Blitzlicht #23

Unter der Kategorie „Blitzlicht“ schreibe ich  nach Therapiestunden in loser Folge einen Gedanken, eine Situation, einen Satz oder irgendetwas, was mir „danach“  noch im Kopf herumgeistert und ein Ventil braucht.
Es ist die Therapie, auf die ich solange gewartet habe, weil ich glaube, dass sie mir hilft, mit der Diagnose „Depression“ vernünftig umzugehen und große Abstürze in kleine verwandelt.

Heute mal wieder etwas in Sachen Therapiestunden.
Gestern ging es mir echt schlecht.
Ich hatte diese ganzen vegetativen Nervendinger wie Schweißausbrüche, Schwindel, Übelkeit, Herzklopfen, Trigeminus-Schmerzen, also diese ganze Bandbreite.
Ich habe es einfach aufs Wetter geschoben, April halt – Wechsel zwischen Sonne und Hagel mit ner ganzen Portion Wind dazwischen.
Erst spät am Abend stellte ich fest, dass ich meine morgendlichen Medikamente nicht genommen hatte.
Autsch.
Nun am Abend die Chemiekeulen vom Morgen zusätzlich zu nehmen, erschien mir nicht sinnvoll.
Ich hatte dann etwas aus meinem Erfahrungsschatz herumvariiert, so dass ich einigermaßen gut durch die Nacht kam.
Natürlich ging es mir auch heute Morgen noch nicht wirklich gut, hatte aber eine Therapiestunde.
Da musste und wollte ich hin.
Und saß dort wie ein Häufchen Unglück und hab dann mal gleich den Satz vorweg gesetzt, dass ich denn heute einfach mal jammere, dass es mir nicht gut geht und ich in letzter Zeit sowieso mich immer mehr unter meine Glocke zurückziehen möchte, geschützt vor allem Bösen, mich einigeln in mich selbst.
Wieder eine Hecke um mich herum.
Ja, ich weiß, dass das nicht gut ist und blickte hilfesuchend zu meinem Therapeuten hin der Hoffnung, dass er mir weiterhelfen kann, wie eigentlich immer.
Und er konnte.
Ich weiß nicht, wie der Mann es schafft, aber er bringt mich jedes Mal dazu, dass ich seine Praxisräume wieder so verlasse, als scheint in meinem Herzen die Sonne.
Nein, er hat nicht gesagt, was ich machen soll.
Nein, er hat nicht gesagt, dass ich etwas an meinen Medikamenten ändern soll.
Nein, er hat mir keinen Spickzettel mitgegeben, auf den meine künftigeTagesabläufe stehen oder sonstigen Projekte, keine Überweisungen zu nichts.
Und nein, er hat nichts von meinen äußeren Bedingungen geändert.
Keine Geheimwaffe, kein Wundermittel, kein gar nichts.
Und trotzdem gehe ich aus seiner Sprechstunde wie ausgewechselt.
Das ist sein Job.
Das weiß ich.
Und ich möchte in das ganze Internet-Universum meine Dankbarkeit hinausbeamen, dass es jeder weiß, dass es noch solch großartigen Menschen gibt.
Und falls jetzt jemand meint, ich wäre gerade umgepolt von depressiv zu manisch – dem kann ich beruhigen, ich bin nicht manisch oder euphorisch, wie es andere nennen mögen, nur sehr sehr dankbar und ich weiß, dass es wie ein Sechser im Lotto ist, einen Psychotherapeuten zu haben, der genau zu einem passt, der einen ein Stück des Lebens begleitet bis man wieder allein laufen kann.

o  o  o  o  o

3 Gedanken zu “Blitzlicht #23”

  1. Wow, super. Möglicherweise bist Du auch selbst an dieser Verbesserung „schuld“, indem Du nämlich trotz Schmerzen, Schwindel, Übelkeit und was nicht alles raus gegangen bist! Denn das ist mindestens die Hälfte der Wahrheit: Du selbst gehörst zu den wunderbaren Menschen. Merkste was?

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