Die Geschichte zum Mittwoch #11

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Die Fahrt in den Brunnen

In der Nähe eines Dorfes, am Rande eines großen Waldes, stand ein Brunnen. Zwei Eimer hingen an einem Seil, das über eine Rolle lief. Die Dorfbewohner ließen den leeren Eimer in den Brunnen hinab, und wenn er sich gefüllt hatte, zogen sie ihn herauf, während der andere Eimer in den Brunnen sank.

An einem Morgen kam ein Fuchs zu dem Brunnen, sah den vollen Eimer oben hängen, sprang hinein und schlabberte behaglich das kühle Wasser. Plötzlich merkte er, dass er Eimer mit ihm sank, während der andere in die Höhe stieg. Bevor sich der Fuchs mit einem Sprung über den Brunnenrand retten konnte, war er schon unten im Brunnen gelandet.

In dem tiefen kalten Brunnenloch hatte er nun Zeit, über sein Schicksal nachzudenken.

„Wäre ich doch oben geblieben und hätte Durst gelitten“, sprach er zu sich.“Was bringt es mir nun, dass ich mir den Magen mit Wasser füllte. Ich werde gewiss bald sterben müssen.Feinde habe ich genug, denn ich bin ein Dieb, und niemand im Dorf liebt mich.“

Während der Fuchs unten im Brunnen saß und klagte, erging es einem Wolf im nahen Wald nicht viel besser als ihm. Er wurde von Jägern so bedrängt, dass er sich nur durch einen verwirrenden Zickzacklauf, die Hügel hinauf und hinunter und kreuz und quer  durch das dichteste Dornengestrüpp retten konnte.

Dieser Wolf kam nun zum Brunnen und wollte trinken. Als der Fuchs oben im Bunnenloch die Wolfsschnauze auftauchen sah, begrüßte er ihn: „Willkommen, lieber Herr Wolf ! Ihr kommt gerade zur rechten Zeit! Es ist mir und Euch nützlich, wenn Ihr mir Eure Hilfe nicht verweigert. Ein Widder stieg in diesen Brunnen und trübt mir das klare Wasser, und ohne Eure Hilfe kann ich ihn nicht loswerden.“

„Wie kann denn ein Widder hier hinunterfallen?“, wunderte sich der Wolf.

„Vor vielen Jahren“, erzählte der Fuchs, „grub ich eine Höhle zu diesen Brunnen. Dieser Nichtsnutz von einem Widder entdeckte nun, dass ich hier zu trinken pflege. Manchen Tag kam er hierher, und ich wusste nichts davon. Der Widder ist so fett, dass man diesen Brunnen mit ihm zustopfen könnte. Er wird Euren Bauch füllen, wenn Ihr nach meinem Rat handelt.“

Dem Wolf lief bereits das Wasser im Mail zusammen, er beugte sich über den Brunnenrand und rief dem Fuchs zu: „Ich will es gern tun! Zeig mir den Weg zu dem Widder!“

„Setzt Euch in den Eimer“, befahl der Fuchs, „und komm zu mir herunter. Wenn Ihr in den Wollt zurückwollt, werde ich euch heraufholen.“

Der Wolf sprang in den Eimer, und da er schwerer als der Fuchs war, sank sein Eimer in die Tiefe, der Eimer mit dem Fuchs aber stieg in die Höhe. Als der Fuchs dem Wolf in halber Höhe begegnete, verabschiedete er sich von ihm, und der Wolf rief: „Wo wollt Ihr hin, Fuchs? Ihr sollt mir doch den Weg zum Widder zeigen!“

„Die Not drängt mich“, entschuldigte sich der Fuchs, „und ich muss Euch im Stich lassen. Es ist mir hier unten zu dunkel, und ich brauche frische Luft. So geht es in der Welt: Der eine kommt in die Höhe, der andere fällt hinunter. Wenn ich nicht wiederkommen sollte, so seid mir nicht böse. Seht aber zu, dass Ihr beizeiten aus dem Brunnen entkommt, denn Ihr habt viele Feinde.“

„Ich wollte, ich wäre Euch nie begegnet“, knurrte der Wolf unten im Brunnen. „Ich bin der Betrogene! Gebt mir einen Rat, Herr Fuchs, wie ich wieder aus dem Brunnen entkommen kann. Ich wollte, ich wäre so leicht wie Ihr, dann wäre der Eimer nicht in die Tiefe gesunken.“

„Könnte ich Euch einen Rat geben“, erwiderte der Fuchs, „so täte ich es gern. Aber es scheint mir, dass hier nicht das Körpergewicht, sondern die Sünden gewogen werden. Wer die meisten begangen hat, mit dem senkt sich die Waage nach unten.“

„Wenn das so ist“, jammerte der Wolf, „habe ich keine Aussicht auf Rettung. Meine Sünden wiegen schwerer als Eure.“

Ja, so ist es!“, rief der Fuchs oben am Brunnenrand. „Ihr habt mehr Rinder gefressen als ich jemals Hühner.  Wenn nun die Leute aus dem Dorf kommen, Euch hier sehen, fangen und schlagen, dann solltet Ihr es geduldig hinnehmen als Buße für Euer Räuberleben.“

Und frohen Mutes trollte sich der Fuchs in den Wald zu seinem Bau.

Der Wolf aber erhielt statt des Fuchses die Strafe für sein Räuberleben.

Gerhard von Minden

                                 

 

Die Moral der Geschichte, erst Nachdenken bevor man etwas tut …

Das trifft aber nicht wirklich auf mich zu.
Eher das Gegenteil.
Ich grüble und grüble und grüble und grüble und kann mich dann doch nicht entscheiden.
Tue ich es dann aber, ist das für mich wie in Stein gemeiselt.
Auch Jahre danach, wenn andere vielleicht sagen „Hättest du damals doch nicht …), bereue ich nichts, weil ich weiß, in gleicher Situation heute würde ich wieder so entscheiden.
Über diese Art zu Denken bin ich doch ziemlich glücklich, denn nix ist doofer als später zu sagen: „Ach, hätte ich doch damals …“ Das  kann einen doch ziemlich zerfressen, weil man ich nix mehr ändern kann.

Um auf die Geschichte mit dem Brunnen zurückzukommen … wahrscheinlich würde ich immer noch vor dem Brunnen sitzen und überlegen: mach ich es oder mach ich es nicht?

                              

 

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