beim letzten Mal, als das Enkelkind Geburtstag hatte.
Bin überflüssig.
Wenn es mich nicht gäbe, kein Mensch, würde es merken.
Gut, den Blog würde es nicht mehr geben.
Auch kein Verlust.
Laufe die Abendrunde gassi.
An der Haustür eine Spinne.

Eklig.

Hunde füttern.
Abendbrot essen.
Der Tag ist gelaufen.

Und morgen ist ein neuer Tag.
Ein besserer.

 

Das Beste von heute

Gestern Abend ging es mir nicht gut.
Ich hatte das Gefühl, dass ich wieder in die Abwärtsspirale gerade.
Einen Auslöser, einen Trigger, gab es nicht, d.h. mir war keiner bewusst.

Was mir aber aufgefallen ist, ich habe lange schon nicht mehr „Das Beste von heute“ geschrieben, schon lange nicht mehr die Dankeschöns für einen langen Tag.

Liegt es etwa daran?
An solch einer Kleinigkeit?
Bin ich noch so sehr instabil, dass ich diese „Krücke“ einfach brauche?
Ich weiß es nicht.

Und so bin ich heute damit aufgestanden, wieder darauf zu achten, wofür ich Dankesagen kann, will, möchte.

Natürlich zuerst für meine 2 Scheiben Vollkorn-Toast mit Honig.
Ich liebe dieses morgendliche Frühstück.
Ein dickes Danke an die Bienen und an die Kühe wegen der Butter (auch wenn sie inzwischen doppelt so teuer geworden ist. Mir fällt gerade ein, dass ich morgen unbedingt neuen Kaffee kaufen muss)

Danach habe ich gebügelt.
Ja, ich weiß, ganz viele machen dies nicht mehr, einschließlich meiner Tochter.
Auch J. war ganz verwundert, dass ich seine Hemden Bügeln wollte. Das kannte er nicht.
Egal, ich mag es ganz einfach, wenn meine T-Shirts glatt sind, und die Geschirrtücher, und die Bettwäsche, und die Jeans …
Deshalb nun mein DANKE, dass die BügelEISEN, keine BügelEISEN mehr sind, die man mit Glut beheizen muss, sondern die Strippe einfach in die Steckdose kann und alles wird heiß und glatt.

Und weil ich dann die gebügelten Sachen in den Schrank packen wollte, musste, habe ich gleich noch das Fach mit den Jeans und das Fach mit den Pullovern durchgesehen. Da meine Depressionen 12 Kilo aufgefressen hatten, musste ich mir neue Sachen kaufen. Inzwischen habe ich zwar 3 Kilo wieder zugenommen, aber die alten Sachen, die viel zu groß geworden sind, können in die Altkleidersammlung. Ein dickes DANKE dafür, dass ich das nötige Geld dafür hatte. Ist auch nicht selbstverständlich.

Am Nachmittag war ich dann ganz ganz mutig und bin mit meinem Hundemädchen zum Weissen See gefahren. Direkt am Weissen See wohnen aus der Zeit mit J. „Freunde“, die wir regelmäßig besucht haben. Seit der Trennung war ich nicht mehr dort, weil sie nicht ganz unwesentlich dazu beigetragen haben, dass ich mich erst so spät von J. lösen konnte.
Ich weiß nicht warum, aber irgendetwas in mir sagte, dass ich heute dorthin musste. Ich kann es nicht erklären, es war so.
Ich kaufte beim Bäcker noch etwas Kuchen und fuhr hin.
Ja, sie haben sich gefreut.
Und sie haben mir erzählt, was im letzten halben Jahr alles passiert ist.
Eine Katastrophe nach der anderen.
Viel Streit, Beziehungen wurden beendet, Intrigen, Gerüchte, Verleumdungen …
Was bin ich froh, nicht mehr ein Teil dessen zu sein.
Ein dickes DANKE dafür, dass ich da raus bin, dass „meine“ neue Welt frei von all dem ist.

Und zum Schluss bin ich dann mit meinem Hundemädchen einmal um den Weissen See gelaufen, wieder mit der Natur verbunden, ist alles Störende von mir abgefallen.

 

Das größe DANKESCHÖN gibt es aber dafür, dass es mir jetzt wieder gut geht, dass ich ein Lächeln in meinem Gesicht habe und ich nun ganz entspannt und friedlich schlafen gehen kann.

DANKE für diesen Tag!

 

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Blitzlicht #7 und das Beste vom Tag

Unter der Kategorie „Blitzlicht“ schreibe ich  nach jeder Therapiestunde, einen Gedanken, eine Situation, einen Satz oder irgendetwas, was mir „danach“  noch im Kopf herumgeistert und ein Ventil braucht.
Es ist die Therapie, auf die ich solange gewartet habe, weil ich glaube, dass sie mir hilft, mit der Diagnose „Depression“ vernünftig umzugehen und große Abstürze in kleine verwandelt.

Heute erstmal geklärt, was die letzte Stunde der Risikoforschung mit mir zu tun hat.

Seine Antwort: Er wollte mir sagen, dass die Ängste, die wir wahrnehmen, meist nicht realistisch sind und er mir dies auch an der Risikoforschung zeigen wollte.

Ok, abgehakt.

Während der Therapiestunde hatte ich zwei Anrufe.
Da das Handy lautlos gestellt war, sah ich es erst hinterher.
Es war J.

Er fragte, ob ich Zeit für eine Tasse Kaffee hätte, er sei in der Nähe.
Wir haben uns in einem Cafe in getroffen und es wurde ein sehr, sehr schöner Nachmittag.
J. zeigte sich genau von der Seite, die ich an ihn liebte.

ABER: (Ich bin ganz stolz auf mich) ich konnte es abgrenzen.

Ja, das ist das Beste an diesem Tag, eine schöne Stunde, von der ich wusste, dass es eben nur diese eine Stunde ist, sie genießen und das gute Gefühl mitnehmen konnte.

Keine Träne, keine Zweifel, kein Rückwärtsgang, keine Vorwürfe, kein Streit, keine Tavor nötig.

DANKE

 

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Das Beste von gestern und heute 19. August 2017

Wer hier fleißig mitliest, weiß, dass ich gestern Nachmittag eine Verabredung hatte.
Hatte es vergangenen Montag erwähnt und was das für mich bedeutet.

Nunja, meine Euphorie ist inzwischen etwas gedämpft.
Ja, es hat geklappt.
Ja, es hat nicht geregnet.
Ja, wir hatten  Kaffee und leckeren Kuchen im Grünen.

Aber das Gespräch lief schleppend, mit Kunstpausen drin.
N. fühlte sich nicht wohl, war sehr erkältet und hatte eine dicke Strickmütze auf dem Kopf, mitten im August.
So sah man uns unseren Dachschaden schon äußerlich an und ließ mich innerlich schmunzeln.
Nach einer Stunde haben wir uns wieder getrennt mit den völlig unverbindlichen Worten: Man sieht sich wieder im Offenen Treff…

Naja, vielleicht bin ich wirklich so ein Ekelpaket, mit dem keiner etwas zu tun haben möchte.
Es war ein Versuch.

Da es mir seit Dienstag sowieso nicht so gut geht, hat mich das weiter nach unten gezogen.
Heute Vormittag war es sogar soweit, dass die ersten Suizidgedanken wieder auftauchten, dieses „Was-soll-das-alles-hier-Gefühl“.
Nein, das  will ich nicht…
Ich will einfach nicht, dass es mir wieder so sehr schlecht geht und habe überlegt, wo ich denn hinfahren könnte, heute Nachmittag, was mir gut tut.
Denn das habe ich inzwischen begriffen, dass man bewusst gegen steuern kann.

Und ich habe mir mein Hundemädchen  gegriffen und bin mit ihr wieder in den Tierpark gefahren.
Und, und, und:
Es tat mir sooo gut!
Es war genau richtig.
Im Tierpark war heute Schlossfest.

Normalerweise meide ich Menschenaufläufe.
Heute verlief sich das irgendwie und es waren überall Menschen in „Schlosskostümen“ zu sehen, die tanzten und musizierten.
Insgesamt eine Atmosphäre, die einfach nur gut tat.
Fotos habe ich davon nicht gemacht, sie hätten bei weitem nicht diese Atmosphäre einfangen können, auch weiß ich nicht, inwieweit ich sie urheberrechtlich in meinen Blog setzen kann.

Nur einen Wermutstropfen gab es: Das Stück Käsekuchen schmeckte fürchterlich, irgendwie nach Zwiebel.

Dem Bienchen hat es aber dann doch geschmeckt.

Ja, Tiere gab es dann auch noch im Tierpark zu sehen, so nebenbei 😉

 

 

Und nun, nun geht es mir wieder besser.

Deshalb ein dickes Dankeschön an:

  • N., für das schöne Kaffeetrinken im Park trotz Erkältung.
  • den, der dafür gesorgt hat, dass es gestern trotz großen Ankündigungen durch alle Wetterprognosen genau in dieser Zeit nicht geregnet hat und wir unter einem Baum im Grünen sitzen konnten.
  • den Organisatoren des Schlossfestes im Tierpark für diese ganz tolle Atmosphäre
  • allen Tierpflegern, die sich um die Tiere kümmern
  • an den Architekten des Tierparks, dass dieser sich nach der Wende so wunderbar entwickelt hat.
  • an den ehemaligen Tierparkchef, auf den es zurückzuführen ist, dass man Hunde mit in den Park nehmen darf, im Zoologischen Garten (Berlin-West) darf man das nämlich nicht.
  • und wieder an dem, der für das tolle Wetter verantwortlich ist, super 22 Grad mit Sonne und ein paar Wolken.
  • an die BVG, die mich und mein Hundemädchen wieder gesund nach Hause gebracht hat.
  • an meine Tochter, die mir endlich meinen Akkuschrauber wieder gebracht hat.
  • an Katrin.  Sie hat mir heute in den Kommentar vom Blitzlicht Nr. 4 geschrieben, dass es ihr ähnlich mit den Beginn von Therapiestunden ging und mir somit das Gefühl gab, dass ich doch nicht ganz unnormal bin.
  • und letztendlich an meinen Schöpfer, der wohl bei allem seine Finger mit im Spiel hatte.

DANKE

 

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Das Foto von heute … Schienenersatzverkehr

In den Schulferien wird oft am Schienennetz der Tram gebaut.
Dieses Mal auf den Weg zum Offenen Treff:

Warten auf den Schienenersatzverkehr …

Mit Mückenpflaster auf den Beinen 😀

 

 

Und … und … und … ich habe die allererste Verabredung seit ich im Januar hier gestrandet bin.
Der erste neue Sozialkontakt außerhalb des geschützten Raumes der KBS (Kontakt- und Beratungsstelle)
Ich könnte auch neudeutsch „date“ sagen, aber das hört sich so nach neuer Beziehung an.
Nein, das ist es nicht.
Nur einfach so.
Ich weiß nicht mal, ob daraus eine Freundschaft werden könnte, aber das ist jetzt auch nicht wichtig.
Wichtig ist, dass es überhaupt eine Verabredung gibt, mit einem Menschen, der mich nur so bekloppt im Kopf kennt, wie ich momentan bin, da es sich im Offenen Treff ergeben hat.
Ich habe diesen verdammten Rechtfertigungsdruck nicht.
Ich muss nichts erklären.
Ich bin wie ich bin.

Ich bin total happy, weil es wieder ein kleiner Schritt in die richtige Richtung ist, egal was daraus wird.
Deshalb schicke ich ein riesengroßes Dankeschön in Richtung Himmel!
Der Termin ist Freitag im Botanischen Garten.

(Haltet alle ganz dolle den Daumen, dass es nicht regnet…)

 

                             

 

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