Die Geschichte zum Mittwoch

pixabay.de

Ein guter Rat

An einem warmen Sommerabend wanderten zwei Freunde durch einen Wald. Plötzlich sahen sie im Dämmerlicht eine großen Bären zwischen den Bäumen stehen.

Einer der Freunde kletterte rasch auf eine hohe Tanne und blieb, vor Furcht zitternd, oben in den Zweigen sitzen. Der andere konnte nicht klettern, und er sah keinen anderen Ausweg, als so zu tun, als sei er tot. Er ließ sich daher auf den Waldboden fallen und blieb regungslos liegen.

Der Bär kam näher und beschnüffelte ihn von oben bis unten.

Der Mann rührte sich nicht und hielt die Augen fest geschlossen, selbst dann, als er den heißen Atem des Bären auf seinem Gesicht spürte.

Er ,achte sich ganz steif und atmete nicht, obwohl er vor Angst am liebsten laut geschrien  hätte.

Wie man weiß, rührt ein Bär aber keine Toten an – und da dieser Bär den Mann für tot hielt, ließ er ihn liegen und trottete davon.

Als der Bär verschunden war, kletterte auch der Freund von seine Baum herunter und fragte seinen Begleiter: „Und, was hat Dir der Bär ins Ohr geflüstert?“

Dieser antwortete: „Er gab mir den guten Rat, dass ich nie wieder mit jemandem zusammen wandern soll, der sich Freund nennt, sich aber bei Gefahr aus dem Staub macht und mich im Stich lässt.“

Babrius

                                

Diese Fabel ist bestens geeignet mich zu triggern. Ich habe nämlich niemand, der mit mit zusammen die Gefahr des Bären aushält.

Mir fällt keiner ein. Ein bitteres Gefühl.

 

11 Gedanken zu “Die Geschichte zum Mittwoch

  1. Eine schöne Geschichte, die auf die meisten „Freundschaften“ zutreffen wird. Wenn ich so an unsere kleine 3-Mann-Wandergruppe denke, dann wäre es undenkbar, dass einer alleine auf einen Baum geklettert wäre. Entweder gemeinsam auf den Baum oder den Bären gemeinsam vertreiben, etwas anderes käme nicht in Frage.
    Vielleicht sind wir seit fast 40 Jahren so gute Freunde, weil wir uns gegenseitig achten und respektieren.

    • Menschen, die NUR noch von Angst beherrscht werden, sind aus welchem Grund auch immer psychisch krank geworden.
      Vor einem Bären hätte ich auch Angst, richtig Angst, weil ich seine Reaktion nicht einschätzen kann. Aber die Chance hier in der Hauptstadt einem Bären zu begegnen, ist doch sehr gering. (Außer natürlich im Tierpark oder Zoo).
      Aber man kann in andere Situationen kommen, wo man einen Freund richtig gut gebrauchen könnte …

  2. Freunde, vor allem enge Freunde, sind wichtig im Leben. Ob meine engsten Freunde mir zur Seite stehen würden, weiß ich ehrlich gesagt nicht. War bis jetzt in keiner schlimmen Situation wo man so etwas merken würde.

Schreibe einen Kommentar

%d Bloggern gefällt das: