Die Geschichte zum Mittwoch

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Ein guter Rat

An einem warmen Sommerabend wanderten zwei Freunde durch einen Wald. Plötzlich sahen sie im Dämmerlicht eine großen Bären zwischen den Bäumen stehen.

Einer der Freunde kletterte rasch auf eine hohe Tanne und blieb, vor Furcht zitternd, oben in den Zweigen sitzen. Der andere konnte nicht klettern, und er sah keinen anderen Ausweg, als so zu tun, als sei er tot. Er ließ sich daher auf den Waldboden fallen und blieb regungslos liegen.

Der Bär kam näher und beschnüffelte ihn von oben bis unten.

Der Mann rührte sich nicht und hielt die Augen fest geschlossen, selbst dann, als er den heißen Atem des Bären auf seinem Gesicht spürte.

Er ,achte sich ganz steif und atmete nicht, obwohl er vor Angst am liebsten laut geschrien  hätte.

Wie man weiß, rührt ein Bär aber keine Toten an – und da dieser Bär den Mann für tot hielt, ließ er ihn liegen und trottete davon.

Als der Bär verschunden war, kletterte auch der Freund von seine Baum herunter und fragte seinen Begleiter: „Und, was hat Dir der Bär ins Ohr geflüstert?“

Dieser antwortete: „Er gab mir den guten Rat, dass ich nie wieder mit jemandem zusammen wandern soll, der sich Freund nennt, sich aber bei Gefahr aus dem Staub macht und mich im Stich lässt.“

Babrius

                                

Diese Fabel ist bestens geeignet mich zu triggern. Ich habe nämlich niemand, der mit mit zusammen die Gefahr des Bären aushält.

Mir fällt keiner ein. Ein bitteres Gefühl.

 

Die Geschichte zum Mittwoch

Das Kamel

Als die Menschen zum ersten Mal ein Kamel sahen, staunten sie über die Größe des Tieres und liefen bestürzt davon.

Schon bald aber merkten sie, dass es nicht so furchtbar war, wie sie es erwartet hatten, und überlegten sich, dass sie es bändigen könnten.

Sie fingen es mit wenig Mühe ein und verwendeten es zu ihrem Nutzen. Ganz geduldig ließ es alles mit sich geschehen und wich jeder Gefahr aus.

Nun fingen die Menschen an, es zu verachten, weil es sich trotz seiner Größe und Stärke nie widerspenstig zeigte, sondern sich jede Kränkung gefallen ließ.

Sie zäumten es auf und ließen es von ihren Kindern leiten.

Manche Dinge scheinen nur unbezwingbar zu sein.

Aesop

                                  

PS: Der letzte Satz ist auch so ein bissel MEIN Thema. Ich sehe oft riesengroße Berge vor mir, die objektiv gesehen nur nur so „scheinen“.  Mir fällt es mehr als schwer, sie in kleine Stücke zu zerlegen und es schrittweise anzugehen. *seufz*

 

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Die Geschichte zum Mittwoch

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Der Esel und der Wolf

Ein Esel begegnete einem hungrigen Wolfe.

„Hab Mitleid mit mir“, sagte der zitternde Esel, „ich bin ein armes krankes Tier sieh nur, was für einen Dorn ich mir in den Fuß getreten habe!“

„Wahrhaftig, du dauerst mich“, versetzte der Wolf. „Und ich finde mich in meinem Gewissen verbunden, dich von deinen Schmerzen zu befreien.“

Kaum ward das Wort gesagt, so ward der Esel zerrissen.

Gotthold Ephraim Lessing

 

PS: Hey,  soll heißen, erwarte kein Mitleid von deinem Feind, oder Chef oder Vermieter oder Finanzamt oder KanzlerIN oder sonstwen, der dich nicht leiden mag.

 

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Die Geschichte zum Mittwoch

Die Krähe und der Wasserkrug

Einmal, es war im heißesten Monat des Sommers, vertrockneten viele Bäche, und auch viele Quellen versiegten.
Eine durstige Krähe irrte einen ganzen Tag lang umher auf der Suche nach Wasser.

Abends als sie erschöpft war, dass sie kaum noch fliegen konnte, entdeckte sie endlich einen Krug mit Wasser am Eingang eines Hauses stehen.

Sie flog hinab, steckte den Kopf in den Krug und wollte daraus trinken.

Aber der Krug war nur halb voll, und die Krähe mochte ihren  Hals noch so lang strecken, sie erreichte das verlockende Nass nicht mit ihren Schnabel.

Enttäuscht flatterte sie auf, hüpfte flügelschlagend um den Krug und versuchte, ihn umzuwerfen.

Doch es war ein großer schwerer Tonkrug, den sie nicht kippen konnte.

Als die Krähe niedergeschlagen neben den Krug hocken blieb, erblickte sie neben sich auf der Schwelle des Hauses einen Haufen kleiner Steine

Die Krähe pickte einen Stein nach dem anderen auf und warf ihn in den Krug hinein, bis das Wasser den oberen Rand erreichte und sie ihren Durst stillen konnte.

(Aesop)

 

                                   

PS: Was bin  ich froh, dass ich nur den Wasserhahn aufmachen muss! DANKE an den Erfinder der Wasserleitung, an die Bauer, die sie bis hier ins Haus gelegt haben und an den, der für das immer frische Wasser sorgt.

DANKE

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Die Geschichte zum Mittwoch

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Die Schildkröte im Schlamm

Der Kaiser von China hörte von der Weisheit eines Eremiten, der in den Bergen im Norden lebte.
Er schickte Boten zu ihm, die ihm das Amt des Premierministers in seinem Reich antragen sollten.
Die kaiserlichen Gesandten waren tagelang unterwegs, ehe sie die Eremitenklause erreichten.
Den Eremiten fanden sie halbnackt auf einen Felsen sitzen beim Fischen.
Zuerst bezweifelten sie, dass das der Mann sein sollte, von dem der Kaiser so große Stücke hielt, aber Erkundigungen im nächsten Dorf ergaben, dass er es tatsächlich war.
So riefen sie ihn vom Ufer aus höflich an.

Der Eremit watete ans Ufer, nahm die reichen Geschenke der Gesandten entgegen und vernahm ihr seltsames Begehren.
Als ihm schließlich klar wurde, dass der Kaiser ihn, den Eremiten, zum Premierminister des Reiches machen wollte, warf er den Kopf zurück und brüllte vor Lachen.
Als er sich schließlich beruhigt hatte, sagte er zu den bestürzten Gesandten: „Seht ihr diese Schildkröte hier, wie sie im Schmutz mit ihren Schwanz wippt?“

„Ja, geehrter Herr“, sagten die Abgesandten.

„Nun sagt mir, stimmt es, dass sich der kaiserliche Haushalt jeden Tag in der Palastkapelle versammelt und eine ausgestopfte Schildkröte verehrt, die sich in einem Schrein über den Hauptaltar befindet, eine göttliche Schildkröte, deren Rückenschild mit Diamanten, Rubinen und anderen Edelsteinen inkrustiert ist?“

„So ist es in der Tat, geehrter Herr“, sagten  die Abgesagten.

„Glaubt ihr wohl, dass dieser kleine Bursche hier, der im Schmutz mit seinem Schwanz wackelt, den Platz mit der göttlichen Schildkröte tauschen würde?“

„Nein, verehrter Herr“, sagten die Gesandten.

„Dann geht und sagt dem Kaiser, dass auch ich das nicht will.
Ich möchte lieber lebendig in diesen Bergen als tot in seinem Palast sein.
Niemand kann in einem Palast wohnen und lebendig bleiben.“

(Quelle: 365 Geschichten, die gut tun von Anthony de Mello)

 

                                  

 

PS: Heißt das jetzt: Lieber Hartz IV als den Job von Frau Merkel?

 

 

Die Geschichte zum Mittwoch – Der Hühneradler

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Ein Mann fand ein Adlerei und legte es in das Nest einer gewöhnlicher Henne. Der kleine Adler schlüpfte mit den Küken aus und wuchs zusammen mit ihnen auf.

Sein ganzes Leben benahm sich der Adler wie die Küken, weil er dachte, er sei ein Küken aus dem Hinterhof. Er kratzte in der Erde nach Würmern und Insekten. Er gluckte und gackerte. Und ab und zu hob er seine Flügel und flog ein Stück, genau wie die Küken. Schließlich hat ein Küken  so zu fliegen, stimmt’s?

Jahre vergingen, und der Adler wurde sehr alt. Eines Tages sah er einen Vogel hoch über sich im wolkenlosen Himmel. Hoheitsvoll schwebte er durch die heftigen Windströmungen, fast ohne  mit seinen kräftigen Flügeln zu schlagen. Der alte Adler blickte ehrfürchtig empor: „Wer ist das?“, fragte er seinen Nachbarn.

„Das ist der Adler, der König der Vögel“, sagte der Nachbar. „Aber reg dich nicht auf. Du und ich sind von anderer Art.“

Also dachte der Adler nicht weiter an diesen Vogel. Er starb in dem Glauben, ein Küken im Hinterhof  zu sein.

 

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Die Geschichte zum Mittwoch

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Ein Bischof lernt beten

Als das Schiff des Bischofs für einen Tag an einer fernen Insel anlegte, beschloss er, diesen Tag so gut wie möglich zu nutzen.
Er schlenderte am Strand entlang und traf drei Fischer, die ihre Netze flickten.
In Pidgin-Englisch erklärten sie ihm, dass sie vor vielen Jahrhunderten von Missionaren christianisiert worden waren. „Wir Christen!“ sagten sie und zeigten stolz auf sich.
Der Bischof war beeindruckt.
Kannten sie das Vaterunser?

Davon hatten sie noch nie gehört.
Der Bischof war schockiert.
Wie konnten diese Männer behaupten, Christen zu sein, wenn sie nicht etwas so Grundlegendes wie das Vaterunser kannten?

„Was sagt ihr also, wenn ihr betet?“

„Wir heben die Arme gen Himmel. Wir beten: ‚Wir sind drei, du bist drei, sei uns gnädig.'“

Der Bischof war bestürzt über dieses primitive Gebet.
So verbrachte er den ganzen Tag damit, sie das Gebet des Herrn zu lehren.
Die Fischer lernten schwer, aber sie strengten sich an, und ehe der Bischof  am nächsten Tag die Segel setzte, hörte er befriedigt, wie sie das ganze Gebet fehlerfrei aufsagten.

Monate später passierte das Schiff des Bischofs zufällig wieder die Inseln.
Als er auf dem Deck betend hin und her ging, erinnerte er sich mit Freuden daran, dass es auf jener fernen Insel drei Männer gab, die  dank seiner geduldigen Bemühungen nun korrekt beten konnten.
Als er gedankenverloren aufblickte, sah er im Osten einen hellen Fleck.
Das Licht kam auf das Schiff zu, und als er Bischof verwundert hinsah, erkannte er drei Gestalten, die sich auf dem Wasser dem Schiff näherten.
Der Kapitän stoppte, alle Matrosen beugten sich über die Reling, um das erstaunliche Ereignis zu sehen.

Als sie so nahe waren, dass man sie verstehen konnte, erkannte der Bischof seine drei Freunde, die Fischer.

„Bischof!“, riefen sie, „wir sind froh, dich zu sehen. Wir hören, dein Boot an der Insel vorbeifahren, wir schnell schnell kommen, dich zu treffen.“

„Was wollt ihr?“, fragte der Bischof ehrfürchtig.

„Bischof“, sagten sie, „wir so sehr traurig. Wir vergessen schönes Gebet. Wir sagen: Unser Vater im Himmel geheiligt sei dein Name. dein Reich komme …, dann wir vergessen. Bitte sage uns ganzes Gebet nochmal.“

Demütig sagte der Bischof: „Geht nach Hause zurück, gute Leute, und sagt wenn ihr betet: ‚Wir sind drei, du bist drei, sei uns gnädig!“

(Quelle: „365 Geschichten, die gut tun“ Anthony de Mello, S. 150)

 

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Die Geschichte zum Mittwoch

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Die drei Söhne

Drei Frauen standen am Brunnen, um Wasser zu holen. Nicht weit davon entfernt saß ein Greis und hörte, wie sie ihre Söhne lobten.

„Mein Sohn“, sagte die erste, „ist ein geschickter und wendiger Junge.Er übertrifft an Behendigkeit alle Knaben im Dorf.“

„Mein Sohn“, meinte die zweite, „hat die Stimme einer Nachtigall. Wenn er singt, schweigen alle Leute und bewundern ihn. Er wird einmal ein großer Sänger werden.“

Die dritte Frau schwieg.

„Warum sagst du denn gar nichts?“ fragten die anderen.

„Ich wüsste nichts, womit ich ihn loben könnte“, entgegnete diese. „Mein Sohn ist ein gewöhnlicher Junge und hat nichts Besonderes an sich. Aber ich hoffe, er wird einmal im Leben seinen Mann stehen.“

Die Frauen füllten ihre Eimer und machten sich auf den Heimweg.

Der Greis ging langsam hinter ihnen her.

Er sah, wie hart es sie ankam, die schweren Gefäße zu tragen, und wunderte sich nicht darüber, dass sie nach einer Weile ihre Last absetzten, um ein wenig zu verschnaufen.

Da kamen ihnen drei Knaben entgegen.

Der erste stellte sich auf die Hände und schlug Rad um Rad.

„Welch ein geschickter Junge!“ riefen die Frauen.

Der zweite stimmte ein Lied an, und die Frauen lauschten ihm mit Tränen in den Augen.

Der dritte Junge lief zu seiner Mutter, ergriff wortlos die beiden Eimer und trugen sie heim.

Die Frauen wandten sich an den Greis und fragten: „Was sagst du zu unseren Söhnen?“

„Eure Söhne?“ entgegnete der Greis verwundert, „ich habe nur einen einzigen Sohn gesehen!“

(Leo N. Tolstoi)

Quelle: Axel Kühner „Überlebensgeschichten“, S. 175

 

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Die Geschichte zum Mittwoch

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Auf der Durchreise

Im 19. Jahrhundert lebte in Polen ein bekannter jüdischer Rabbi mit Namen Hofetz Chaim.

Zu ihm kam eines Tages ein Besucher, um einen Rat von ihm zu erbitten.

Als der Mann sah, dass die Wohnung des Rabbi aus einem einzigen winzigen Zimmer bestand, in dem sich nur eine Bank, ein Tisch mit einem Stuhl und viele Bücher befanden, fragte er den Rabbi verwundert: „Meister, wo haben Sie ihre Möbel und den Hausrat?“

„Wo haben Sie Ihre?“ erwiderte der Rabbi.

„Meine?“ fragte der verblüffte Fremde, „ich bin doch nur zu Besuch hier. Ich bin nur auf der Durchreise!“

„Ich auch!“ sagte Hofetz Chaim.

Quelle Text: Axel Kühner „Überlebensgeschichten“, S. 191

 

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Die Geschichte zum Mittwoch

Das Leben ist herrlich

Ein Mann klagt einem Rabbi sein Leid: „Mein Leben ist nicht mehr erträglich.
Wir wohnen mit sechs Personen in einem Raum.
Ich halte die Enge und den Lärm nicht mehr aus. Was soll ich nur machen?“

Der Rabbi überlegte und riet ihm dann: „Nimm deinen Ziegenbock noch mit in euer Zimmer!“
Der Mann erhob verwundert seine Einwände gegen den Vorschlag.
Doch der Rabbi beharrte auf seinen Rat: „Tu, was ich dir gesagt habe, und komm nach einer Woche wieder!“

Nach einer Woche kam der Mann zum Rabbi.
Er war vollkommen entnervt und am Ende.
„Wir können es nicht mehr aushalten.
Der Ziegenbock stinkt fürchterlich.
Die Tage sind eine einzige Qual, die Nächte schlimm und schlaflos.“

Der Rabbi sagte nur: „Geh nach Hause und stell den Ziegenbock wieder in den Stall.
Dann komm nach einer Woche wieder!“
Die Woche verging.
Als der Mann zum Rabbi kam, lachte er übers ganze Gesicht: „Das Leben ist herrlich, Rabbi.
Wir genießen jede Minute.
Kein Ziegenbock, kein Gestank.
Nur wir sechs im Zimmer.
Das Leben ist herrlich!“

Manchmal wird das Leben in seinen engen Grenzen wieder weit und lebenswert, wenn man an die viel größere Not denkt, in der man sein und leiden könnte.
Manchmal muss man sich die Not ins eigene Zimmer stellen, damit man erkennt, wie gut man ohne sie leben kann.

Aber wirklich herrlich wird das Leben nicht durch Vergleiche mit anderen Menschen oder Situationen.

Wirklich herrlich bleibt das Leben nur im Wissen um einen Herrn des Lebens.
Unser Leben ist dann herrlich, auch in mancher Bedrängnis, wenn wir einen Herrn haben, der in allen Lebenslagen unser Helfer und Beistand ist.
Nur wer einen starken Herrn hat, dessen Leben wird letztlich auch „herrlich“ sein!

Quelle Text:  Axel Kühner, Überlebensgeschichten, S. 178
Quelle Bild: pixabay.de

PS.: Bis einschließlich fett markierter Satz finde ich die Geschichte richtig gut und zum Schmunzeln.
Die folgenden Sätze sind für mich schwierig.
Ja, ich bin Christin, aber an den Tagen, an denen es mir so sehr schlecht ging, hatte ich das Gefühl, die Verbindung nach oben ist gekappt worden.
Funkstille.
Vielleicht nur gefühlt, aber in dem Text steht etwas davon, dass „selbst in Tagen der Bedrängnis das Leben herrlich ist“.
Eine schlimme Aussage.
Denkt doch dann der „Christ in Bedrängnis“, wenn er das Leben dann nicht „herrlich“ für ihn ist, er glaubt nicht richtig, nicht genug.
Dann geht die Abwärtsspirale noch weiter nach unten.

 

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