Ein falscher Traum von Liebe

Gestern habe ich in der Nähe des Offenen Treffs ein kleines Cafe entdeckt.
Ich habe mich rein gesetzt und für 2,60€ eine Tasse Milchkaffee und Stück Himbeerkuchen bestellt.
Geht also.
Gut, der Himbeerkuchen war fürchterlich sauer.

Ich mag das zur Zeit sehr gern, mich irgendwo in ein Cafe setzen und die Atmosphäre genießen.
Es darf nur nicht voll sein.
Keine Hektik, kein überfordertes Personal.
Alles ruhig und friedlich.
Der Kaffee, der Kuchen und ich.
Vielleicht auch noch ein paar andere Gäste, aber nicht zu dicht.
Ich esse fürchterlich gern Kuchen, Torten und solch ein Süßkram.

Das Beste an gestern war, dass in einer Ecke ein Kiste mit gebrauchten Büchern stand.

 

Ich habe mir eins genommen und angefangen zu lesen.

 

„Ein falscher Traum von Liebe“ von Christine Birkhoff.

Auf dem Buchdeckel steht:

„Vom Vater verprügelt, von der Mutter verachtet: Die kleine Christine ist froh, als ihr neuer Stiefvater Jürgen sich als Erster und Einziger auf ihre Seite stellt. Vielleicht gibt es das noch: Familienglück. Doch Jürgens Liebe ist nicht das, was sie zu sein scheint. Immer öfter will er mit Christine allein sein, immer mehr isoliert er sie von Freunden. Als er in seinem neuen Haus ein „Liebesnest“ für sie einrichtet, beginnt eine Tortur für sie, aus der sie sich erst 20 Jahre später befreien kann. Dass Christine heute ein glückliches Familienleben führt grenzt an ein Wunder.“

Ich habe erst ein paar Seiten gelesen und war schockiert, wie sie als ganz kleines Kind misshandelt wurde.

Und ich habe an meine Kindheit gedacht.
Ich wurde nicht geprügelt.
Ein paar Ohrfeigen vielleicht, wie es damals noch üblich war.
Wenn ich und meine Schwester mittags nicht schlafen sollten und Quatsch gemacht haben, hat meine Mutter schon mal den Teppichklopfer rausgeholt und auf die Bettdecke geschlagen.
Das hat keinem weh getan, unter der Decke merkte man es gar nicht.
Wir haben nur heimlich gegrinst und weiter gegackert.

Ich war ein ruhiges und stilles Kind.
Meine Mutter hat immer stolz allen erzählt, dass ich „so nebenbei“ groß geworden bin.
Ich kann mich aber auch nicht erinnern, dass ich mal von ihr in den Arm genommen wurde.
Nie.
Oder getröstet.
Nie.
Oder gar gesagt, dass sie mich lieb hat.
Nie.
Nein, keine Wertschätzung.
Im Gegenteil.
Ich sollte immer anders, besser werden.
Anderen hat sie dann immer gesagt: „Das wird schon noch…“

Vielleicht liegt es daran, dass ich heute noch gefühlsmäßig glaube, nicht gut genug zu sein, immer besser sein zu müssen.
Ich weiß es nicht.
Ich mache ihr auch keinen Vorwurf, sie ist eine (oder besser, sie war eine) sehr dominante Frau.
Wie ihre Mutter, kannte es also gar nicht anders.
Mein Vater hatte nichts zu sagen.
Er war wie ich.
Still und ruhig.

Nein, ich hatte keine schlechte Kindheit.
Ich wurde nicht schlecht behandelt, verprügelt und gar sexuell missbraucht.
Nur ein bisschen spürbare Liebe, die hat gefehlt…

Ich habe das Buch mitgenommen und werde es lesen.
Ich werde sicherlich an manchen Stellen sehr schockiert sein.
Und ich werde dankbar sein, dass mir soetwas erspart blieb.

DANKE

 

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12 Gedanken zu “Ein falscher Traum von Liebe

  1. Ich habe in der Beschreibung deiner Kindheit sehr viel meiner eigenen wiedererkannt. Zärtlichkeit und Wertschätzung waren mir als Kind fremd. Ich konnte allerdings aus eigener Kraft irgendwann über diesen Schatten springen und hadere auch nicht mehr.

    • Hadern hilft auch nichts, man schadet nur sich selbst. Aber ich habe Verständnis für die, die eine schlimme Kindheit hatten und es nicht verarbeiten können.
      Nein, schlimm war meine Kindheit gar nicht, nur halt lieblos.

  2. Ich finde es beeindruckend, dass Du so dankbar sein kannst und es hier mit uns teilst
    DANKE ♥
    ( das Herzchen entsteht, wenn gleichzeitig die Alt-Taste und die 3 auf dem Nummernblock gedrückt werden)

  3. Oke, ich senf hier schon wieder was hin, weil’s mir jetzt leid tut mit den ganzen Fototips. Weil du unzufrieden schienst, und das – verstehe ich jetzt besser – könnte daher kommen, weil du dich vergleichst, und weil du anscheinend nie ‚gut genug‘ warst als Kind. Deine Fotos sind gut und schön, PUNKT. Passt alles wie’s ist.

    Noch was. Ich hatte im Vergleich mit anderen größtenteils eine super Kindheit. Viele meine Freundinnen wurden geschlagen, Missbrauch ist weit verbreitet, auch psychischer, der oft gar nicht als das erkannt wird, was er ist. Oder emotionale Vernachlässigung, das, was du hier beschreibst. Dieses ’nebenher aufwachsen‘, das kenn ich auch. Ich wurde allerdings in den Arm genommen, ich ‚darf‘ hier also gar nicht jammern.
    Will auch nicht jammern, worauf ich raus will: Was wir als Kinder erlebt haben, war wirklich, und oft war es schmerzvoll. Und obwohl es andern noch schlechter ging, war es trotzdem schmerzvoll für uns als Kind, es war unsere ganze Welt. Und es ist heilsam, das anzuerkennen und diese Erkenntnis zuzulassen. Vielleicht auch zu weinen und/oder wütend zu sein, und/oder das Kleine, das wir mal waren, einzuladen, an die Hand zu nehmen – nimms doch mal mit in den Park oder zum Kaffeetrinken =) Ich mach das manchmal, das ist schön!

    Eya. Sorry. Ich bin mal wieder in meinen Predigerinnen Modus gerutscht. Das Thema beschäftigt mich auch grad sehr, will ich’s mal darauf schieben. Wenn das nervt, diese Kommentare von mir, dann schalt den einfach nicht frei, dann weiß ich bescheid und halt mich zukünftig zurück. X)

    • Das ist ein ganz neuer Gedanke für mich, das kleine Kind an die Hand zu nehmen und mit ihm Kaffeetrinken zu gehen. Das ist eine „Therapieweg“, den ich nicht kenne.

      Sonst kannst du immer wieder sehr sehr gern deinen „Senf“ zu allem abgeben.
      Ich freue mich immer darüber.

      ♥♥♥♥♥ (Hast du noch mehr solche Tricks?)

      • Ich glaub, das fällt unter „Arbeit mit dem inneren Kind“. Wobei ich das Wort „Arbeit“ nicht mag. =) Wirken mit dem inneren Kind.

        Bin ich ja froh, dass meine Kommentare willkommen sind, und ich hab bestimmt noch viele Tricks im Fundus, die zur passenden Zeit aufsteigen mögen. =)
        Oder du meist solche Tricks: ❁ ✩ ☯ ⚓ ⚚ – da helfe ich mir einfach mit Sammeln, Kopieren und Einfügen von Sonderzeichen. =)
        (Das mit der ALT-Taste funktioniert bei mir nicht. Bei dir schon, scheints, hier sind noch mehr: http://wintipps.com/tastenkombination-sonderzeichen/ )

        • Oh danke, ☺ <-- dies ist Alt+1, aber nicht so schön bunt wie bei wintipps. Na, ich werde es schon noch lernen ... ☺☺☺ Dankeschön

  4. ♥ wieder was gelernt! Und mich in der Beschreibung deiner Kindheit auch wiedergefunden. Unsere Mütter konnten nicht anders, sie waren im Krieg Kinder und deren Mütter waren auch Kriegskinder. Ich habe meinen Eltern verziehen und meinen Frieden gemacht. Jedenfalls bin ich ihnen nicht böse, was sie damals an mir ‚verbockt haben‘.

    Zu dem Buch: Ich würde es nicht lesen,. so ein Text belastet mich zu sehr, weil ich auch Missbrauch erfahren habe…

    • Ja, ich denke, ich habe nicht das Recht meine Mutter zu verurteilen. Wie du schon sagst, es waren Kriegskinder und deren Mütter mussten gar durch 2 Kriege. Da hieß es oft, einfach nur zu funktionieren, um zu überleben.
      Da können wir gar nicht mitreden.

  5. Ich erkenne meine Kindheit, wenn ich lese, was du über deine schreibst. Ich war auch nie „gut genug“. Zumindest hat man mir dieses Gefühl gegeben. Immer noch hängt mir dieses Gefühl nach. Ich bin nicht gut genug. Dabei gebe ich mir stets „so viel“ Mühe! „So viel“? Es hätte „so sehr viel“ sein können, müssen, sollen. Ich hatte damals das zweitbeste Abi der ganzen Stufe. Ach? Nur das zweitbeste? Nun ja, 3 Jahre später hatte meine Schwester das beste. Aber auch sie wurde nicht gelobt. (Das hat sie mir erst vor 3 Jahren erzählt.)

    Wir sind die typische „Nachkriegskinder-Generation“. Da gleichen sich die Schicksale sehr.

    • Ich bin echt überrascht, wie vielen es so ging. Das hatte ich nicht erwartet.
      Das mit den Zensuren kenne ich auch. Ich habe die DDR-POS (10. Klasse).
      Nach den Prüfungen habe ich mit „Sehr Gut“ abgeschlossen. Als Einzige. Aber das war selbstverständlich. Habe ich aber in Laufe der Jahre mal ne 3 mit nach Hause gebracht, wurde ewig diskutiert, wie das denn passieren konnte …
      Aber das ist lange her und belastet mich nicht mehr.
      Das Selbstwertgefühl im Minusbereich schon.

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