Die Geschichte zum Mittwoch

Das Leben ist herrlich

Ein Mann klagt einem Rabbi sein Leid: „Mein Leben ist nicht mehr erträglich.
Wir wohnen mit sechs Personen in einem Raum.
Ich halte die Enge und den Lärm nicht mehr aus. Was soll ich nur machen?“

Der Rabbi überlegte und riet ihm dann: „Nimm deinen Ziegenbock noch mit in euer Zimmer!“
Der Mann erhob verwundert seine Einwände gegen den Vorschlag.
Doch der Rabbi beharrte auf seinen Rat: „Tu, was ich dir gesagt habe, und komm nach einer Woche wieder!“

Nach einer Woche kam der Mann zum Rabbi.
Er war vollkommen entnervt und am Ende.
„Wir können es nicht mehr aushalten.
Der Ziegenbock stinkt fürchterlich.
Die Tage sind eine einzige Qual, die Nächte schlimm und schlaflos.“

Der Rabbi sagte nur: „Geh nach Hause und stell den Ziegenbock wieder in den Stall.
Dann komm nach einer Woche wieder!“
Die Woche verging.
Als der Mann zum Rabbi kam, lachte er übers ganze Gesicht: „Das Leben ist herrlich, Rabbi.
Wir genießen jede Minute.
Kein Ziegenbock, kein Gestank.
Nur wir sechs im Zimmer.
Das Leben ist herrlich!“

Manchmal wird das Leben in seinen engen Grenzen wieder weit und lebenswert, wenn man an die viel größere Not denkt, in der man sein und leiden könnte.
Manchmal muss man sich die Not ins eigene Zimmer stellen, damit man erkennt, wie gut man ohne sie leben kann.

Aber wirklich herrlich wird das Leben nicht durch Vergleiche mit anderen Menschen oder Situationen.

Wirklich herrlich bleibt das Leben nur im Wissen um einen Herrn des Lebens.
Unser Leben ist dann herrlich, auch in mancher Bedrängnis, wenn wir einen Herrn haben, der in allen Lebenslagen unser Helfer und Beistand ist.
Nur wer einen starken Herrn hat, dessen Leben wird letztlich auch „herrlich“ sein!

Quelle Text:  Axel Kühner, Überlebensgeschichten, S. 178
Quelle Bild: pixabay.de

PS.: Bis einschließlich fett markierter Satz finde ich die Geschichte richtig gut und zum Schmunzeln.
Die folgenden Sätze sind für mich schwierig.
Ja, ich bin Christin, aber an den Tagen, an denen es mir so sehr schlecht ging, hatte ich das Gefühl, die Verbindung nach oben ist gekappt worden.
Funkstille.
Vielleicht nur gefühlt, aber in dem Text steht etwas davon, dass „selbst in Tagen der Bedrängnis das Leben herrlich ist“.
Eine schlimme Aussage.
Denkt doch dann der „Christ in Bedrängnis“, wenn er das Leben dann nicht „herrlich“ für ihn ist, er glaubt nicht richtig, nicht genug.
Dann geht die Abwärtsspirale noch weiter nach unten.

 

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4 Gedanken zu “Die Geschichte zum Mittwoch

  1. Wenn man Depression und Angst hat, hat man Depression und Angst.

    Das Leben kann wirklich herrlich sein, ist aber bisweilen schwer zu ertragen. Ein jeder fühlt so 🙂

  2. Hallo Weena

    Wie fragte Christus im Garten Gethsemane: Herr, warum hast du mich verlassen? // Das ist ein starkes Bild, und erst noch ein biblisches. Auf jeden Fall näher am menschlichen Leben als der Nachsatz zur Geschichte vom Ziegenbock. Der klingt für mich so zeigefingermässig lehrerhaft. Entweder hat dieser Mensch nie gelitten oder er kennt kein Mitgegühl. Sowas hätte Jesus selbst sicher nie zu jemandem in Not gesagt 😉

    Das ist meine Meinung … Sende dir gute Wünsche!

    Anne

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