Das Wort zum Montag #6

Ich habe ein neues Buch von  Joyce Meyer entdeckt. Unter dem Titel „100 Dinge, die das Leben leichter machen“  fragt sie anhand von Bibelversen und ihrem eigenen Leben, ob das Leben möglicherweise gar nicht kompliziert ist, sondern es erst kompliziert wird durch die Art wie wir es anpacken.
Und genau diese 100 Dinge möchte ich jetzt in meinem Leben reflektieren.
Mal schauen, ob mir das gelingt und ich die nötige Ausdauer habe *seufz*

pixabay.com

Lassen Sie die Vergangenheit los

„Wir bauen auf unseren Versagen auf. Wir benutzen es als Trittbrett. Schließ die Tür der Vergangenheit. Man kann die alten Fehler nicht vergessen, aber man darf nicht daran festhalten. Man darf sich von Ihnen nicht die Energie oder die Zeit oder den Frfeiraum stehlen lassen.“
Johnny Cash

Denk nicht mehr daran, was war und grübelt nicht mehr über das Vergangene.
Jesaja 43:18

In Philipper 3:13 schreibt der Apostel Paulus, dass er um eine Sache wirklich ernsthaft bemüht ist: die Vergangenheit zu vergessen, das loszulassen, was vorbei ist. Ich glaube, Paulus hat versucht, die Fehler er Vergangenheit wiedergutzumachen und hat dabei festgestellt, wie kompliziert und unmöglich das ist. Mit der Vergangenheit kann man nur eines machen: sie Gott überlassen. Wenn wir ihm unseren Schutt überlassen und er ihn in etwas Schönes verwandelt, kann Gott aus unseren Fehlern etwas Gutes für uns machen – wenn wir ihm das zutrauen.

In Jesaja 61:3 heißt es, dass er uns „Kopfschmuck anstelle von Asche“ gibt. Aber viele Menschen behalten lieber die Asche auf ihren Kopf, die verkohlten Überreste der Vergangenheit, die sie an ihre Fehler und ihr Versagen erinnern sollen. Geben Sie die Asche auf, sonst werden Sie nie etwas anderes bekommen.  Jeder Tag ist etwas ganz Neues mit ungeheuren Möglichkeiten: neues Leben, neue Hoffnung, neue Träume. Aber wenn wir in den Fehlern und Enttäuschungen der Vergangenheit stecken bleiben, können wir diese Möglichkeiten nicht mal erkennen. Lassen Sie das Vergangenheit los und gehen Sie voran.ns

Wenn wir Gottes Plan für die Gegenwart erkennen wollen, müssen wir unsere Gedanken von der Vergangenheit lösen. Abraham war ein Mann, der viel verloren hat. Um Streit zu vermeiden, überließ er seinen Neffen Lot das fruchtbare Jordantal, so dass er selbst nur noch trockenes Land hatte. Er hätte in Selbstmitleid versinken und entmutigt sein können. Stattdessen hörte er auf Gott, der ihm Folgendes sagte:

Blick auf und schau von der Stelle, an der du stehst, nach norden und Süden, nach Osten und  Westen.
Das ganze Land nämlich, das du siehst, will ich dir und deinen Nachkommen für immer geben.

1. Mose 13:14-15 (EU)

Vielleicht müssen Sie den Blick heben und sich umschauen, anstatt nach hinten und auf den Boden zu schauen. Schauen Sie auf und erkennen Sie die ungeheure Zukunft, die vor Hoffnung überquillt – Hoffnung in Gott für Sie! Verschwenden Sie Ihr Leben nicht damit, dem nachzutrauern, was Sie verloren haben und was vergangen ist Machen Sie Bestandsaufnahme von dem, was Sie haben. Gehen Sie vorwärts.  Setzen Sie einen Fuß vor den anderen. Denken Sie immer daran: Gott ist auf Ihrer Seite.

Joyce Meyer, 100 Dinge, die das Leben leichter machen, S. 32

*     *    *     *     *

Die Vergangenheit loslassen ….
Das erschien mir noch vor einem halben Jahr unmöglich.
Unmöglich, viel zu sehr hatte ich gelitten und viel zu sehr habe ich an den Dingen dort gehangen, an dem Leben im Wald, mit den 3 Hunden und Katze Ronja.
Immer in der Natur.
Eine neue Art zu leben, sich ausprobieren mit einem kleinen Garten, mit Kartoffeln und Möhren im Sack gezogen, mit eigenen Bienen und Katzenkindern, mit selbstgemachter Creme gegen Neurodermitis oder die weltbeste Orangennmarmelade.
Der Garten sollte größer und Hühner angeschafft werden, es gab einen eigenen Brunnen für den Notfall und einem Herd, mit dem man auch (im Notfall) mit Holz kochen konnte.
Diese Ursprünglichkeit habe ich geliebt.
All das, was ich so sehr an diesem Leben gemocht habe, sollte ich verlassen wegen eines einzigen wütenden Mannes, der voller Aggressionen war, der jeden Abend  trank, dem ich überhaupt nichts mehr recht machen konnte, der täglich getobt und verletzt hat, wegen dem mein Selbstwertgefühl stark in den Minusbereich rutschte.
Ich war der Versager.
Ich hatte keine Kraft.
Ich war schuld an allem und jedem.
Wenn ich verletzt, heulend und zitternd in der Ecke hockte, fast täglich, das hat ihn nicht interessiert.
Aus seiner Liebe zu mir wurde Hass.
Ich habe mir so sehr die Zeit zurück gewünscht, als alles noch gut war.
Gut war es bevor die vielen Flüchtlinge nach Deutschland kamen.
Das hatte bei ihm ein schreckliches Trauma zurückgebracht, seine Erinnerungen waren wieder da.
Das, was damals geschah als er vor vielen Jahren selbst in Afrika in einem Bürgerkrieg zwischen die Fronten geriet und Schlimmes erlebte.
Von abgehackten Armen und Köpfen hat er erzählt.
Diese Menschen kamen jetzt alle nach Deutschland, raste es in seinem Kopf…
Das hat ihm den Boden unter den Füßen weg gezogen und den Weg frei gemacht für Wut, Aggression und Hass, den er auf mich übertrug und nicht mehr aushaltbar war.

Das alles loszulassen habe ich bisher nicht geschafft.
Ja, es gibt kleine Fortschritte.
Ich nehme Medikamente, ein Therapeut, gehe in eine Selbsthilfegruppe, eine Frauengruppe und oft auch zum Offenen Treff. Ich liebe die Natur inzwischen sosehr, dass ich dort aufatmen kann, wenn raus gehe aus meiner kleinen Stadtwohnung, da fällt alles Schwere von mir ab und hab ein Herz fürs Fotografieren entdeckt.
Mittlerweile komme ich tagsüber ganz gut zurecht.
Nur abends und nachts …

Die Vergangenheit loslassen, irgendwie in einen Karton stecken, zuschnüren und ohne Absender wegschicken…
Ich arbeite daran…

Für J. ist es noch schlimmer.
Ja, er hat die Ursache erkannt, aber er denkt, er ist jetzt so wie er ist, eine Therapie lehnt er ab.
„Er ist Mann, er ist der Bestimmer, andere müssen sich nach ihm richten, egal wie sehr er tobt und um sich schlägt, er kann ja nichts dafür…“

Vergangenheit loslassen…

Aber vergessen werde ich es nie können, es war ein Teil meines Lebens.

*     *     *     *     *

  1. Regel: Eins nach dem anderen tun
  2. Regel: Lernen Sie Zufriedenheit
  3. Regel: Setzen Sie Gott an die erste Stelle
  4. Regel: Leben Sie zur Ehre Gottes
  5. Regel: Sorgen Sie sich nicht um Morgen

*     *     *     *     *

11 Gedanken zu “Das Wort zum Montag #6

    • Heftig? Aber ich habe doch gar keine Details beschrieben. Werde ich auch nicht tun. Ich selbst bekomme es auch im Kopf noch nicht klar. Ich habe immer noch das Schuld-Gefühl drin. Wenn ich mich anders verhalten hätte, dann vielleicht wäre es gegangen. Mich erschreckt daran, dass die Frauen, die aus den Frauenhäusern wieder zurück zu ihren tobenden Männern gehen, genauso oder ähnlich denken, und ich das nie verstanden habe. Jetzt kann ich es nachempfinden und es fühlt sich so furchtbar falsch an.
      Aber ich bin jetzt hier und es geht nur noch vorwärts. Das Schlimmste habe ich hinter mir und ich habe Hilfe.

  1. Jetzt scheint es ja zu gehen, wenn ich meine Webseite weglasse.

    Hoffentlich hat Dich das Schreiben etwas entlastet.
    Wir Menschen sind keine Idealwesen. Wir machen uns oft das Leben schwer.

    Hast Du abends vor allem Einsamkeitsgefühle…oder Angst?

    In jedem Falle kann es NUR vorwärtsgehen. Arbeite weiter an Dir. Du kommst immer mehr ins Licht!

    • Ja, die Einsamkeit abends ist nicht gut. Damit komme ich nicht klar, ich gehe jeden Abend später ins Bett, weil ich mich vor den Grübelgedanken fürchte. Mein Therapeut hat gerade Urlaub und ich habe erst am 19. den nächsten Termin. Von den Stunden komm ich immer mit viel Hoffnung im Kopf zurück.
      Es wird schon werden, ich bin nur so ungeduldig.

  2. Oh mein Gott
    Ich hoffe du kannst diese Zeit so schnell wie möglich verarbeiten und irgendwann einmal wieder Vertrauen zu einem Menschen fassen.
    Ich wünsche dir das derjenige so schnell wie möglich in dein Leben tritt …

  3. Das sind nur noch 9 Tage bis zum nächsten Termin.
    Mache Fotos, geh raus, beschäftige Dich mit positiven Dingen.
    Wenn das gut geht, dann hast Du Dir gezeigt, daß Du alleine gut kannst.

    • Es geht ja schon viel besser. Der massive Suiziddruck, den ich hatte, ist weg. Das war die schlimmste Zeit meines Lebens und ich bin der Psychiaterin sooo dankbar, dass sie genau erkannt hat, was mir helfen wird. Wirklich, ein dickes, dickes Dankeschön an sie.
      Es hat nur noch mal alles so kräftig hochgespült, weil das Thema dran war, „Die Vergangenheit loslassen“.

  4. Ich freu mich so für dich das du es geschafft hast dem zu entfliehen. So etwas sollte keiner durch machen müssen. Zum Glück gibt es Hilfe und Unterstützung wenn man sie braucht.
    Sei stolz auf dich was du schon alles geschafft hast. Schau zurück und seh wie weit der dunkle Weg hinter dir liegt. Und dann schau nach vorne wie bunt der Weg dort ist wo du entlang gehst.
    LG, Nati

    • Ja, ich bin auch dankbar, dass jetzt das Schlimmste vorüber ist.
      Nur mit der „Hilfe“ war es sehr schwierig. Gut, ich hatte die weltbeste Psychiaterin, aber wenn es diese nicht gegeben hätte, sehe es düster aus. Es ist (zumindest hier) fast schon aussichtslos, so einen Termin zeitnah zu bekommen. Alle sind bis zum Anschlag voll mit Patienten. Und die Therapeutensuche war dann auch seeehr schwierig. Ich halte es für unzumutbar, dass psychisch kranke Menschen, die lieber die Decke über den Kopf ziehen und nichts hören und sehen wollen, sich durch gefühlte 1000 Absagen durchkämpfen müssen. Es fehlt nicht an der Anzahl von Therapeuten (für privat Versicherte gibts die wie Sand am Meer), sondern an Kassenzulassungen. Es scheint bei den Krankenkassen noch nicht angekommen zu sein, dass schwere Depressionen eine tödlich verlaufende Krankheit sein kann.
      Es ist wie es ist, ich habe die Hilfe gefunden, weiß auch, dass ich mit den beiden Menschen wirklich Glück gehabt habe.

Schreibe einen Kommentar

%d Bloggern gefällt das: