Blitzlicht #19

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Unter der Kategorie „Blitzlicht“ schreibe ich  nach jeder Therapiestunde, einen Gedanken, eine Situation, einen Satz oder irgendetwas, was mir „danach“  noch im Kopf herumgeistert und ein Ventil braucht.
Es ist die Therapie, auf die ich solange gewartet habe, weil ich glaube, dass sie mir hilft, mit der Diagnose „Depression“ vernünftig umzugehen und große Abstürze in kleine verwandelt.

Ja, er [der Therapeut] hat es wieder geschafft, aus meinem großen Berg, den ich schon wieder gesehen habe, viele kleine gemacht und ich bin wieder etwas zuversichtlicher, es gut zu schaffen.
Vielleicht.
Bestimmt.

Dann sind wir (rein theoretisch) auf das Thema Suizid gekommen.

Ich weiß nicht, ob er wirklich so denkt oder es so sagen muss, um von vornherein bei seinem Gegenüber (Patienten) den Wunsch schon im Keim zu ersticken.
Ich bin der Meinung, dass Depressionen eine sehr schwere Krankheit ist, die unter Umständen tödlich endet.
Wenn durch schlimme Umstände man in die Lage kommt, aus der man keinen Ausweg mehr sieht, in schwere Depressionen fällt, kann man in die extreme Lage rutschen, wo der Tunnelblick einsetzt.
Dann sieht man nichts mehr.
Nur noch Tunnel, wo am Ende nur diese eine Lösung steht.
Suizid.
Man ist unfähig, noch irgendetwas anderes zudenken und zu fühlen.
Man will nur noch, dass das endlich alles aufhört, aufhört, aufhört.
Keine Wahl.
Kein rechts und links, nur noch diese EINE Lösung.

Ich denke, wer noch nie in so einer Situation war, kann sich kein Urteil darüber erlauben.

Mein Therapeut sagt, auch in dieser Situation hat man immer noch die Wahl, in eine Klinik zu gehen.
Nein, hat man nicht.
Man will nicht in ein Mehrbettzimmer unter 24-Stunden-Beobachtung,man hat keine Kraft mehr zum Kämpfen, man will einfach nur endlich Frieden, Ruhe, weg von allem.
Er meinte, man solle doch an die Angehörigen denken, die dann damit leben müssten.
Nein, daran denkt man nicht, sie sind einem in dieser Situation egal.
Nicht existent.
Ganz egal.

Das alles ist keine bewusst herbeigeführte Situation.
Es ist der Gipfel der Erkrankung.
Der tödliche Ausgang.

Nicht jede Depression endet so.
Die meisten nicht.
Aber immerhin gibt es in Deutschland 10.000 Suizidversuche, die tödlich geendet haben.
Wie viele es gibt, die überleben, weiß ich nicht, dürfte aber deutlich höher liegen.

Nein, gutes Thema.
Was mich irritiert ist, dass selbst der Therapeut für das ausweglose Empfinden kein Verständnis hat.
Oder ob er mir nur all die Dinge gesagt hat, um mir einen potentiellen Suizidversuch auszureden?
Nein, ich bin nicht suizidgefährdet.
Aber ich war es.
Es war knapp.
Heute hier also nur eine theoretische Abhandlung.

Seit einem Jahr gehe ich zur Therapie.
Nun bin ich am Ende der Stundenzahl angekommen.
Aber Herr M. wird noch einmal 35 Stunden bei der Krankenkasse beantragen.
Das beruhigt mich, nicht von jetzt ab ohne Hilfe durch den Alltag zu schlürfen.
Ich mag gar nicht daran denken, dass ich das irgendwann  muss.
Aber vielleicht bin ich dann auch dazu in der Lage.
Vielleicht bauche ich diese Hilfe dann nicht mehr.
Jetzt aber schon.

Ein dickes Dankeschön an Herrn M.!

 

*     *     *     *     *

 

2 Gedanken zu “Blitzlicht #19

  1. Hallo Weena.
    Hast du ihn das so gesagt, wie man sich fühlt, mit diesem Tunnelblick und nur noch endlich Ruhe haben wollen?
    Ich mein er hat es zwar studiert und mit unzähligen Menschen gearbeitet aber das Gefühl hat er selbst noch nie gehabt.
    Man weiß ja nur selbst wie man fühlt, da kann sich der Gegenüber noch so anstrengen.

    • Genau das meine ich ja. Wie man sich kurz vor einem Suizid fühlt, kann keiner beurteilen, der nicht in dieser Phase war. Da ist kein Gedanke an irgendeinen Menschen, sondern nur noch daran, dass endlich diese Qualen aufhören.

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