Die Geschichte zum Mittwoch – Der Hühneradler

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Ein Mann fand ein Adlerei und legte es in das Nest einer gewöhnlicher Henne. Der kleine Adler schlüpfte mit den Küken aus und wuchs zusammen mit ihnen auf.

Sein ganzes Leben benahm sich der Adler wie die Küken, weil er dachte, er sei ein Küken aus dem Hinterhof. Er kratzte in der Erde nach Würmern und Insekten. Er gluckte und gackerte. Und ab und zu hob er seine Flügel und flog ein Stück, genau wie die Küken. Schließlich hat ein Küken  so zu fliegen, stimmt’s?

Jahre vergingen, und der Adler wurde sehr alt. Eines Tages sah er einen Vogel hoch über sich im wolkenlosen Himmel. Hoheitsvoll schwebte er durch die heftigen Windströmungen, fast ohne  mit seinen kräftigen Flügeln zu schlagen. Der alte Adler blickte ehrfürchtig empor: „Wer ist das?“, fragte er seinen Nachbarn.

„Das ist der Adler, der König der Vögel“, sagte der Nachbar. „Aber reg dich nicht auf. Du und ich sind von anderer Art.“

Also dachte der Adler nicht weiter an diesen Vogel. Er starb in dem Glauben, ein Küken im Hinterhof  zu sein.

 

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2 Gedanken zu “Die Geschichte zum Mittwoch – Der Hühneradler

  1. Oh, so schön und doch traurig. Wenn man nicht weiss wer man wirklich ist. Aber wenn er ein glückliches Leben hatte ist es letzt endlich egal wer man ist oder woher man kommt.

    • Das denke ich auch. Wenn er glücklich war, ist doch alles in Ordnung. Schlimmer wäre es, wenn er zum Schluss immer denken müsste, was wäre wenn … was habe ich alles verpasst…

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