Blitzlicht #19

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Unter der Kategorie „Blitzlicht“ schreibe ich  nach jeder Therapiestunde, einen Gedanken, eine Situation, einen Satz oder irgendetwas, was mir „danach“  noch im Kopf herumgeistert und ein Ventil braucht.
Es ist die Therapie, auf die ich solange gewartet habe, weil ich glaube, dass sie mir hilft, mit der Diagnose „Depression“ vernünftig umzugehen und große Abstürze in kleine verwandelt.

Ja, er [der Therapeut] hat es wieder geschafft, aus meinem großen Berg, den ich schon wieder gesehen habe, viele kleine gemacht und ich bin wieder etwas zuversichtlicher, es gut zu schaffen.
Vielleicht.
Bestimmt.

Dann sind wir (rein theoretisch) auf das Thema Suizid gekommen.

Ich weiß nicht, ob er wirklich so denkt oder es so sagen muss, um von vornherein bei seinem Gegenüber (Patienten) den Wunsch schon im Keim zu ersticken.
Ich bin der Meinung, dass Depressionen eine sehr schwere Krankheit ist, die unter Umständen tödlich endet.
Wenn durch schlimme Umstände man in die Lage kommt, aus der man keinen Ausweg mehr sieht, in schwere Depressionen fällt, kann man in die extreme Lage rutschen, wo der Tunnelblick einsetzt.
Dann sieht man nichts mehr.
Nur noch Tunnel, wo am Ende nur diese eine Lösung steht.
Suizid.
Man ist unfähig, noch irgendetwas anderes zudenken und zu fühlen.
Man will nur noch, dass das endlich alles aufhört, aufhört, aufhört.
Keine Wahl.
Kein rechts und links, nur noch diese EINE Lösung.

Ich denke, wer noch nie in so einer Situation war, kann sich kein Urteil darüber erlauben.

Mein Therapeut sagt, auch in dieser Situation hat man immer noch die Wahl, in eine Klinik zu gehen.
Nein, hat man nicht.
Man will nicht in ein Mehrbettzimmer unter 24-Stunden-Beobachtung,man hat keine Kraft mehr zum Kämpfen, man will einfach nur endlich Frieden, Ruhe, weg von allem.
Er meinte, man solle doch an die Angehörigen denken, die dann damit leben müssten.
Nein, daran denkt man nicht, sie sind einem in dieser Situation egal.
Nicht existent.
Ganz egal.

Das alles ist keine bewusst herbeigeführte Situation.
Es ist der Gipfel der Erkrankung.
Der tödliche Ausgang.

Nicht jede Depression endet so.
Die meisten nicht.
Aber immerhin gibt es in Deutschland 10.000 Suizidversuche, die tödlich geendet haben.
Wie viele es gibt, die überleben, weiß ich nicht, dürfte aber deutlich höher liegen.

Nein, gutes Thema.
Was mich irritiert ist, dass selbst der Therapeut für das ausweglose Empfinden kein Verständnis hat.
Oder ob er mir nur all die Dinge gesagt hat, um mir einen potentiellen Suizidversuch auszureden?
Nein, ich bin nicht suizidgefährdet.
Aber ich war es.
Es war knapp.
Heute hier also nur eine theoretische Abhandlung.

Seit einem Jahr gehe ich zur Therapie.
Nun bin ich am Ende der Stundenzahl angekommen.
Aber Herr M. wird noch einmal 35 Stunden bei der Krankenkasse beantragen.
Das beruhigt mich, nicht von jetzt ab ohne Hilfe durch den Alltag zu schlürfen.
Ich mag gar nicht daran denken, dass ich das irgendwann  muss.
Aber vielleicht bin ich dann auch dazu in der Lage.
Vielleicht bauche ich diese Hilfe dann nicht mehr.
Jetzt aber schon.

Ein dickes Dankeschön an Herrn M.!

 

*     *     *     *     *

 

Blitzlicht #18 – Prinzip Hoffnung

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Unter der Kategorie „Blitzlicht“ schreibe ich  nach jeder Therapiestunde, einen Gedanken, eine Situation, einen Satz oder irgendetwas, was mir „danach“  noch im Kopf herumgeistert und ein Ventil braucht.
Es ist die Therapie, auf die ich solange gewartet habe, weil ich glaube, dass sie mir hilft, mit der Diagnose „Depression“ vernünftig umzugehen und große Abstürze in kleine verwandelt.

Nun ist es schon 2 Tage her, die letzte Therapiestunde, die ich so sehr herbeigesehnt habe, weil es meiner Psyche zur Zeit gar nicht gut geht, getriggert von Dingen, die ich nicht erwartet habe. 2 Tage habe ich gebraucht, um in meinem Kopf zu sortieren.

Ja, die Stunde war gut, mein Therapeut hat mich verstanden, wie immer sieht er sofort, was los ist. Ich saß dieses Mal zusammengehockt vor ihm mit Tränen in den Augen und habe etwas von großer Katastrophe gefaselt.

Er versucht dann, den Knäuel aufzutrotteln.

Heute hat er das gemacht, in dem er mir von zwei fast vergleichbaren Erlebnissen aus seinem privaten Leben erzählt hat. Das brachte mich in die Situation, objektiv von außen zu sehen, ohne großen schwarzen Klumpen im Kopf und Hals.

Verabschiedet haben wir uns mit seinen Worten, dass

  • es keine große Katastrophe ist,
  • sogar eine große Chance dahinter steht, die sich sonst nie ergeben hätte
  • ich mich für gar nichts zu entschuldigen hätte, weil all das, was ich gefühlt und geschrieben habe, für mich wahr ist, meine innere Wahrnehmung in den entsprechenden Situationen, auch wenn es für andere auch eine andere Seite gibt,  eine andere Wahrheit.
  • Letzter Punkt ist: Reden, reden und aufklären ist 100x besser als apathisch auf dem Sofa sitzen. (Ich ahnte es, nein, ich wusste es, dass er genau das sagt).

Ich hoffe, dass ich die Kraft finden werde.

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PS: Ich weiß, ich schreibe in Rätseln, aber eine klare Ansage, dazu bin ich nicht in der Lage.

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Nein, es wird kein Jammer-Blog, auch wenn sich das hier so liest. Ich werde weiterschreiben mit den schönen Dingen, die ja auch passieren und ich mit Achtsamkeit auch entdecken werde.

 

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Blitzlicht #17 – Familienhierachie

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Unter der Kategorie „Blitzlicht“ schreibe ich  nach jeder Therapiestunde, einen Gedanken, eine Situation, einen Satz oder irgendetwas, was mir „danach“  noch im Kopf herumgeistert und ein Ventil braucht.
Es ist die Therapie, auf die ich solange gewartet habe, weil ich glaube, dass sie mir hilft, mit der Diagnose „Depression“ vernünftig umzugehen und große Abstürze in kleine verwandelt.

Gestern Vormittag hatte ich wieder eine Therapiestunde.
Dieses Mal ging es um die „Familien-Hierarchie“.

Eine Hierarchie, hält man sie ein, schafft einen gesunden Familien-Verband, wenn jeder seinen Platz kennt und akzeptiert.

Die Prioritätensetzung ist wichtig. Ganz wichtig.
Die Priorität Nr. 1 soll immer der jeweilige Partner haben, uneingeschränkt.
Dann kommen die Kinder, sie besetzen die Nr. 2, 3, …..
Danach ist es variabel, es können die Eltern sein, es können Freunde, Kollegen oder sonstwer sein.

Als Mutter ist es viel und normal, wenn man unter den ersten 10 dabei ist.

Er sagt nun: Mein Problem ist, dass ich keine Priorität Nr. 1 habe, auch keine 2 oder 3 ….
Partner weg, Kinder weg.

Und jeder ist auf der Suche nach seiner Nr. 1, sagte er weiter.
Diese Theorie habe ich kopfmäßig verstanden.

Gestern Nachmittag und heute früh hat sich aber das Bauchgefühl breitgemacht: Ich bin verdammt nochmal ALLEIN.  Der Gedanke daran, zieht mir den Boden unter den Füßen weg.

Und genau das wollte der Therapeut damit nicht sagen, sondern einfach nur, dass meine Tochter  und ihr Mann alles richtig machen. Mein krankes Hirn schlägt Purzelbäume.

Das es bei mir so nach hinten losgeht…

Wo findet man seine Nr. 1, wenn man keinen Partner mehr möchte?`Freunde?

Freundschaften sind auch schwierig, sagt man doch „Depressionen fressen Beziehungen auf“. Und außerdem, wenn der Freund oder Freundin eine eigene Familie hat, sind die ersteren Plätze auch belegt.

Wo ist sie, meine Nr. 1? Es wäre so wichtig, jemanden zu haben, der uneingeschränkt da ist?

Ich weiß im Moment gerade nicht, wie es weitergehen soll und kann…

 

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So, da bin ich wieder – Blitzlicht #16

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Unter der Kategorie „Blitzlicht“ schreibe ich  nach jeder Therapiestunde, einen Gedanken, eine Situation, einen Satz oder irgendetwas, was mir „danach“  noch im Kopf herumgeistert und ein Ventil braucht.
Es ist die Therapie, auf die ich solange gewartet habe, weil ich glaube, dass sie mir hilft, mit der Diagnose „Depression“ vernünftig umzugehen und große Abstürze in kleine verwandelt.

Nun bin ich wieder da, nachdem ich eine Woche wieder abgestürzt bin.
Nein, nein, nicht der Rechner.
Die Psyche wars.
Wie immer.

Der Auslöser war eine ganz einfache nette WhatsApp-Nachricht meiner Tochter, die mich fragte, ob ich denn am Wochenende in ihrem neuen Haus gucken kommen mag.
Klingt doch gut, nicht wahr?
Aber für mein Seelchen war es die Katastrophe.
Ich mag das jetzt nicht weiter erklären, wollte meinen Müll im Kopf auch nicht in dem Blog auskippen.
Es soll kein Jammer-Blog werden.
Das heißt, Rückzug, Sofa-Ecke, Fernseher an und Tablet spielen.
Stundenlang, tagelang, zu nichts anderem mehr fähig.

Aber nun bin ich wieder hier, auch dank meines Therapeuten.
Er hat gestern meinen Kopf wieder gerade gerückt.
Ich bin ihm so dankbar!

Nun die neue Aufgabe von ihm für die nächsten 2 Wochen: Konzentration auf das Gute, das Dankbare, das Neue.
Und das ist ja wieder etwas für meinen Blog.
Ich werde jetzt also neben meinen „Postkästen“ auch die Kategorie „Das Beste vom Tag“ herauskramen und schreiben, jeden Tag, jeden Abend – mal sehen, ob es klappt.

Hachja, hätte ich auch selbst drauf kommen können, aber wenn man im dunklen Loch sitzt mit Tunnelblick, kriegt man das nicht hin.

Ud dafür sind sie ja da, die Therapeuten.

 

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Blitzlicht #15

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Unter der Kategorie „Blitzlicht“ schreibe ich  nach jeder Therapiestunde, einen Gedanken, eine Situation, einen Satz oder irgendetwas, was mir „danach“  noch im Kopf herumgeistert und ein Ventil braucht.
Es ist die Therapie, auf die ich solange gewartet habe, weil ich glaube, dass sie mir hilft, mit der Diagnose „Depression“ vernünftig umzugehen und große Abstürze in kleine verwandelt.

Und wieder war ich ein paar Tage nicht hier. Es ist eingetreten, wovor ich mich so sehr gefürchtet habe.

Ich bin abgestürzt.

Dabei sah es gar nicht so danach aus. Ich war dann doch noch guten Mutes bis mir meine Tochter ein Karton mit alten Fotos gebracht hat.

Das war der Auslöser, der Trigger.

Es ging nichts mehr.

Gott sei Dank hatte ich am Dienstag eine Therapiestunden.
Herr M. hat den Resetknopf bei mir drücken können.
Alles auf Null, ich fange wieder von vorn an.
Was jetzt wie eine Negativnachricht klingt, ist für mich der Ausweg: ich kann von vorn anfangen, ich muss nicht in meinem dunklen schwarzen Loch hocken bleiben.
Das, was mir damals (vor einem halben Jahr) geholfen hat, soll es jetzt wieder tun.

Achtsamkeit.

Ich werde wieder laufen, laufen mit meiner kleinen Kamera und achtsam sein, was mir vor die Linse kommt.
Ich habe mir Briefkästen ausgeguckt.
Ich werde jeden Tag einen Briefkasten suchen, den ich fotografieren kann.
So will ich wieder beginnen.
Ich werde es wieder schaffen-

Ganz bestimmt.

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Blitzlicht #14

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Unter der Kategorie „Blitzlicht“ schreibe ich  nach jeder Therapiestunde, einen Gedanken, eine Situation, einen Satz oder irgendetwas, was mir „danach“  noch im Kopf herumgeistert und ein Ventil braucht.
Es ist die Therapie, auf die ich solange gewartet habe, weil ich glaube, dass sie mir hilft, mit der Diagnose „Depression“ vernünftig umzugehen und große Abstürze in kleine verwandelt.

Gestern Nachmittag war ich wieder „drüben“.
„Drüben“ heißt über die Straße.
Dort wo meine Tochter mit ihrer Familie nun noch 13 Tage wohnt.
Noch 13 Tage, dann sind sie weg und ich weiß nicht, wann ich sie wieder sehen werde.

Nein, sie bevölkern nicht den Mars.
Aber für mich ist es mars-ähnlich in dem Sinne, dass sie für mich mit 2 Hunden mit den Öffis nicht zu erreichen ist.

Und es war so ganz anders geplant. Ich hier in der kleinen Wohnung, sie gegenüber, immer als Sicherheit im Kopf, falls der andere Hilfe benötigt. So wie im vergangenen Jahr mit meinem doppelten Beckenbruch.

So die Idee, so die Absprache.
Und falls Hausbau, dann mit Einliegerwohnung für mich.Das war klar.

Und nun?
Nun ziehen sie weg. Und ich trage schwer damit.
Sie weiß es.

Mittlerweile kann ich zu hören, wenn sie von Wandfarbe reden oder wo der Kamin hin soll, dass eines der Kinderzimmer nur noch 8qm groß ist und die Küche nur aus Unterteilen besteht, weil das Geld für Hängeschränke fehlt.
Ich kann das alles hören, ohne in Tränen auszubrechen.

Aber wenn ich dann wieder in meiner kleinen Wohnung bin, dann bricht es über mir zusammen.

Ja, ich weiß, dass das für Außenstehende schwer verständlich ist.

Im Kopf ist mir auch alles klar, aber wenn man mitten in Depressionen steckt, Psycho-Pillen schluckt und gerade eine Psychotherapie macht, dann sind solche Ereignisse das pure Gift, dann zieht einen das wieder ins Bodenlose.
Dann kann man damit nicht umgehen.
Gar nicht.
Da hilft kein „Reiß dich zusammen, das ist der Lauf der Welt“, „Hab dich nicht so, es gibt wirklich Schlimmeres.“
Weiß ich, hilft aber nicht.
Schafft man nicht. Schaffe ICH nicht.

Das erinnert mich an eine Frau aus der Selbsthilfegruppe. Sie hat ein Grundstück von 3000qm und muss nun nach einer neuen Vermessung 200qm an den Nachbarn abgeben. Sie braucht die 200qm nicht, es ist nur ein kleiner Streifen. Und trotzdem ist es für sie so schlimm, dass sie nur aufgelöst und weinend in der Gruppe sitzt.

Depressionen haben nichts mit den objektiven Dingen zu tun.
Gar nichts.

Das vegetative Nervensystem spielt verrückt, es ist nicht zu kontrollieren.

*     *      *     *

Und heute hat ich wieder eine Therapiestunde.
Natürlich war das wieder DAS Thema, MEIN Thema.
Und wieder fand mein Therapeut Worte, die mich aufgerichtet haben, nachdem ich all das, worüber ich mir Sorgen mache, ihm vor die Füße geworfen habe.
Er trifft es bei mir immer auf DEN Punkt, dass ich wieder zuversichtlich seine Räume verlasse.

Nein, es ist nicht allein sein Uni-Wissen, sondern auch seine menschliche Erfahrung und im konkreten Fall haben seine Kinder vor einem dreiviertel Jahr genau das gleiche gemacht.

Ich war also willkommen im Club.

DANKE Herr M.!

 

*     *     *      *      *

 

Blitzlicht #13

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Es ist die Therapie, auf die ich solange gewartet habe, weil ich glaube, dass sie mir hilft, mit der Diagnose „Depression“ vernünftig umzugehen und große Abstürze in kleine verwandelt.

Gestern Vormittag hatte ich wieder so eine Therapiestunde.

Ich habe u.a. das Problem unserer Selbsthilfegruppe angesprochen. Ich war sehr gespannt, was er so als „Spezialist“ dazu zu sagen hat.

Seine Meinung:

  1. Es wäre unfair, wenn sie die Gruppe verlassen müsste.
  2. Schlechteste Lösung: Sie zieht sich zurück und kommt nicht mehr
  3. Zweitschlechteste Lösung (oder zweitbeste?), die ich spontan favorisiert hatte: Wir gründen eine neue Gruppe.
  4. Beste Lösung: Sie kann lernen, dass A, was auch immer an ihm sie getriggert hat, doch ein netter Mensch ist. Auf jeden Fall sollte in der Gruppe drüber gesprochen werden.

Nun bin ich ja relativ neu in der Gruppe und sowas wie der 5. Radiergummi. Ich kann nur ganz vorsichtig anfragen, ob T. damit einverstanden ist, dass darüber gesprochen wird. Mehr liegt nicht in meiner Macht.

Ein Dankeschön an den Therapeuten, der mir somit meine Grübelei genommen hat und es nun in meinem Kopf klarer wird.

DANKE

 

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Blitzlicht #12

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Es ist die Therapie, auf die ich solange gewartet habe, weil ich glaube, dass sie mir hilft, mit der Diagnose „Depression“ vernünftig umzugehen und große Abstürze in kleine verwandelt.

Ja, gestern war wieder so eine Therapiestunde.

Ich habe dem Therapeuten meine Advents- und Weihnachtsphobie vor die Füße geworfen.

Habe ihm erzählt, dass ich am liebsten mich für die nächsten 4 Wochen unter die Bettdecke verkriechen würde.

Ich habe Angst, dass es bei mir wieder abwärts geht bei den ganzen Weihnachtsdruck, überall geschmückte Bäume, dudelnde Musik, Lichterketten in Unmengen, Kaufwerbung ohne Ende, Adventsveranstaltungen in jeder Gruppe, alles ganz feierlich, es lebe die Familie, es lebe die Liebe … und ich sitze allein zu Hause und getraue mich nicht mal den Fernseher anzuschalten.

Was soll ich tun?

Für einen Therapeuten sicherlich der Klassiker.

Er hat mir zuerst erklärt, dass dieses schwarz-weiß-Denken absolut schädlich ist, weil es schwarz weiß nicht gibt.

Nie.

Dann haben wir alles aufgedröselt und ich bin erleichtert nach Hause gegangen mit den Gedanken, dort alles in Päckchen zu verpacken.

Zum Beispiel das Päckchen „Weihnachtsdekoration zu Hause“ oder „Adventsveranstaltungen“ oder „Kirchenbesuche“ oder „Fernsehsendungen“ oder „Geschenke kaufen“ oder oder oder.

Zu jeden Päckchen kann ich dann ja oder nein sagen. Tun oder lassen.

Das kommt dann meinem Bedürfnis nahe, in „alles oder nichts“ zu denken, hat aber nicht die Generalverweigerung.

Ich kann ggf. so ein Päckchen auch noch mal aufschnüren und einzeln mit Ja oder Nein bewerten.

Dieses Bild der Päckchen ist perfekt für mich und hilft mir sehr, deshalb bekommt mein Therapeut wieder ein dickes

DANKESCHÖN

von mir.

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Blitzlicht #11

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Unter der Kategorie „Blitzlicht“ schreibe ich  nach jeder Therapiestunde, einen Gedanken, eine Situation, einen Satz oder irgendetwas, was mir „danach“  noch im Kopf herumgeistert und ein Ventil braucht.
Es ist die Therapie, auf die ich solange gewartet habe, weil ich glaube, dass sie mir hilft, mit der Diagnose „Depression“ vernünftig umzugehen und große Abstürze in kleine verwandelt.

Mir ging es in letzter Zeit nicht wirklich gut und habe den heutigen Therapeuten-Termin regelrecht herbeigesehnt.
Nachdem ich meinen ganzen momentanen Seelenmüll vor ihm ausgekippt hatte, nahm er ein weißes Blatt Papier und sagte zu mir: „Aus Sicht der Verhaltenstherapie tröselt man es so auf: (hatte ich doch schon erwähnt, dass er sehr wissenschaftsverliebt ist).

Ich dachte mir: Nein, jetzt nicht irgendwelchen Theorie-Kram.
Was soll ich denn damit?
Er  erzählte mir etwas von einer Mikro- und Makrosituation, von  Zusammenhängen von kognit, Emotionen, Verhalten, Lebenssituationen, Problemverhalten und kurz- und langfristigen Konsequenzen.
Hinter all den Begriffen schrieb er meinen ganzen Müll, den ich vor ihm abgeladen hatte.

Was soll ich sagen?
Es war verdammt nochmal genau der richtige Ansatz für mich.
Ich konnte jetzt auf diesem Blatt Papier alles besser sehen und richtiger einordnen.

Am Ende dieser Stunde hatte ich das großartige Gefühl, dass ich aus dieser von mir ausweglosen Spirale herauskomme.
Irgendwann.
Wenn ich dran bleibe.
Nicht aufgebe.
Dann kann ich es schaffen.
Mit seiner Hilfe.

Dafür bekommt er heute eine dickes

Dankeschön

Und seine Wissenschaftsverliebtheit hat mir heute so sehr geholfen.

Ich bin so froh, ihn als meinen Therapeuten gefunden zu haben.
Danke, an wen auch immer.

 

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Blitzlicht #10

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Unter der Kategorie „Blitzlicht“ schreibe ich  nach jeder Therapiestunde, einen Gedanken, eine Situation, einen Satz oder irgendetwas, was mir „danach“  noch im Kopf herumgeistert und ein Ventil braucht.
Es ist die Therapie, auf die ich solange gewartet habe, weil ich glaube, dass sie mir hilft, mit der Diagnose „Depression“ vernünftig umzugehen und große Abstürze in kleine verwandelt.

Nach 3 Wochen Urlaubspause  hatte ich heute Vormittag wieder einen Therapie-Termin.

Und ich konnte darüber berichten, was aus meiner Spielrunden-Idee geworden ist.
Er war schlichtweg begeistert von meiner Aktion.
Es ist auch völlig in Ordnung, dass es beim ersten Mal nicht alles 100% passte.
Er fragte mich, ob ich möchte, dass er mir ein Kartenspiel zeigt für 2-6 Personen.
Ich nickte und er lief sogleich zu seinem Spieleregal und kam Skip-Bo zurück.
Er erklärte mir kurz die Spielregel und wir spielten 2 Runden damit.
Ich fand das total in Ordnung und habe mich gefreut.
Vermutlich spielt er genauso gern wie ich.
Heute halt mal für 10 Minuten auf Kosten der Krankenkasse.
Ein Dankeschön an die Krankenkasse!

Ich habe Herrn M. auch von meinen Lieblingsautisten erzählt, dass wir gestern im Tierpark waren.
Daraufhin hat er mir ganz viel über Autismus erklärt, was sich da im Kopf abspielt.
Das hat mir echt geholfen, manche Reaktionen nachträglich zu verstehen, was mir gestern irgendwie rätselhaft erschien.
Auch dass vieles angelernte Reaktionen sind, die er selbst nicht empfindet, aber für ihn wichtig sind für soziale Kontakte.
Gut für mich zu wissen, dass ich nicht dauernd dumm nachfragen muss, was er gar nicht verstehen kann.
Er weiß es schlichtweg einfach nicht.

Ein Beispiel ist, dass ich mal erwähnt habe, dass der jüngste Kelly-Family-Spross seine eigene Kelly-Family gegründet hat und nun mit dieser genau wie sein Vater Straßenmusik macht.
Abends hat er sich dann an den Rechner gesetzt und alle Geburtsdaten und Namen dieser neuen Kelly-Family auswendig gelernt.
Mit diesem Wissen kam er dann wieder zu mir und ich habe gar nicht weiter darauf reagiert, weil, sowas muss ich nicht wissen.
Neee.
Aber nun weiß ich, dass das seine Art ist mit Menschen zu kommunizieren, weil er dann gelobt wird, weil das genau seine Stärken sind.
Dann wird er wahr genommen.

Wieder zu Hause, habe ich mir das Kartenspiel Skip-Bo bestellt und gleichzeitig den Film „Rain Man“.
Ich hatte ihn ja schon einmal gesehen, kann mich aber an Einzelheiten nicht mehr erinnern.
Bei Amazon gab es die DVD für nur 4,45€.
Nun also nochmal mit ganz anderen Augen anschauen.

Kurz gesagt, mein Therapeut bekommt heute zwei ganz große, dicke Dankeschön-Sternchen.
Auch so kann Hilfe aussehen.

*     *     *     *     *

 

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